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Alternative fĂźr Deutschland
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Die Alternative fßr Deutschland (abgekßrzt AfD) ist eine rechtsextreme und rechtspopulistische, vÜlkisch-nationalistisch ausgerichtete politische Partei in Deutschland. Sie wurde 2013 gegrßndet, zog bei der Europawahl 2014 in das Europäische Parlament, später in alle deutschen Landesparlamente und bei der Bundestagswahl 2017 als drittstärkste Fraktion in den 19. Deutschen Bundestag ein. Seit der Bundestagswahl 2025 ist sie die zweitstärkste Fraktion. Zu einer Regierungsbeteiligung kam es bisher weder auf Landes- noch auf Bundesebene.
Die AfD vertrat anfangs EU-Skepsis, Wirtschaftsliberalismus und Nationalliberalismus und entwickelte sich dann zum Nationalkonservatismus, vĂślkischen Nationalismus und Neoliberalismus. Sie radikalisiert sich seit ihrer GrĂźndung fortlaufend, so dass selbst das rechtsorientierte Rassemblement National die Zusammenarbeit mit ihr im Europaparlament aufkĂźndigte. Die AfD will den Sozialstaat abbauen, Geringverdiener gegenĂźber Gutverdienern schlechterstellen und einer Sparpolitik gegenĂźber Investitionen Vorrang geben. Zugleich fordert sie RentenerhĂśhungen und die Abschaffung von Erbschafts- und Grundsteuer. Die Partei spricht sich fĂźr eine harte Migrationspolitik aus und diskutiert auch politisch extreme Ideen wie unter Druck erfolgte Remigration â mĂśglicherweise auch von deutschen StaatsbĂźrgern â mit, wie BjĂśrn HĂścke es ausdrĂźckt, âwohltemperierte[r] Grausamkeitâ. Als einzige Partei im Bundestag leugnet sie den menschengemachten Klimawandel und will zukunftsweisende Klimatechnologien nicht fĂśrdern. Sie vertritt seit Jahren und auch nach dem Ăberfall Russlands auf die Ukraine 2022 russlandfreundliche Positionen und arbeitet dazu mit Teilen der US-Regierung unter Donald Trump zusammen.
Die kontinuierliche Radikalisierung der AfD nach rechts ging mit Austritten gemäĂigterer Vertreter und FĂźhrungswechseln einher. In der AfD gibt es verschiedene, teils widersprĂźchliche innerparteiliche Vereinigungen, informelle ParteiflĂźgel und Einzelmeinungen. Während kleinere Gruppen christlich-fundamentalistische und direktdemokratische Positionen vertreten, vertreten grĂśĂere organisierte Teile autoritäre, vĂślkisch-nationalistische, homophobe, antifeministische, antisemitische und geschichtsrevisionistische Positionen. Als Sammelbecken der rechtsextremen Teile gilt der offiziell aufgelĂśste, aber weiter aktive FlĂźgel um den ThĂźringer Landesvorsitzenden BjĂśrn HĂścke, dem 2024 60 % der Delegierten und zwei Drittel des Vorstands zugerechnet wurden. Mehrere Landesverbände und andere Teile der Partei sind mit neurechten Gruppen wie der Identitären Bewegung verbunden und werden als Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands eingestuft.
Seit 2018 beobachten deutsche Verfassungsschutzämter die AfD. Ab Anfang 2021 stufte das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz (BfV) die Bundespartei als rechtsextremen Verdachtsfall ein. Eine Klage der AfD dagegen wurde rechtskräftig abgewiesen. Die Einstufung der ganzen AfD als âgesichert rechtsextremistische Bestrebungâ vom Mai 2025 setzte das BfV im Rahmen einer Stillhaltezusage vorläufig aus.
Contents
⢠Profil
⢠Europapolitik
⢠Arbeitspolitik
⢠Sozialpolitik
⢠Die Freiheit
⢠NPD/Die Heimat
⢠Pegida
⢠Pro Deutschland
⢠Nordkreuz
⢠Bundespartei
⢠Landesverbände
⢠Parteistruktur
⢠Bundesparteitag
⢠Konvent
⢠Bundesvorstand
⢠Landesverbände
⢠Mitarbeiter
⢠Mitglieder
⢠Parteizeitung
⢠Finanzen
⢠Bundessprecher
⢠Geschichte
⢠Wahlergebnisse
⢠Antisemitismus
⢠Sozialverbände
⢠Literatur
⢠Dokumentarfilme
⢠Weblinks
⢠Anmerkungen
⢠Einzelnachweise
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Profil
Auf ihrem GrĂźndungsparteitag am 14. April 2013 beschloss die AfD ein erstes Wahlprogramm.cite-ref-11[11] Im Jahre 2014 folgten politische Leitlinien, später Strategiepapiere und Resolutionen â unter anderem zur Verschärfung des Asylrechts,cite-ref-sz-programm-2016-12-0[12] zur Euro- und Ausländerpolitik, zum Islamismus und zum Waffenrecht.cite-ref-13[13]
Anfang Mai 2016 verabschiedete die AfD auf dem Mitgliederparteitag in Stuttgart ihr Grundsatzprogramm, basierend auf einem Entwurf, der in Arbeitsgruppen unter Beteiligung von etwa 1000 Mitgliedern entstanden war.cite-ref-auto-14-0[14]
Europapolitik
In ihrem Grundsatzprogramm von 2016 lehnte sie die Europäische Union (EU) als politisches BĂźndnis ab und befĂźrwortete lediglich eine Wirtschaftsgemeinschaft ähnlich deren Vorläufer EWG. Der Euro wurde als Experiment bezeichnet, das beendet werden solle; Ăźber den Verbleib in der Eurozone wollte die Partei eine Volksabstimmung ansetzen.cite-ref-sz-programm-2016-12-1[12] Von einzelnen Vertretern wird analog zum EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs ein Austritt Deutschlands aus der Union (Dexit) verlangt. Offiziell und von der Parteispitze wird ein Austritt als Ultima Ratio fĂźr den Fall betrachtet, dass grundlegende Reformen der EU ausbleiben.cite-ref-15[15] Wegen âmangelnder Legitimationâ der EU fordert die AfD die Renationalisierung von Politikfeldern.cite-ref-nation-16-0[16] Eine gemeinsame Haftung der Eurozone lehnt sie ab. Haftungsrisiken aus BĂźrgschaften, wie bei den Euro- und BankenrettungsmaĂnahmen, sollten in der Finanzplanung ausgewiesen werden.cite-ref-welt115038859-17-0[17] 2024 kĂźndigte Alice Weidel fĂźr den Fall einer AfD-Regierung ein Referendum Ăźber den Verbleib in der EU an, sollten umfangreiche Reformen der EU, die die nationale Souveränität wieder herstellen mĂźssten, scheitern. GroĂbritannien habe 2016 mit seinem Brexit-Referendum âvĂśllig richtigâ gehandelt. Das Wahlprogramm fĂźr die Europawahl 2024 nannte die EU ânicht reformierbarâ und bezeichnete sie âals gescheitertes Projektâ.cite-ref-18[18] Im Wahlprogramm fĂźr die Bundestagswahl 2025 verzichtete die AfD aber auf die Forderung nach einem Austritt aus der Europäischen Union (Dexit), sie sprach stattdessen von einem âĂbergang von der Europäischen Union in den Bund europäischer Nationenâ.cite-ref-19-19-0[19]
Finanz- und Wirtschaftspolitik
Die AfD steht fĂźr eine extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die Partei mĂśchte den Staat in seiner Funktion als Gestalter der Märkte beschneiden und die Macht des Marktes vergrĂśĂern. Der Sozialstaat soll abgebaut werden.cite-ref-neol1-6-1[6]cite-ref-neol2-7-1[7]cite-ref-15-20-0[20]cite-ref-neol3-21-0[21]
Die AfD spricht sich fßr eine Sparpolitik und die Beibehaltung der Schuldenbremse aus. Fßr die Partei hat die Tilgung von Staatsschulden gegenßber Investitionen Priorität. Insbesondere Investitionen in die Dekarbonisierung der Wirtschaft lehnt sie ab.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23] Die AfD mÜchte digitale Technologien national weiterentwickeln, so wird beispielsweise eine nationale KI-ForschungsfÜrderung vorgeschlagen. Wirtschaftspolitische Konzepte zur FÜrderung zukunftsweisender Klimatechnologien fehlten im Wahlprogramm der Partei zur Bundestagswahl 2021.cite-ref-24[24] In der Wirtschaft wird die AfD als negativer Standortfaktor bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland angesehen.cite-ref-25[25]
Das Steuerrecht soll nach dem Vorbild des Kirchhof-Modells gestaltet und Steuern â insbesondere fĂźr hohe Einkommen â gesenkt werden. Das Modell sieht einen HĂśchststeuersatz von 25 statt der aktuellen 45 Prozent vor. Die Steuereinnahmen fĂźr den Staat wĂźrden dadurch deutlich geringer ausfallen.cite-ref-welt115038859-17-1[17] Die Erbschaftsteuer will die AfD abschaffen, die Gewerbesteuer ĂźberprĂźfen.cite-ref-sz-programm-2016-12-2[12] Die Besteuerung groĂer VermĂśgen lehnt sie ab. Den Solidaritätszuschlag, der noch fĂźr Spitzenverdiener besteht, mĂśchte sie abschaffen.cite-ref-15-20-1[20]
Eine Analyse des Wahlprogramms zur Bundestagswahl 2025, durchgefßhrt durch das Zentrum fßr Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, ergab, dass einer Familie mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen durch die Reformvorschläge der AfD 440 Euro im Jahr weniger zur Verfßgung stßnden. Eine Familie mit einem Brutto-Jahreseinkommen von 180.000 Euro wßrde durch die Pläne der Partei hingegen um 19.190 Euro entlastet.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
Nachdem Donald Trump 2025 den Milliardär Elon Musk an der Regierung beteiligte, was von Politikern der Demokratischen Partei als Schritt zur Oligarchie kritisiert wurde, erklärte Alice Weidel, dass sie es auch in Deutschland begrĂźĂen wĂźrde, wenn âerfolgreiche Unternehmerâ wie Elon Musk, Peter Thiel oder Theo MĂźller an einer Regierung beteiligt wĂźrden.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Die AfD fordert die Abschaffung der Grundsteuer und die Abschaffung der Erbschaftssteuer, fßr die Abschaffung der Grundsteuer sollen die Kommunen mit einem erhÜhten Anteil an der Einkommensteuer und KÜrperschaftsteuer entschädigt werden. Wie der Wegfall der Erbschaftssteuer ausgeglichen werden soll, wird von der AfD nicht angegeben. Beide wegzufallenden Steuern haben (Stand 2025) eine beträchtliche jährliche Bedeutung fßr die Üffentlichen Haushalte, die Grundsteuer mit etwa 16 Milliarden Euro, die Erbschaftssteuer mit etwa 15 Milliarden.cite-ref-26-30-0[30]
Im wissenschaftlichen Diskurs wird das wirtschaftspolitische Programm der AfD Ăźberwiegend als widersprĂźchlich, Ăśkonomisch riskant und potenziell schädlich fĂźr Deutschlands Wohlstand verworfen. Knut Bergmann vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnet das Programm als âAnsammlung an wirtschaftspolitischem Giftâ. Zwar räumt er ein, dass einzelne MaĂnahmen â etwa BĂźrokratieabbau â sinnvoll sein kĂśnnten, doch insgesamt sei das Konzept inkonsistent: Die AfD plane massive Steuersenkungen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben und der Einhaltung der Schuldenbremse. Dies sei nicht finanzierbar und fĂźhre âauf der Ăberholspur in Richtung Staatsbankrottâ.cite-ref-31[31]
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts fĂźr Wirtschaftsforschung (DIW), teilt diese Einschätzung. Er kritisiert die Kombination aus hĂśheren Staatsausgaben, niedrigeren Steuern und fiskalischer Restriktion als unmĂśglich umzusetzen. Zudem warnt er vor der RĂźckabwicklung der Energiewende, die hohe Kosten verursachen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen wĂźrde. Die AfD-Idee, wieder russisches Gas zu beziehen, hält Bergmann fĂźr geopolitisch wie Ăśkonomisch absurd. Auch migrations- und europapolitische Positionen der AfD sehen die Experten als wirtschaftsfeindlich. Eine restriktive Migrationspolitik gefährde Fachkräftezuwanderung, ein mĂśglicher EU-Austritt (âDexitâ) wäre laut IW und DIW ein âĂśkonomischer Super-GAUâ, der Millionen Arbeitsplätze kosten und Deutschland deindustrialisieren wĂźrde.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]
AuĂen- und Verteidigungspolitik
Das verabschiedete auĂenpolitische Programm der AfD ist fragmentarisch. AuĂenpolitik erscheint in erster Linie auf Europa bezogen zu sein, im Sinne einer Abwehr des als europäischer âĂberstaatâ gesehenen âBrĂźsseler Zentralismusâ, die Kompetenzabgabe zugunsten der Europäischen Union erscheint als Gefahr fĂźr die nationale Souveränität.cite-ref-lewandowskyau-en-34-0[34]
Die AfD positioniert sich seit Jahren fĂźr eine enge Zusammenarbeit mit Russland, die Europäische Union oder die Vereinigten Staaten werden hingegen skeptisch bis ablehnend gesehen. Bereits 2013 verfasste Alexander Gauland ein Papier, das Verständnis fĂźr Russlands Wunsch nach einer Wiedergewinnung der Krim äuĂerte und den Verlust des âheiligen Kiewsâ mit einem Verlust KĂślns fĂźr Deutschland verglich. Man solle sich am RĂźckversicherungsvertrag Bismarcks orientieren: âDas Verhältnis zu Russland sollte uns immer eine sorgfältige Pflege wert sein. Wir Deutschen vergessen manchmal, dass Russland an entscheidenden Wegmarken der deutschen Geschichte positiv Pate gestanden und PreuĂen vor dem Untergang bewahrt hat.âcite-ref-35[35]cite-ref-36[36] In einer Wahlkampfrede 2017 nannte er Russland ein âchristliches Bollwerk gegen eine islamische Landnahmeâ,cite-ref-37[37] fĂźr Putins tatsächlich erfolgte Landnahme der Krim hingegen äuĂerte er 2014 Verständnis (âEinsammeln russischer Erdeâ).cite-ref-38[38] Im Bundestagswahlprogramm von 2017 wurde eine verstärkte Ăśkonomische Zusammenarbeit mit Russland und dessen Aufnahme in eine nicht weiter erklärte Sicherheitsstruktur gefordert, gleichzeitig wurde die TĂźrkei als kulturell inkompatibel mit Europa bezeichnet und ihr Ausschluss aus der NATO gefordert. Zwar verurteilte die AfD-Fraktion im Bundestag den 2022 erfolgten Ăberfall Russlands auf die Ukraine als Bruch internationalen Rechts, forderte aber 2023 einen Waffenstillstand und eine OSZE-Truppe fĂźr die von Russland besetzten Gebiete. Auf die ukrainische Regierung solle so eingewirkt werden, dass âdie politische, militärische und finanzielle UnterstĂźtzung der Ukraine an die Verhandlungsbereitschaft Kiews zu ernsthaften Friedensgesprächenâ geknĂźpft werde, Russland wurde hingegen nur zu âGesprächsbereitschaftâ aufgefordert. Im Wahlprogramm fĂźr die Europawahl 2024 wurde eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland zwecks preisgĂźnstiger Energieversorgung Deutschlands und die Reparatur der Nordstream-Leitung verlangt. Auch unter AfD-Anhängern werden die gegen Russland verhängten Sanktionen ganz Ăźberwiegend abgelehnt, dasselbe gilt fĂźr Waffenlieferungen an die Ukraine.cite-ref-39[39] Die Partei betont die wirtschaftlichen Härten (etwa durch gestiegene Energiepreise) fĂźr die deutsche BevĂślkerung, fĂźr die sie Bundesregierung und die Vereinigten Staaten verantwortlich macht und verbindet das mit ihrer wohlwollenden Position gegenĂźber Russland.cite-ref-40[40] Bundessprecher Tino Chrupalla bezweifelte Ende 2024 Deutschlands Souveränität gegenĂźber den Vereinigten Staaten und forderte, dass Deutschland anerkennen solle, dass Russland den Krieg in der Ukraine gewonnen habe. Der Nutzen einer weiteren NATO-Mitgliedschaft Deutschlands sei danach zu bewerten, ob auch die Interessen Russlands berĂźcksichtigt wĂźrden.cite-ref-41[41]cite-ref-42[42] Seine Ko-Sprecherin Alice Weidel hatte bereits 2022 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gefordert, die Gebietsverluste der Ukraine sollten akzeptiert werden, gegen Deutschland werde mit den Sanktionen ein âWirtschaftskriegâ gefĂźhrt.cite-ref-43[43] 2024 hielt sie fest âdass die Ukraine nicht zur Europäischen Union gehĂśrt und zu Europa.âcite-ref-44[44] 2025 sagte sie in einem Interview mit einer amerikanischen Zeitschrift, dass Deutschland nicht souverän sei, sondern eine âKolonieâ der Vereinigten Staaten, die Deutschen ihre âSklavenâ und der âKriegswahnâ gegen Russland staatlich âverordnetâ werde.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46] Es sei Selenskyj, der dem Frieden im Weg stehe, fĂźhrte sie bei Markus Lanz aus, dass Tino Chrupalla ihn einen âBettelpräsidentenâ genannt habe sei âinhaltlich richtigâ.cite-ref-47[47] Im Bundestagswahlprogramm 2025 tauchte keine Verurteilung des Angriffskrieges Russlands auf (mit einem entsprechenden Antrag aus der AfD Hessen hatte sich der Parteitag in Riesa erst gar nicht befasst), stattdessen wurde die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen und die âWiederherstellung des ungestĂśrten Handels mit Russlandâ und stärkere Beziehungen mit der (von Russland dominierten) Eurasischen Wirtschaftsunion verlangt.cite-ref-19-19-1[19]
Die Hinwendung zu Russland hängt laut dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk damit zusammen, dass die AfD-Anhängerschaft in Russlands autoritärem FĂźhrungsstil und Ablehnung der modernen Gesellschaft ein Vorbild sehe. Mit Russland eint sie die Haltung zu Migration und Islam, die Ablehnung der Vielfalt der Geschlechter und Skepsis gegenĂźber der LGBTQ-Bewegung. BjĂśrn HĂścke bezeichnete Russland als MĂśglichkeit fĂźr die âHoffnungâ, dass es âeventuell ein Vorkämpfer fĂźr eine Welt freier und souveräner Staaten ohne hegemonialen Einfluss sein kĂśnnteâ.cite-ref-48[48]
In ihrem verteidigungspolitischen Konzept von 2019 forderte die AfD-Bundestagsfraktion eine âRestauration der Bundeswehrâ durch WiedereinfĂźhrung der Wehrpflicht, Einsätze im Inneren und fĂźr den Grenzschutz sowie Konzentration auf die Landes- und BĂźndnisverteidigung. AuĂerdem sollen ein deutscher Generalstab, eine eigene Wehrgerichtsbarkeit und ein neues Traditionsverständnis eingefĂźhrt werden. Das âmilitärische Selbstverständnis und das Traditionsbild der deutschen Streitkräfte dienen der Befähigung und der Motivation jedes einzelnen Soldaten zum unerbittlichen Kampf im Gefechtâ. Eine gemeinsame EU-Armee wird abgelehnt.cite-ref-49[49] Die tatsächliche Position der AfD ist allerdings gespalten. Signifikante Akteure in der Partei wie BjĂśrn HĂścke und Tino Chrupalla stehen der WiedereinfĂźhrung der Wehrpflicht ablehnend gegenĂźber, da diese nach dem Ăberfall auf die Ukraine eine deutliche Frontstellung gegen Russland unter Putin hätte und gerade in Ostdeutschland unpopulär wäre. HĂścke verlangte, dass vor einer WiedereinfĂźhrung der Wehrpflicht âTraditionen, soldatisches Ethos und Patriotismus regeneriert werdenâ, er befĂźrchte dass âEUrokratenâ die wenigen noch vorhandenen jungen Deutschen fĂźr âGeld- und Rohstoffinteressen eines kleinen Machtzirkelsâ in einen Krieg gegen Russland schicken wĂźrden.cite-ref-50[50] RĂźdiger Lucassen hingegen steht fĂźr jenen Teil der AfD, der eine umgehende RĂźckkehr zur Wehrpflicht fordert. Alice Weidel forderte im Bundestagswahlkampf 2025 noch eine zweijährige Wehrpflicht, hält sich aufgrund der unterschiedlichen Meinungen in der Partei seither aber bedeckt.cite-ref-51[51]
Inwieweit und ob Deutschland von Russland militärisch bedroht wird, wird in der Partei nicht einheitlich beantwortet. Während Hans-Thomas Tillschneider in Putin âkeinerlei Gefahr fĂźr Deutschland oder Europaâ sieht, solange man nicht âdurch offensive UnterstĂźtzung des Selenskyj-Regimes die Konfrontation mit Russlandâ suche, fordert RĂźdiger Lucassen angesichts der Gefahrenlage, dass Deutschland eigene Atomwaffen anschaffen solle.cite-ref-52[52] Ein Angriff Putins auf Deutschland sei nicht was kommen mĂźsse, allerdings sei er eine mĂśgliche âOptionâ.cite-ref-53[53]
Im Konflikt um die WiedereinfĂźhrung der Wehrpflicht setzten sich die Ostdeutschen um BjĂśrn HĂścke vollständig durch. Alice Weidel erklärte auf einer Pressekonferenz am 14. Oktober 2025, dass man zwar grundsätzlich fĂźr einen verpflichtenden Wehrdienst sei, aber das nur âin Friedenszeitenâ und unter einer âAfD-Regierungâ. Zwar hatte der Bundesparteitag zuvor sich per Beschluss fĂźr die Wehrpflicht ausgesprochen und Fachpolitiker entsprechend einen eigenen Antrag im Bundestag vorbereitet, jedoch organisierte BjĂśrn HĂścke den Widerstand der ostdeutschen Landtagsfraktionen: Deutschland sei âauĂenpolitisch nicht souveränâ und die CDU wolle deutsche Soldaten in die Ukraine entsenden, weswegen man die Wehrpflicht ablehne. Einen Kompromiss, der einen Antrag vorgesehen hätte, der die Entsendung deutscher Wehrpflichtiger in Ausland explizit verboten hätte, lehnten die Anhänger HĂśckes gleichfalls ab und Weidel â die zuvor innerparteilich als BefĂźrworterin einer RĂźckkehr zur Wehrpflicht aufgetreten war â schloss sich ihnen an und erklärte auf besagter Pressekonferenz, dass die Wehrpflicht erst unter einer AfD-Regierung kommen solle.cite-ref-54[54] Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das einen Aufwuchs der Bundeswehr und ihrer Reserve und eine FĂśrderung freiwilliger Meldung bei verpflichtender Musterung junger Männer vorsieht, lehnte die AfD-Fraktion im Bundestag geschlossen ab.cite-ref-55[55]
Umwelt- und Klimapolitik
Die Positionen der AfD basieren auf einer grundsätzlichen Klimawandelleugnung,cite-ref-sz-carius-2019-56-0[56]cite-ref-9-57-0[57] die seit 2016 im Grundsatzprogramm der Partei festgehalten ist.cite-ref-9-57-1[57] Das AfD-Programm zur Bundestagswahl 2013 enthielt noch keine Aussagen zur globalen Erwärmung. Das AfD-Programm zur Europawahl 2014 bezeichnet wissenschaftliche Untersuchungen zum Klimawandel als âunsicherheitsbehaftetâ.cite-ref-10-58-0[58] CO2-Reduktion und internationale Klimaabkommen wurden damals von der AfD noch nicht vĂśllig abgelehnt (Zitat aus dem Europawahlprogramm 2014: âUm dem Vorsichtsprinzip Rechnung zu tragen, kann aber im Rahmen internationaler Abkommen eine graduelle Reduktion von CO2-Emissionen vereinbart werden.â).cite-ref-10-58-1[58] Im Grundsatzprogramm der AfD von 2016 wird die Klimaschutzpolitik grundsätzlich abgelehnt.cite-ref-schultze-von-drach-59-0[59] Diese beruhe auf hypothetischen Klimamodellen, die auf computergestĂźtzten Simulationen des IPCC basierten;cite-ref-tiedgen-60-0[60] seit Ende der 1990er Jahre habe jedoch kein Temperaturanstieg mehr stattgefunden (angebliche âPause der globalen Erwärmungâ), eine Annahme, die durch die neuen Temperaturrekorde ab 2014 widerlegt wurde.cite-ref-61[61] CO2 ist nach Auffassung der AfD âkein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebensâ.cite-ref-tiedgen-60-1[60] Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und die Energieeinsparverordnung sollen ersatzlos abgeschafft und die Laufzeit deutscher Kernkraftwerke verlängert werden.cite-ref-62[62] Im EU-Parlament lehnte die AfD alle Vorschläge zum Klimaschutz seit dem Ăbereinkommen von Paris im Dezember 2015 ab (Stand Februar 2019).cite-ref-sz-carius-2019-56-1[56] Alexander Gauland nannte im September 2019 die Kritik an der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung neben den Themen Euro und Zuwanderung das dritte zentrale Thema der AfD.cite-ref-63[63] Im Programm zur Europawahl 2019 schrieb die Partei, âin allen Klimazonen der Erdeâ wandle sich das Klima ânaturgesetzlich, seitdem die Erde bestehtâ. Ein âkonstantes Klima Ăźber längere Zeiträumeâ gebe es nicht. Man bezweifle âaus guten GrĂźnden, dass der Mensch den jĂźngsten Klimawandel, insbesondere die gegenwärtige Erwärmung, maĂgeblich beeinflusst hat oder gar steuern kĂśnnteâ.cite-ref-64[64]
Die im âBundesfachausschuss Energiepolitikâ erarbeitete Energiepolitik der AfD wurde von Mitgliedern der Lobbyorganisation âEuropäisches Institut fĂźr Klima und Energieâ mitgestaltet, die die menschengemachte Erderwärmung bestreitet.cite-ref-65[65]
Die AfD sieht die Energiewende als eine Gefahr fĂźr die deutsche Energiesicherheit an und warnt, dass es zu Blackouts kommen kĂśnnte. Daher setzt sich die Partei fĂźr eine Weiternutzung von Kohle sowie Atomkraft ein.cite-ref-9-57-2[57] Der Atomausstieg solle rĂźckgängig gemacht und im Bereich Kernenergie/Atomreaktoren geforscht werden. Zudem sei Braunkohle als einziger heimischer grundlastfähiger Energieträger fĂźr die deutsche Energiesicherheit und -unabhängigkeit zentral.cite-ref-9-57-3[57] Die AfD lehnt daher den Kohleausstieg ab.cite-ref-66[66] Zudem spricht sie sich fĂźr die Erforschung von Fracking auscite-ref-67[67] und lehnt eine CO2-Steuer ab.cite-ref-68[68] In einem Anfang September 2023 präsentierten Sofort-Programm stellt die AfD bei einer RegierungsĂźbernahme die âsofortige Reparatur und Inbetriebnahmeâ der zerstĂśrten Erdgasleitungen Nord Stream 1 und 2, die russisches Gas nach Deutschland befĂśrdern, in Aussicht, ebenso solle âdas vĂśllig unnĂśtige Verbrennerverbotâ rĂźckgängig gemacht werden.cite-ref-69[69]
Die AfD forderte 2019 eine Bekämpfung âinvasiver Artenâ, weil diese eine Gefahr fĂźr die heimischen Pflanzen und Tiere seien. Der Wolfsbestand in Deutschland solle âvernĂźnftigâ reguliert werden.cite-ref-zdf-70-0[70]
Im Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2021 griff die Partei die VerschwĂśrungserzählung auf, dass das âZiel der Bundesregierung, die CO2-Emissionen faktisch auf null zu senkenâ, zu einem âradikalen Umbau von Industrie und Gesellschaft (âDie GroĂe Transformationâ/âThe Great Resetâ)â fĂźhren werde. An anderer Stelle hieĂ es: âNicht Verzicht, RĂźckschritt und Sozialismusâ hätten âdie Umweltbelastungen seit Jahrzehnten reduziertâ.cite-ref-71[71]
Familien- und Geschlechterpolitik
Die AfD vertritt in der Geschlechterpolitik konservativ-antifeministische Positionen und lehnt Gleichstellungspolitik sowie Gender-Mainstreamingcite-ref-72[72] ab. Dabei stĂźtzt sie sich unter anderem auf christlich-fundamentalistische und vĂślkische Vorstellungen. Fragen der Demografie erachtet die AfD als relevant. Sie tritt fĂźr die traditionelle Familie aus Mann und Frau ein und wendet sich sowohl gegen Frauenquoten als auch gegen eine vermeintliche Aufhebung der Geschlechtsidentitäten.cite-ref-geschlechterpolitische1-73-0[73] Aufmerksamkeit erregt die AfD durch Kampagnen wie âStoppt den Gender-Wahnâ vor allem in den sozialen Medien.cite-ref-74[74] Die Landtagsfraktionen der Partei wandten sich 2016 in der Magdeburger Erklärung gegen die Sexualaufklärung in Kindergarten und Grundschule und speziell gegen die Aufklärung Ăźber sexuelle Vielfalt.cite-ref-75[75] Teile der Lebensschutz-Bewegung finden hier AnknĂźpfungspunkte und nehmen vor allem in den sĂźddeutschen Landesverbänden Einfluss auf die Partei.cite-ref-76[76] Im sĂźddeutschen Raum ist die AfD auch an Anti-Gender-Bewegungen wie der âDemo fĂźr alleâ beteiligt.cite-ref-77[77]
In ihrem Programm fordert die AfD an mehreren Stellen die Abschaffung des Genderns,cite-ref-lobin2018-78-0[78] in einer Resolution von 2016 explizit die Abschaffung einer geschlechtergerechten Sprache und âdie RĂźckkehr zum generischen Maskulinum sowie den Verzicht auf alle gender-ideologischen Wendungen (erkĂźnstelte Gerundium-Formen, ĂźberflĂźssige männlich-weibliche Doppelformen usw.)â.cite-ref-79[79]
Die AfD bedient in der Ansprache homosexueller Wähler homonationalistische Narrative, indem sie argumentiert, LGBT-Rechte wßrden durch Migranten und Muslime bedroht.cite-ref-80[80] Laut einer Analyse der Soziologin Nichole Doerr vereinnahmen Wahlplakate der AfD Elemente progressiver feministischer und LGBT Symbolik, um einen anti-islamischen Diskurs zu fÜrdern, während sie gleichzeitig die illiberale politische Agenda der Partei gegenßber feministischen und LGBT-Bewegungen aufrechterhalten.cite-ref-81[81]
Arbeitspolitik
Die Arbeitspolitik soll nach den Vorstellungen der AfD zu den nationalen Aufgaben der EU-Mitgliedstaaten gehĂśren. Seit 2016 spricht sie sich fĂźr die Beibehaltung des Mindestlohns aus, ohne fĂźr diesen jedoch eine konkrete HĂśhe zu nennen.cite-ref-sz-programm-2016-12-3[12] Gleichzeitig lehnte sie eine weitere ErhĂśhung des Mindestlohns ab. Mitglieder des Parteivorstandes, wie ehemaliges Mitglied JĂśrg Meuthen, äuĂerten sich auch danach noch kritisch zum Mindestlohn und schlugen stattdessen eine staatliche Aufstockung des Lohnes und damit eine Quersubventionierung von NiedriglĂśhnen durch den Steuerzahler vor.cite-ref-0-82-0[82] Vor der Europawahl 2014 lehnte die AfD einen flächendeckenden Mindestlohn noch ab; er kĂśnne diese Absicherung nicht leisten und gefährde Arbeitsplätze.cite-ref-europawahlprogramm-83-0[83]
Trotz Fachkräftemangel in Deutschland fordert die Partei eine strikte Begrenzung der allgemeinen Zuwanderung. Die Anwerbung von Fachkräften soll vorrangig aus kulturell nahestehenden europäischen Nachbarländern kommen. Geflßchtete sollten dafßr vorbereitet werden, in ihre Heimatländer zurßckzukehren, anstatt auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Des Weiteren setzt z. B. das Wahlprogramm der AfD Hessen auf Ükonomische Anreize, um die Geburtenrate zu erhÜhen. Jedoch wären die Auswirkungen erst in etwa 20 Jahren spßrbar.cite-ref-13-84-0[84]
Bezßglich der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe plädiert die Partei gegen gesetzlich festgelegte AbgabenhÜhen und spricht sich fßr Zahlungen an Arbeitgeber aus.cite-ref-85[85] Bei der Bundestagsabstimmung zur aktuellen Regelung enthielt sich die AfD-Fraktion.cite-ref-86[86]
Sozialpolitik
Die Sozialpolitik soll nach den Vorstellungen der AfD zu den nationalen Aufgaben der EU-Mitgliedstaaten gehĂśren. Auf dem Sozialparteitag im Jahr 2020 wurde ein Sozialprogramm verabschiedet, insgesamt existierten sieben unterschiedliche Konzepte.cite-ref-spiegel-rente-2019-87-0[87]
Unter allen im Bundestag vertretenen Parteien befĂźrwortet die AfD die stärksten KĂźrzungen von Sozialleistungen.cite-ref-15-20-2[20]cite-ref-13-84-1[84]cite-ref-faust-88-0[88]cite-ref-89[89] Zum Beispiel soll das BĂźrgergeld auf sechs Monate begrenzt werden, und Langzeitarbeitslose sollen zu âBĂźrgerarbeitâ zwangsverpflichtet werden. Die Partei ist zudem gegen stärkeren Mieterschutz.cite-ref-15-20-3[20]cite-ref-faust-88-1[88]
Das Rentenkonzept der ThĂźringer AfD von BjĂśrn HĂścke sah beispielsweise vor, die Beitragsbemessungsgrenze zunächst beizubehalten. Laut dem Eckpunktepapier Alterssicherung plant die AfD, das feste Renteneintrittsalter abzuschaffen und stattdessen die Rente erst nach 45 Beitragsjahren zu gewähren. Ein vom damaligen Parteichef JĂśrg Meuthen vertretenes Konzept sah die Abschaffung der gesetzlichen Rente vor, die durch eine steuerfinanzierte Grundrente knapp oberhalb der Existenzsicherung ersetzt werden sollte.cite-ref-spiegel-rente-2019-87-1[87] Der Leitantrag zur Rentenpolitik, der beim Parteitag 2020 verabschiedet wurde, sieht unter anderem einen flexiblen Renteneintritt vor und eine Besserstellung von Geringverdienern. AuĂerdem sollen Familien mit Kindern stärker bevorzugt werden und Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.cite-ref-1-90-0[90] Die Finanzierung solle Ăźber Steuermittel gewährleistet werden. Ziel sei es weiterhin, durch eine hĂśhere Geburtenrate die demografischen Herausforderungen ohne Einwanderung zu bewältigen.cite-ref-2-91-0[91] DarĂźber hinaus soll die private Vorsorge stärker gefĂśrdert werden. Die bisherigen Modelle einer privaten Vorsorge (RĂźrup- und Riester-Rente) sollen durch flexiblere und unbĂźrokratischere Modelle ersetzt werden.cite-ref-2-91-1[91] Modelle, die unter anderem vom damaligen Parteichef JĂśrg Meuthen eingebracht wurden, wie etwa ein StaatsbĂźrgergeld, negative Einkommenssteuer und andere Grundeinkommensmodelle, wurden vom Parteitag abgelehnt.cite-ref-16-92-0[92]
Die AfD fordert - mit Verweis auf das Rentensystem in Ăsterreich - im Wahlprogramm 2025 eine Anhebung des Rentenniveaus von heute 50 % auf 70 % des Durchschnittseinkommen, was auf deutlich erhĂśhte Renten (und Rentenbeiträge) hinauslaufen wĂźrde. LĂźcken in der Finanzierung sollen mit ZuschĂźssen und dem Wegfall versicherungsfremder Leistungen geschlossen werden. Weniger Verbeamtungen sollen dazu fĂźhren, dass die groĂe Mehrheit der Ăśffentlichen Beschäftigten ins Rentensystem einbezogen wird, darunter auch Politiker.cite-ref-26-30-1[30]
Die Positionierung in der Sozialpolitik ist folglich unklar. Gewichtige Politiker der Partei wie Maximilian Krah und BjĂśrn HĂścke signalisieren Basis und Wählern, dass sie am Sozialstaat festhalten wollen, dass dieser aber fortan ethnisch exklusiv verstanden werden solle. Der Publizist der Neuen Rechten, Benedikt Kaiser (u.a Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Robert Teske) nennt dies einen âsolidarischen Patriotismusâ. Die Finanzierungsprobleme des Sozialstaates werden durch Migration erklärt, ihre LĂśsung liegt dementsprechend in einem Ausschluss von Migranten aus dem Empfängerkreis. Krah etwa behauptet (ohne Beleg), dass 50 % der Grundsicherung an Ausländer gehen wĂźrde, der Sozialstaat wirke als âEinwanderungsmagnetâ. BjĂśrn HĂścke sieht die Verteilungsproblematik nicht mehr in einem Ausgleich nach Einkommen und VermĂśgen: âDie soziale Frage der Gegenwart ist nicht primär die Verteilung des VolksvermĂśgens von oben nach unten, unten nach oben, jung nach alt oder alt nach jung. Die neue deutsche Soziale Frage des 21. Jahrhunderts ist die Frage nach der Verteilung des VolksvermĂśgens von innen nach auĂen.âcite-ref-93[93]
Beim Thema Inklusion von Kindern mit Behinderungen in Regelschulen sprach sich die Partei in der Vergangenheit fĂźr eine RĂźckkehr zu einer separaten Beschulung in FĂśrderschulen aus. BjĂśrn HĂścke, Fraktionsvorsitzender der AfD ThĂźringen, forderte, die inklusive Bildung, die er als âIdeologieprojektâ bezeichnet, zu beenden, und vertritt in diesem Punkt auch das bundesweite Parteiprogramm.cite-ref-94[94]
Migrations- und Asylpolitik, Deutsche mit Migrationshintergrund und Remigration
UrsprĂźnglich als europakritische Wirtschaftspartei gegrĂźndet, fand die AfD in Zuwanderung und Migrationsfragen ihr eigentliches Kernthema, das ihren Aufstieg ermĂśglichte.cite-ref-95[95]
Anfangszeit
In ihrem ersten, auf dem GrĂźndungsparteitag 2013 beschlossenen Wahlprogramm hatte die AfD sowohl eine groĂzĂźgigere Asyl- als auch eine strengere Einwanderungspolitik gefordert.cite-ref-96[96] In den folgenden Jahren rĂźckte die Forderung nach Begrenzung der Einwanderung zum zentralen Thema der Partei auf. Als Reaktion auf die stark steigenden FlĂźchtlingszahlen legte der Bundesvorstand Anfang September 2015 ein Strategiepapier zur Migrations- und Asylpolitik vor. Darin fordert die Partei die WiedereinfĂźhrung von Kontrollen an den deutschen Grenzen, ein 48-Stunden-Asylverfahren in Grenznähe und die Abschaffung des sogenannten âTaschengeldsâ fĂźr Asylbewerber. Zudem sollen Menschen aus Staaten, die als sichere Herkunftsländer eingestuft werden, keinen Asylantrag mehr stellen dĂźrfen.cite-ref-97[97]
Im November 2015 verabschiedete der Bundesparteitag eine Resolution, in der die Partei eine Unterordnung des Asylrechts unter die Sicherheit des Staates und seiner BevĂślkerung forderte, sowie Obergrenzen bei der Aufnahme von FlĂźchtlingen und eine Abschaffung des Familiennachzugs.cite-ref-98[98]
Die Positionen in der Einwanderungs- und Ausländerpolitik werden 2016 dennoch noch als ambivalente und widersprĂźchliche Mischung aus konservativem und neoliberalem Verständnis beschrieben:cite-ref-99[99] Einerseits werde von der AfD die Bedeutung der Niederlassungsfreiheit, aber auch der ArbeitnehmerfreizĂźgigkeit in Europa betont; âqualifizierteâ und âintegrationswilligeâ Einwanderung nach kanadischem Vorbild werde bejaht. Andererseits knĂźpfe man an ârassistisch konnotierte Diskurseâ an, denen zufolge Migranten âsich der Integration verweigern und es nur darauf absehen wĂźrden, durch firmierte Selbstständigkeiten unrechtmäĂig Sozialleistungenzu beziehenâ.cite-ref-100[100] Die AfD fordere âklare Kriterienâ fĂźr Einwanderung; eine âZuwanderung in die deutschen Sozialsystemeâ lehne man ab. Nur wer Sozialversicherungsbeiträge zahle, kĂśnne auch NutznieĂer von Arbeitslosen- und Kindergeld sein. Jedoch sollte Asylbewerbern in Deutschland ein Arbeitsrecht gewährt werden. Somit âunterschieden sich ihre Forderungen jedenfalls in Teilen von klassischen Abwehr- und Ăberfremdungsrhetorikenâ.cite-ref-fedders165-101-0[101]
Verschärfung
Die Position der AfD zur Einwanderung verschärfte sich jedoch im Gefolge der FlĂźchtlingskrise und Angela Merkels Umgang mit ihr deutlich. Alexander Gauland nannte die FlĂźchtlingswelle 2015 wĂśrtlich ein âGeschenk fĂźr unsâ und âsehr hilfreichâ.cite-ref-102[102] Im Wahlprogramm von 2017 rĂźckten europapolitische Vorstellungen in den Hintergrund, an ihre Stelle trat eine Abwehr und Oppositionshaltung zur Migrationspolitik, deren WählermobilisierungsmĂśglichkeiten von der AfD erkannt und genutzt wurden. Gefahren der Migration wurden betont, rhetorische Ausfälle (wie Alexander Gaulands Behauptung, Leute wĂźrden nicht neben Jerome Boateng wohnen wollencite-ref-103[103]) rechneten auf die folgenden EmpĂśrungswellen.cite-ref-104[104] Die FlĂźchtlinge trafen in der Gesellschaft auf kulturelle Vorbehalte und traten auch sozioĂśkonomisch fĂźr viele als Konkurrenz auf. In der âZunahme der â zum Teil irregulären â Migration dĂźrfte der wesentliche Faktor fĂźr den Erfolg der AfD liegenâ.cite-ref-105[105]
Nach einer Analyse im September 2017 von Human Rights Watch fordert das Wahlprogramm der AfD in der Migrationspolitik eine verschärfende Grundgesetzänderung und mĂśchte das Genfer Abkommen Ăźber die Rechtsstellung der FlĂźchtlinge Ăźberarbeitet sehen, um es âan die Bedrohung Europas durch BevĂślkerungsexplosionen und MigrationsstrĂśmeâ anzupassen.cite-ref-hrw2017-106-0[106]
Von Migranten (vor allem von muslimischen Migranten) ausgehende Kriminalität wird stark thematisiert. Eine 2019 verĂśffentlichte Analyse der von der AfD herausgegebenen Pressemitteilungen (Mitteilungen der Fraktionen, der Bundespartei, der Landesparteien) ergab, dass in ihnen stark die von Migranten begangene Kriminalität betont wird und das Tatmittel Messer regelmäĂig mit Einwanderern (âImmer wieder sind es Syrer und Afghanen, die in diese Straftaten verwickelt sind.â) und der âkatastrophalen FlĂźchtlingspolitikâ korreliert wird. Statistiken und Berichten der Polizei wird misstraut, AfD-Pressemitteilungen bezweifeln, dass die ganze Wahrheit Ăźber Täter und ihren Hintergrund verĂśffentlicht wird. Tatverdächtige mit deutscher StaatsbĂźrgerschaft kommen â entgegen polizeilichen Erkenntnissen (nach denen diese mit 65,5 % der Verdächtigen die Mehrheit stellen) in AfD-Mitteilungen selten vor, ausländische Tatverdächtige mit europäischen StaatsbĂźrgerschaften ebenfalls, selbst dann wenn sie in der Polizeistatistik häufig vertretenen Herkunftsgruppen (wie bspw. Russen) angehĂśren. Tatverdächtige aus Syrien, dem Irak und Afghanistan werden in 5,2 % der Fälle von der Polizei als Verdächtige genannt â in den Mitteilungen der AfD hingegen zu 47 %. Clankriminalität ist ein weiterer Schwerpunkt. Extremistische Straftaten von Islamisten und Linken werden prominent benannt (insbesondere wenn linksextreme Straftaten sich gegen die AfD richten), rechtsextremistische Straftaten werden erwähnt, aber âĂźberwiegendâ um die Verdächtigen zu entlasten.cite-ref-107[107]
Hatte die AfD anfangs auf die Einwanderungspolitik Kanadas mit ihrer Steuerung nach Qualifikation verwiesen, kam sie in der Folge davon ab. Im Bundestagswahlprogramm 2021 fĂźhrte sie aus, dass es den behaupteten Fachkräftemangel gar nicht gäbe, das sei ein âkonstruiertes Narrativ der Industrie- und Wirtschaftsverbände sowie anderer Lobbyvereineâ. BjĂśrn HĂścke plädierte auf dem entsprechenden Wahlparteitag fĂźr das âjapanische Modellâ, das auf Einwanderung weitgehend verzichte und der Parteitag nahm es ins Programm auf.cite-ref-108[108]cite-ref-109[109] Die Ausrichtung an der Einwanderungspolitik Japans reflektierte vorausgegangene Diskussionen in neu-rechten Kreisen, etwa in der Zeitschrift Sezession. Jan Moldenhauer hatte in Texten die Position vertreten, dass Japan seine Politik an Identitätsbewahrung ausrichte und Einwanderung darum weitgehend unterbinde.cite-ref-110[110]
Im Mai 2025 forderte die AfD in einer Bundestagsdebatte Ăźber das StaatsbĂźrgerschaftsrecht weitgehende Einschränkungen bei der EinbĂźrgerung. Die von der Regierung Merz angestrebte Abkehr von einer bislang mĂśglichen EinbĂźrgerung nach drei Jahren bei besonderen Leistungen reiche bei weitem nicht aus. Man mĂźsse die Frist mindestens auf zehn Jahre rechtmäĂigen Aufenthaltes festlegen und die Aufgabe der bisherigen StaatsbĂźrgerschaft verlangen, also keine doppelte StaatsbĂźrgerschaft zulassen. Verlangt werden solle auch Sprachbeherrschung auf dem Niveau C1. Die MĂśglichkeit, dass in Deutschland geborene Kinder zweier ausländischer Elternteile die StaatsbĂźrgerschaft automatisch erlangen solle abgeschafft werden. Vor allem aber mĂźsse man jeden Rechtsanspruch auf EinbĂźrgerung (auch bei ErfĂźllen nachweisbarer Bedingungen wie mehrjährigen legalen Aufenthaltes, Sprachbeherrschung und Sicherung des Lebensunterhaltes) abschaffen und durch eine EinbĂźrgerung nach Ermessen ersetzen, die am (nicht näher definierten) âInteresse des Gemeinwesensâ ausgerichtet werden solle.cite-ref-111[111]cite-ref-112[112]
Remigration
Mandatsträger der AfD äuĂern auch extremere Positionen zur Migrationspolitik und zur Stellung von Deutschen mit Migrationshintergrund. Alexander Gauland äuĂerte Ăźber Aydan ĂzoÄuz, nachdem diese bestritten hatte, dass man eine deutsche Kultur jenseits der Sprache ausmachen kĂśnne, man kĂśnne sie âin Anatolien entsorgenâ, sie habe âweder etwas in der Bundesregierung verloren noch in Deutschlandâ. Alice Weidel sprang Gauland zur Seite, ĂzoÄuz sei als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ungeeignet und Gaulands Auffassung, sie gehĂśre in die TĂźrkei, kĂśnne sie âunterschreibenâ.cite-ref-113[113] 2018 hielt Gauland fest, es sei âkein Rassismusâ, wenn er sage: âDie TĂźrken gehĂśren nicht zu unsâ.cite-ref-114[114] BjĂśrn HĂścke sah 2018 in seinem Buch Nie zweimal in denselben Fluss einen âVolkstod durch den BevĂślkerungsaustauschâ und forderte die Säuberung Deutschlands von âkulturfremdenâ Menschen. Dazu sei ein âgroĂ angelegtes Remigrationsprojekt notwendigâ. Dieses wäre wohl nur mit Gewalt zu schaffen. Man komme vermutlich nicht um eine Politik der âwohltemperierten Grausamkeitâ herum, â und man werde dabei âleider ein paar Volksteile verlierenâ, welche âzu schwach oder nicht willens sindâ diesen Kurs mitzutragen. Man mĂźsse MaĂnahmen durchfĂźhren, die dem âmoralischen Empfindenâ widersprechen.cite-ref-115[115] Die Bundestagsabgeordnete Christina Baum forderte die EinfĂźhrung eines Wahlrechtes ânach Abstammungâ, sonst wĂźrden âin Zukunft Ăzdemirs und Ăzuguzes die politischen Entscheidungen in Deutschland herbeifĂźhren â aller Voraussicht nach gegen den Willen der ethnischen deutschen BevĂślkerungâ.cite-ref-20-116-0[116] Rhetorisch findet sich in der AfD wiederkehrend eine Abgrenzung von Deutschen und âPassdeutschenâ, â was auf ein Volksverständnis hindeutet, das âallein auf ethnischen Kategorien beruhtâcite-ref-20-116-1[116]. Der Bundestagsabgeordnete RenĂŠ Springer äuĂerte sich 2024 zum Thema Remigration nach dem in den Medien stark thematisierten Potsdamer Treffen mit Rechtsextremisten auf der Plattform X: âWir werden Ausländer in ihre Heimat zurĂźckfĂźhren. Millionenfach. Das ist kein Geheimplan. Das ist ein Versprechen.â Auch Stephan Protschka (MdB), Gerrit Huy (MdB), Roger Beckamp (MdB), Matthias Helferich (MdB) und Hans-Christoph Berndt (MdL Brandenburg, Fraktionsvorsitzender) bestätigten dieses Vorhaben.cite-ref-117[117]cite-ref-14-118-0[118]cite-ref-119[119]cite-ref-120[120] Anfang 2024 suchte die Parteispitze sich Ăśffentlich von Teilen dessen, was nach Medienberichtencite-ref-121[121]cite-ref-23-122-0[122] zuvor Parteipolitiker bei besagten Treffen mit Rechtsextremisten (darunter Martin Sellner) diskutiert hatten und nach Correctiv-Recherchen in die Ăffentlichkeit gelangt war, zu distanzieren und es inhaltlich abzustreiten. Man plane nicht die Abschiebung von StaatsbĂźrgern, sondern verstehe unter Remigration âalle MaĂnahmen und Anreize zu einer rechtsstaatlichen und gesetzeskonformen RĂźckfĂźhrung ausreisepflichtiger Ausländer in ihre Heimatâ. Kurz zuvor allerdings hatte Alice Weidel auf Telegram sich noch anders geäuĂert und gefordert, den Entzug der StaatsbĂźrgerschaft zu ermĂśglichen: Die UnmĂśglichkeit, Straftäter abzuschieben, âweil sie eben auch die deutsche StaatsbĂźrgerschaft besitzen, ist aufzuhebenâ.cite-ref-23-122-1[122] Sieben Teilnehmer des Treffens gaben eidesstattliche Erklärungen ab, dass es inhaltlich nicht um deutsche StaatsbĂźrger gegangen seicite-ref-123[123]. Erik Ahrens, der gleichfalls teilgenommen hatte, Ăźberdachte in der Folgezeit jedoch seine eigenen politischen Positionen grundsätzlich und bestätigte per Erklärung vor einem Notar, bei dem Treffen seien als Ziel von Remigration sehr wohl auch deutsche StaatsbĂźrger ausländischer Herkunft gemeint gewesencite-ref-124[124]. Ein Jahr nach dem Treffen in Potsdam trafen sich die Abgeordneten Roger Beckamp und Lena KotrĂŠ und AngehĂśrige der Jungen Alternative in der Schweiz mit Vertretern des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerkes Blood and Honour, um Ăźber Remigration zu sprechen. Auf entsprechende Recherchen entgegnete KotrĂŠ, man hätte sowieso Fotos des Treffens ins Internet stellen wollencite-ref-125[125]. In der Winterklausur 2025 beschloss die Landtagsfraktion der AfD-Bayern, eine âumfassende Remigrationâ anzustreben. Katrin Ebner-Steiner konkretisierte auf Nachfrage, dass das auch sämtliche ukrainischen FlĂźchtlinge einschlieĂe und zwar baldmĂśglichst, eigentlich âauch jetzt schonâ. Die Ukraine habe fĂźr diese âgenĂźgend Gebieteâ. Man komme so auf etwa zwei Millionen Abzuschiebende.cite-ref-126[126]
Die diskutierte GrĂśĂenordnung des âRemigrationsprojektesâ insgesamt liegt bei 16 bis 25 Millionen betroffenen Personen. HĂścke erklärte im Dezember 2023 bei einem Stammtisch: âWir werden auch ohne Probleme mit 20, 30 Prozent weniger Menschen in Deutschland leben kĂśnnen.âcite-ref-127[127] Maximilian Krah erläutert in seinem Buch Politik von rechts, zu dem Alexander Gauland das Vorwort beisteuerte:
âDas werden in Deutschland prognostisch Ăźber 25 Millionen Menschen sein, davon deutlich Ăźber 15 Millionen deutsche StaatsangehĂśrige. [âŚ] Die Remigration der nicht Integrationswilligen und -fähigen kann nur in groĂer Zahl gelingen, wenn sie kooperieren. Hierzu mĂźssen die richtigen Anreize gesetzt werden.âcite-ref-128[128]
Matthias Quent wies darauf hin, dass dem von der AfD verwendeten Begriff der âRemigrationâ eine âkalkulierte Ambivalenzâ innewohne. Hinter dem Begriff verberge sich in Wirklichkeit die Forderung nach Deportation von Menschen unabhängig von ihrer StaatsbĂźrgerschaft. Nach auĂen zu ihren Kritikern kĂśnne aber darauf verwiesen werden, dass damit bloĂ die konsequente Abschiebung krimineller und âirregulärerâ Ausländer gemeint sei.cite-ref-129[129] Auch der Politologe Philipp Adorf betont, dass die AfD beim Remigration-Begriff bewusst vage bleibe, um einem Verbotsverfahren keine Argumente zu liefern. Eine direkte Forderung nach Ausweisung ânicht assimilierterâ deutsche StaatsangehĂśriger fände sich daher nicht im Parteiprogramm.cite-ref-130[130]
Innerhalb der Partei werden inzwischen auch die Gefahren der Remigrationsdebatte fĂźr die AfD selbst gesehen. Maximilian Krah â in Umkehrung seiner vorherigen Position â warnt mittlerweile davor, auch StaatsbĂźrger mit Migrationshintergrund abschieben zu wollen. Die Rechtsprechung hierarchisiere StaatsbĂźrger nicht nach ethnischer Herkunft, täte die AfD es, bĂśte sie damit ungewollt einem Parteiverbotsverfahren bessere Chancen. Man solle â so erklärte er in einer Veranstaltung der AfD-Bundestagsfraktion â darum tunlichst vermeiden unbestimmt von millionenfacher Remigration zu sprechen, die Verwaltungsgerichte hätten diese bereits als verfassungswidrig bewertet und es sei fĂźr die AfD gefährlich mit ihr identifiziert zu werden.cite-ref-131[131] Mit dieser Warnung trifft Krah nach Auffassung Benjamin HĂśhnes in der AfD â und insbesondere in deren ostdeutschen Landesverbänden, sowie im der AfD nahestehenden Vorfeld â nicht unbedingt auf Gegenliebe. Spitzenpolitiker der Partei verstĂźnden zwar Krahs Bedenken, es sei aber unklar ob eine âDe-Radikalisierungâ in dieser Frage mĂśglich sei.cite-ref-132[132]
Positionen zu Islam und Religionsfreiheit
In dem 2016 beschlossenen Grundsatzprogramm der AfD heiĂt es: âDer Islam gehĂśrt nicht zu Deutschland.â Die Partei fordert ein Verbot von Minaretten, die sie als âislamisches Herrschaftssymbolâ sieht, was von der Ethnologin Susanne SchrĂśter allerdings als Fehlinterpretation zurĂźckgewiesen wird,cite-ref-133[133] sowie ein Verbot des Muezzinrufs und der Vollverschleierung. Im Gegensatz zum franzĂśsischen Gesetz aus dem Jahr 2010, das sich auf sichtbare Zeichen aller Religionen bezieht, sollen nach dem Willen der AfD im Ăśffentlichen Dienst keine Kopfbedeckungen, in der Ăffentlichkeit keine Burkas oder Niqabs erlaubt sein. Die AfD bekennt sich nach eigenem Bekunden zur Glaubensfreiheit, diese mĂźsse jedoch gesetzes- und menschenrechtskonform ausgelebt werden. Muslime, die rechtstreu und integriert sind, seien als akzeptierte Mitglieder der Gesellschaft anzusehen. Verfassungsfeindlichen Vereinen sollen der Bau und der Betrieb von Moscheen untersagt werden, ebenso wie die Auslandsfinanzierung durch islamische Staaten oder private Geldgeber. Zudem mĂźssten Imame in Deutschland an Universitäten in deutscher Sprache ausgebildet werden. Der Status einer KĂśrperschaft des Ăśffentlichen Rechts sei zu verweigern. Der Bundesvorstand hatte einen Leitantrag unterstĂźtzt, der vorsah BemĂźhungen um einen aufgeklärten Islam zu unterstĂźtzen. Dies wurde abgelehnt mit der BegrĂźndung, dass Aufklärung einerseits nicht ârealistischâ, andererseits aber auch gar ânicht wĂźnschenswertâ sei. Hans-Thomas Tillschneider argumentierte, dass man ânicht fĂźr die Verwestlichung des Islams eintretenâ dĂźrfe, insofern man gleichzeitig gegen eine âIslamisierungâ Europas sei. Ein Antrag, dass nur der âpolitische Islamâ nicht zu Deutschland gehĂśre wurde unter Buhrufen abgelehnt.cite-ref-der-islam-geh-rt-nicht-zu-deutschland-s-ddeutsche-zeitung-134-0[134]cite-ref-135[135]cite-ref-136[136] Im Bundestag beantragte die AfD-Fraktion 2018, die Bundesregierung solle âgeeignete MaĂnahmenâ gegen angeblich rechtswidrige Inhalte des Koran ergreifen, ohne dass sie konkret benannte, welche Inhalte gemeint seien und was getan werden solle. Ăber den Antrag wurde am 11. Oktober 2018 eine Parlamentsdebatte gefĂźhrt, bei der er von allen anderen Fraktionen geschlossen zurĂźckgewiesen wurde.cite-ref-137[137]cite-ref-138[138]
Armin Pfahl-Traughber bewertet das Grundsatzprogramm der AfD in Bezug auf den Islam und die Religionsfreiheit als widersprĂźchlich: Einerseits gehĂśre der Islam laut AfD nicht zu Deutschland, andererseits seien â ebenfalls laut AfD â âviele Moslemsâ integriert und ârechtstreuâ und âakzeptierte und geschätzte Mitglieder unserer Gesellschaftâ. Wie also gehĂśrten sie, aber nicht ihre Religion dazu? Einerseits gelte laut Partei die Religionsfreiheit, andererseits sollen Minarette (deren Bau Teil der AusĂźbung dieser Freiheit sei) verboten werden. In dieser WidersprĂźchlichkeit verborgen liege eine verfassungswidrige Einschränkung des Grundrechtes der Religionsfreiheit.cite-ref-139[139] Ăhnlich sieht es Joachim Wieland: Zwar bekenne sich die Partei offiziell âuneingeschränktâ zur Religionsfreiheit, aber nur um diese sofort fĂźr Moslems einzuschränken. Die Partei nehme sich das Recht selbst zu entscheiden, welche Form des Islams Glaubensfreiheit genieĂen dĂźrfe. Das stehe der Rechtsordnung aber nicht zu. Zwar dĂźrfe natĂźrlich der Staat MaĂnahmen ergreifen, âwenn eine Religionsgemeinschaft die freiheitlich-demokratische Grundordnung aktiv bekämpft. Er darf aber nicht eine Glaubensgemeinschaft, die nach der Auffassung einiger Politiker nicht zu Deutschland passt, vom Schutz der Glaubensfreiheit ausnehmenâ. KirchtĂźrme und Minarette seien rechtlich gleich zu behandeln.cite-ref-140[140]
Direkte Demokratie
Nach Einschätzung von Alexander Häusler und Rainer Roeser (2016) ist die Forderung nach einer âdirekten Demokratieâ zentral im Wahlprogramm der AfD. Die AfD beziehe sich dabei auf die Volksinitiativen der rechtspopulistischen SVP âGegen den Bau von Minarettenâ und âGegen Massenzuwanderungâ. Sie vollziehe damit âdeutlich erkennbar Annäherungen an rechtspopulistische Forderungenâ.cite-ref-141[141] Das Parteiprogramm delegitimiere die gewählte Elite der Bundesrepublik, indem es behauptet, Souverän in Deutschland sei nicht das Volk, sondern âheimlich [âŚ] eine kleine, machtvolle politische FĂźhrungsgruppe innerhalb der Parteienâ, ein âKartellâ, das fĂźr die Fehlentwicklungen der letzten Jahre verantwortlich sei und Ăźber ein weitgehendes Informationsmonopol verfĂźge. Diesen illegitimen Zustand gelte es zu beenden. Diese Aussage wird von dem Amerikanisten Michael Butter in die Nähe einer VerschwĂśrungstheorie gerĂźckt, da behauptet wird, sämtliche Parteien wĂźrden insgeheim kooperieren, während allein die AfD die âwahren Interessen des Volkesâ vertrete.cite-ref-142[142]
Autoritäres Gesellschaftsmodell
Nach Einschätzung des Soziologen Wilhelm Heitmeyer wendet sich die AfD âgegen die offene Gesellschaft und die liberale Demokratieâ. Basierend auf einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit werde Diskriminierung und Gewalt etwa gegen Einwanderer als Notwehr ausgegeben. Als Antwort auf persĂśnliche oder wirtschaftliche Kontrollverluste wie einen ârabiate[n] globalisierte[n] Finanzkapitalismusâ werde rigide Kontrolle angestrebt. Dieser âautoritäre Nationalradikalismusâcite-ref-143[143] ziele auf gesellschaftliche und politische Institutionen wie Parlamente, Gerichte, Polizei, Schulen, Vereine oder Theater. âEr will destabilisieren, Verängstigungsdruck erzeugen und einen Systemwechsel in Gang setzen.âcite-ref-144[144]
Als Beispiel fĂźr âDemokratieverachtungâ wurden in der SĂźddeutschen Zeitung Aussagen in BjĂśrn HĂśckes Buch Nie zweimal in denselben Fluss genannt.cite-ref-pittelkow-145-0[145] Darin entwickelt er die Vorstellung, die deutsche Demokratie befinde sich âim letzten Degenerationsstadiumâ, in der Ochlokratie, die im Sinn des Phasenmodells Niccolò Machiavellis nur durch einen Alleinherrscher Ăźberwunden werden kĂśnne.cite-ref-pittelkow-145-1[145] Dieser Mittler des Volkes mĂźsse sich seines âverkĂźmmerten männlichen Selbstbewusstseinsâ entledigen und die Tugenden der Wehrhaftigkeit, Weisheit, Unerbittlichkeit, Härte gegen sich und besonders gegen andere wieder kultivieren lernen.cite-ref-volksempf-nger-146-0[146] In einem âAderlassâ sollten politische Gegner aus Deutschland ausgeschlossen werden.cite-ref-h-ckeb-rgerkrieg-147-0[147] HĂścke entwirft eine Strategie zur âRĂźckeroberungâ Deutschlands von âfremde[n] VĂślkerschaftenâ, zitiert Hegel mit der Aussage âBrandige Glieder kĂśnnen nicht mit Lavendelwasser geheilt werden. Der Verwesung nahes Leben kann nur durch das gewaltsamste Verfahren reorganisiert werdenâ und fordert unter Bezug auf Peter Sloterdijks âPolitik der âwohltemperierten Grausamkeitââ ein âgroĂ angelegtes Re-Migrationsprojektâ.cite-ref-148[148]cite-ref-kempermachiavelli-149-0[149] Hajo Funke folgerte aus einer Analyse dieser ĂuĂerungen: âWenn wir HĂścke also an seiner Sprache messen, so geht es ihm um eine nicht nur ethnische, sondern auch politische âSäuberungâ und um das Einsetzen staatlicher Gewalt gegen beliebig definierte Feinde.âcite-ref-h-ckeb-rgerkrieg-147-1[147]
HĂścke wird in der Parteienforschung ein groĂer Einfluss auf die AfD zugeschrieben. Steffen Kailitz sah in ihm 2020 neben Alexander Gauland (und damals auch Andreas Kalbitz und AndrĂŠ Poggenburg) einen der wichtigsten Akteure bei der erfolgreichen âExtremisierung der AfDâ.cite-ref-150[150] Der Journalist Robin Alexander beschreibt es so, dass sich die AfD in ihrer programmatischen Entwicklung seit ihrer GrĂźndung bis fast zur Deckungsgleichheit den politischen Ăberzeugungen HĂśckes angepasst habe: âDie Luckes, Petrys und Meuthens, die versuchten, die junge Partei zu fĂźhren, sind längst ausgeschieden. Rechts wurde von ganz rechts gefressen, ganz rechts von noch rechter und noch rechter von rechts auĂen. Und am rechtesten ist HĂścke. Er blieb.âcite-ref-welt170925-151-0[151]
Bezugnahme auf die friedliche Revolution in der DDR
In den Landtagswahlkämpfen in Sachsen, Brandenburg und ThĂźringen 2019 bezog sich die AfD wiederholt auf die friedliche Revolution in der DDR von 1989. HĂścke etwa behauptete auf einem Treffen des FlĂźgels, es fĂźhle âsich wieder so an wie damals in der DDRâ. Damit und mit Slogans wie âVollende die Wendeâ oder âDDR 2.0â setzte die AfD das politische System der Bundesrepublik mit dem SED-Staat gleich und rief zum Widerstand gegen politische Repräsentanten auf, die einen angeblich auf der StraĂe repräsentierten Volkswillen nicht umsetzen wĂźrden.cite-ref-152[152] Dies wurde von ehemaligen DDR-BĂźrgerrechtlern in einem Offenen Brief scharf kritisiert, die darin eine âGeschichtslĂźgeâ sahen.cite-ref-153[153] Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk warf der AfD 2019 vor, mit solchen SprĂźchen nicht nur die DDR-Diktatur zu verharmlosen, sondern darauf abzuzielen, das zu âvernichten [âŚ], wofĂźr die Revolution von 1989 und die BĂźrgerrechtler von 1989 stehen und angetreten waren: Die Errichtung einer Offenen Gesellschaftâ.cite-ref-154[154]
Laut Correctiv arbeiten gegenwärtig mindestens 34 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums fĂźr Staatssicherheit (MfS, informell: âStasiâ) in den Reihen der Partei oder kandidieren fĂźr sie (Stand: August 2024).cite-ref-155[155]
Verbindungen zur extremen Rechten
Das erfolgreiche Auftreten der AfD 2013, damals noch eng verbunden mit dem Thema der Eurokrise, fand sofort Aufmerksamkeit am rechten Rand des politischen Spektrums, der die Chance witterte die AfD fĂźr eigene Zwecke und Ăźber die Eurorettung hinausgehende Themensetzung zu nutzen und zu unterwandern.cite-ref-27-156-0[156] Das politische Angebot der AfD mit ârestriktiven Positionen in der Zuwanderungspolitik, einer konservativen Gesellschaftspolitikâ und einer Haltung gegen das politische Establishmentcite-ref-bpb-decker-157-0[157] eignet sich als âradikaler Ersatz fĂźr die desorientierte politische Mitteâ und bedient unter anderem âRessentiment, Elitenhass und System-Entfremdungâ.cite-ref-zeit-abstieg-158-0[158] Das hatte zur Folge, dass rechte Kleinparteien zum Teil erhebliche Mitgliederverluste an die AfD verzeichneten.cite-ref-spiegel-anschluss-159-0[159]
Als Reaktion auf diese Entwicklung empfahl der damalige Bundessprecher Bernd Lucke im Herbst 2013 per Schreiben an die Landesverbändecite-ref-spiegel-anschluss-159-1[159] einen bundesweiten Aufnahmestopp fĂźr ehemalige Mitglieder rechter Splitterparteien.cite-ref-160[160] Eine Mitgliedschaft in der AfD sei unvereinbar mit ausländerfeindlichen, rassistischen, antisemitischen, islamfeindlichen, rechts- und linksextremen Gesinnungen.cite-ref-auto1-161-0[161] Bereits damals blieb das nicht unwidersprochen. Frauke Petry, damals Vorsitzende des sächsischen Landesverbands und Mitglied des Bundesvorstands, sowie weitere ostdeutsche Landesverbände widersprachen Lucke und kĂźndigten an, auch weiterhin Aufnahmeanträge von Ăberläufern der Partei Die Freiheit zu prĂźfen.cite-ref-faz-aufnahmestopp-162-0[162]
Dass mit der AfD erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Partei des rechten Randes auftauchte, die sich als erfolgreich erwies, bot fĂźr die Neue Rechte und die bis dahin âlose nebeneinander bestehenden Strukturen des rechten Lagersâ den Vorteil, sie fĂźr eine ZusammenfĂźhrung der Kräfte nutzen zu kĂśnnen.cite-ref-163[163] Der rechte Rand und die AfD beeinflussen sich insofern gegenseitig, personell gibt es Austausch und Querverbindungen.
Unvereinbarkeitsliste unvereinbarkeitsliste-f-c3-bcr-afd-mitgliedschaftunvereinbarkeitsliste-f-r-afd-mitgliedschaft
Es existiert zwar eine Unvereinbarkeitsliste, in der unter anderem verschiedene rechtsextreme Gruppen verzeichnet sind, deren Mitglieder nicht in die Partei aufgenommen werden sollen. Sie wird aber weder konsequent beachtetcite-ref-4-164-0[164]cite-ref-zeit-nazi-netz-165-0[165]cite-ref-zeit-fi-166-0[166] noch ist sie eine zwingende Vorgabe fßr die Rekrutierung von Abgeordneten-Mitarbeitern.cite-ref-zeit-rechtsextrem-167-0[167] 2024 war die Liste 13 Seiten lang und listete etwa 500 Organisationen aus dem rechtsextremen, dem linksextremen, dem islamistischen und dem ausländerextremistischen Milieu auf.cite-ref-168[168]
Von den 91 im 19. Deutschen Bundestag (Bundestagswahl 2017) vertretenen AfD-Abgeordnetencite-ref-169[169] unterhielten 13 Kontakte zu rechtsextremen Parteien bzw. Vereinigungen wie der Identitären Bewegung.cite-ref-zeit-rechtsextrem-167-1[167] Mindestens 27 Fraktions- und Abgeordnetenmitarbeiter hatten nach Recherchen der Zeit 2018 einen eindeutig rechtsradikalen bis rechtsextremen Hintergrund. Das Blatt spach von einem âNazi-Netzwerk im Deutschen Bundestagâ.cite-ref-zeit-nazi-netz-165-1[165]
Viele AfD-Abgeordnete und AfD-Mitarbeiter gehĂśren rechten Burschenschaften an, darunter auch solchen der Deutschen Burschenschaft (DB), eines vĂślkisch-nationalistischen Dachverbands Ăśsterreichischer und deutscher Studentenverbindungen.cite-ref-zeit-burschen-170-0[170]
Beim Bundesparteitag im Juni 2022 in Riesa stimmten rund 60 Prozent der Delegierten dafĂźr, den Verein Zentrum, der sich als Gewerkschaft bezeichnet, von der Unvereinbarkeitsliste zu streichen. DafĂźr hatte neben anderen Delegierten BjĂśrn HĂścke geworben.cite-ref-171[171]
Laut dem Politikwissenschaftler Steffen Kailitz stellt diese Unvereinbarkeitsliste sowieso kein Qualitätsmerkmal dar, denn derartige Listen ergäben ânur dann Sinn, wenn man ohnehin schon im Graubereich siedeltâ. Solche Grenzlinien wären bei klar demokratischen Parteien wie der SPD oder der Union ânatĂźrlich vĂśllig unsinnigâ.cite-ref-172[172]
Institut fĂźr Staatspolitik
Es besteht eine Nähe zum von GĂśtz Kubitschek betriebenen sogenannten Institut fĂźr Staatspolitik, einem Think-Tank der Neuen Rechten im sachsen-anhaltinischen Schnellroda, zu dessen Umfeld auch die Zeitschrift Sezession und der Verlag Antaios gehĂśren. Sowohl Alexander Gauland wie JĂśrg Meuthen hatten als Vorsitzende der AfD verhältnismäĂig engen Kontakt zu GĂśtz Kubitschek: JĂśrg Meuthen war Gast auf einer Tagung in Schnellroda und hielt dort eine Rede, Gauland wurde von der NZZ zugeschrieben, dass er sich regelmäĂig mit Kubitschek zum Austausch träfe. Alice Weidel besuchte als Fraktionschefin die Sommerakademie des Instituts. Veranstaltungen des Instituts werden von jenem neurechten Milieu besucht, aus dem die AfD und ihre Parlamentsfraktionen ihre Mitarbeiter rekrutieren.cite-ref-173[173]cite-ref-174[174] Die AfD, deren Fraktionen und Abgeordnete Mitarbeiter einstellen, bĂśte jungen AngehĂśrigen des Milieus âjetzt eine Berufsperspektiveâ.cite-ref-175[175] Erik Lehnert, langjähriger Mitarbeiter Kubitscheks und Käufer (und nunmehr Herausgeber) seiner Zeitschrift Sezession war Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten und ist mittlerweile GeschäftsfĂźhrer der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtagcite-ref-176[176]cite-ref-177[177]cite-ref-178[178]. Der regelmäĂige Autor der Sezession Benedikt Kaiser (selber ehemaliger BĂźroleiter BjĂśrn HĂśckes und nacheinander Mitarbeiter zweier AfD-Bundestagsabgeordnetercite-ref-179[179]) beschrieb die Bedeutung eines nicht der AfD angehĂśrenden Vorfeldes, das die Partei dennoch in die von auĂerparlamentarischen Gruppen (âMosaikâ) gewĂźnschte Richtung bewege.cite-ref-180[180] Die AfD-Fraktion im bayerischen Landtag versuchte GĂśtz Kubitschek im Landtag als Sachverständigen auftreten zu lassen.cite-ref-181[181] Bernd Lucke â der seinen Kampf gegen die Parteirechte 2015 verloren hatte â hielt 2019 fest, dass er zu spät erkannt habe, dass GĂśtz Kubitschek beträchtlichen Einfluss auf den FlĂźgel gehabt habe und âwas fĂźr Netzwerke er schon in der Partei hatte â nicht nur im Ostenâ.cite-ref-182[182] FĂźr JĂśrg Meuthen, der sich spät aber gleichfalls gegen die Gefolgschaft HĂśckes stellte und ebenfalls verlor, transportiert Kubitschek âein glasklar vĂślkisches Weltbildâ in die AfDcite-ref-183[183]. Publizistisch hat Kubitschek 2017 eine Strategie der âSelbstverharmlosungâ vorgestellt, mit der die Abgrenzung der BĂźrgerlichen per âZurschaustellung der eigenen Harmlosigkeitâ Ăźberwunden werden sollecite-ref-184[184]. Kubitschek wird enger Kontakt zu BjĂśrn HĂścke und inhaltlicher Einfluss auf die Erfurter Resolution zugeschrieben, bis dahin, dass er ihr eigentlicher Verfasser ist.cite-ref-185[185]cite-ref-21-186-0[186] Er hatte frĂźh in der AfD die Gelegenheit gesehen, Ăźber das ursprĂźngliche Euro-Thema hinauszugehen: Dieses sei ein âTĂźrĂśffner-Thema, und unsere Themen (Identität, Widerstand, Gender-, Parteien- und Ideologiekritik) kommen hintendrein gepoltert, wenn wir nur rasch und schnell genug den FuĂ in die TĂźr stellen.âcite-ref-27-156-1[156] Seinen Versuch, den Kurs der AfD zu beeinflussen, sieht er selbst als erfolgreich ancite-ref-187[187]. In der Anfangszeit der AfD hatte Kubitschek mit Sorge auf den Kurs Bernd Luckes gesehen, denn wäre dieser erfolgreich gewesen, hätte die AfD aus Kubitscheks Sicht eher systemstabilisierend und wie eine âMauerâ gegenĂźber weiter rechtsstehenden Personen und Positionen gewirkt. Kubitschek wollte die AfD als erweiterten âResonanzraumâ und âAusdehnung der Kampfzoneâ nutzen, aber keine Abgrenzung nach RechtsauĂen. Er arbeitete mit seinem alten Bekannten BjĂśrn HĂścke darum gemeinsam daran, den Kampf um den Kurs der AfD zu gewinnen.cite-ref-21-186-1[186] Kubitschek soll in seiner Strategie fĂźr die AfD die Rolle einer Fundamentalopposition vorsehen, die âorganisatorische, personelle und finanzielle Ressourcenâ fĂźr âeine lagerĂźbergreifende BĂźndnispolitik mit rechtsradikalen Bewegungen auf der StraĂeâ zur VerfĂźgung stelle, BjĂśrn HĂścke sehe dies genauso.cite-ref-188[188] HĂścke hatte bereits 2014 eine Sitzung der damaligen AfD-Fraktion im ThĂźringer Landtag bei Kubitschek in Schnellroda abhalten lassen, wo Kubitschek seine Vorstellungen den Abgeordneten erklärtecite-ref-189[189]. Nach Steffen Kailitz ist es Kubitschek gelungen, den Kurs der AfD mitzubestimmen und ein anfänglich wichtiges neurechtes Wählerpotential zu mobilisieren, er habe heute gegenĂźber der Partei aufgrund seines erworbenen Status ein Drohpotentialcite-ref-190[190]. FĂźr Marcus Ogorek sind es âdie Netzwerke Kubitscheks und seiner Epigonen, in denen AfD-Kader radikalisiert und geschult werdenâ und in denen âRechtsextreme so zu argumentieren lernen, dass es bei konservativen Menschen Anklangâ findetcite-ref-191[191]. JĂźrgen P. Lang sieht im Institut den Ort, von dem aus BjĂśrn HĂścke âdie geistige Eroberung der AfD starteteâ.cite-ref-192[192]
Die Freiheit
Nach Schätzungen des Vorsitzenden der Partei Die Freiheit, RenĂŠ Stadtkewitz, traten bis September 2013 etwa 500cite-ref-spiegel-anschluss-159-2[159] Mitglieder seiner Partei zur AfD Ăźber.cite-ref-krusespiegel-193-0[193] Von diesen Mitgliedern Ăźbernahmen einige FĂźhrungspositionen in der AfD.cite-ref-spiegel-anschluss-159-3[159]cite-ref-hb8419392-194-0[194] Nach der Bundestagswahl 2013 verzichtete die Kleinpartei zu Gunsten der AfD auf eine Teilnahme an weiteren Wahlen.cite-ref-auto1-161-1[161] Stadtkewitz und Matthias Wohlfarth, Sprecher der thĂźringischen AfD, erklärten Ăźbereinstimmend, die Programme beider Parteien stimmten in vielen Punkten Ăźberein.cite-ref-faz-aufnahmestopp-162-1[162] Der ehemalige bayerische Landesvorsitzende von Die Freiheit, Christian Jung, lotet als Verantwortlicher des AfD-nahen Medienportals Metropolico/JouWatch fĂźr die AfD-Bundestagsfraktion âSynergieeffekte und KooperationsmĂśglichkeitenâ mit ausgewählten Medien aus.cite-ref-195[195]
Identitäre Bewegung
Obwohl die AfD 2016 einen Unvereinbarkeitsbeschluss bezĂźglich der rassistischen Identitären Bewegung gefasst hat,cite-ref-zeit-abgrenzung-identit-re-196-0[196] beschäftigen AfD-Bundestagsabgeordnete in ihren AbgeordnetenbĂźros nach Recherchen der Zeit Anhänger dieser Bewegung, beispielsweise den ehemaligen Landesvorsitzenden der Jungen Alternative in Brandenburg, Jean-Pascal Hohm, und den Bundesvorsitzenden der Identitären, Daniel FiĂ.cite-ref-zeit-fi-166-1[166] Auch AfD-Bundessprecher Gauland beschäftigte demnach immer wieder Anhänger neonazistischer Gruppen.cite-ref-zeit-nazi-netz-165-2[165] Mario MĂźller, bekanntes Mitglied der Identitären Bewegung, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter fĂźr einen AfD-Bundestagsabgeordneten.
Der damalige Landessprecher der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Holger Arppe, setzte sich fĂźr eine Zusammenarbeit mit den Identitären ein.cite-ref-197[197] Petr Bystron, bis 2017 Chef der bayerischen AfD, hatte die Identitären als âVorfeldorganisation der AfDâ bezeichnetcite-ref-zeit-abgrenzung-identit-re-196-1[196] und wurde vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet, weil er die AfD als âSchutzschildâ fĂźr Identitäre und Pegida sehen wollte. Die Beobachtung wurde eingestellt, weil mit Bystrons Wahl in den Deutschen Bundestag hĂśhere rechtliche HĂźrden greifen.cite-ref-198[198]
Auf Bundesebene der AfD fordert die rechtsnationale Patriotische Plattform âeine engere Zusammenarbeit zwischen Identitärer Bewegung und AfD, denn auch die AfD ist eine identitäre Bewegung und auch die Identitäre Bewegung ist eine Alternative fĂźr Deutschlandâ.cite-ref-199[199] Auch bei der Nachwuchsorganisation der AfD, der Jungen Alternative, bestehen vielfältige Verbindungen zu den Identitären.cite-ref-zeit-abgrenzung-identit-re-196-2[196] So bekundete JA-Chef Markus Frohnmaier offen UnterstĂźtzung fĂźr den WortfĂźhrer der Identitären und Chef der Identitären Bewegung Ăsterreich, Martin Sellner.cite-ref-ts-identit-re-200-0[200] Mit Sellner trafen sich AfD-Politiker 2023, um mit ihm Remigrationsideen zu erĂśrtern.
NPD/Die Heimat
AfD-Abgeordnete im Bayerischen Landtag beschäftigten Mitarbeiter mit Verbindungen zur rechtsextremen und teils neonazistischen Kleinpartei Die Heimat, damals NPD.cite-ref-4-164-1[164]cite-ref-201[201]
Im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 schloss AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm nicht aus, im Landtag fĂźr Anträge der damaligen NPD-Fraktion zu stimmen. Auch der ehemalige Parteichef JĂśrg Meuthen stellte sich in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen gegen den so genannten Schweriner Weg, der vorsieht, alle Anträge der Rechtsextremen geschlossen abzulehnen. Damit habe er âdie bisherige offizielle Linie der Bundespartei in Form der strikten Abgrenzung zur NPD zu den Aktenâ gelegt.cite-ref-202[202]
BjĂśrn HĂścke, dem fĂźhrenden Kopf des vĂślkisch-nationalistischen FlĂźgels und Vorsitzenden der AfD-Fraktion im ThĂźringer Landtag, wurde laut damaligem AfD-Bundesvorstand nachgewiesen, dass er âunter dem Namen âLandolf Ladigâ in den damaligen NPD-VerĂśffentlichungen Volk in Bewegung und Eichsfeld-Stimme Artikel verfasstâcite-ref-203[203] hatte, in denen er nicht nur die rechtsextremen Ideen der NPD lobte, sondern auch das NS-Regime verherrlichte.cite-ref-ts-landolf-ladig-204-0[204] Er zeige âeine ĂźbergroĂe Nähe zum Nationalsozialismusâ.cite-ref-tagesspiegel-19633818-205-0[205] Im Februar 2017 stellte der Bundesvorstand den Antrag, HĂścke aus der Partei auszuschlieĂen. Diesen lehnte das Landesschiedsgericht ThĂźringer AfD im Mai 2018 ab, da HĂścke nicht gegen die Satzung oder Parteigrundsätze verstoĂen habe.cite-ref-206[206] Im Juni 2018 verzichtete der mittlerweile neu besetzte Bundesvorstand einstimmig auf Rechtsmittel.cite-ref-sz-h-cke-ausschluss-gescheitert-207-0[207]
In ihrer Rhetorik und Strategie weist die AfD zunehmend Parallelen zur NPD/Die Heimat auf. Begriffe und Themen der NPD finden sich auch in Reden von AfD-Politikern, jedoch mit subtileren antisemitischen Andeutungen. Setzte die NPD in der Vergangenheit strategisch stärker auf Provokation, tritt nun die AfD ebenfalls in Parlamenten und auf der StraĂe immer extremer auf. Auch in der Selbstinszenierung als âKĂźmmererparteiâ mit Kinderfesten und der UnterstĂźtzung lokaler Initiativen sind Parallelen beider Parteien erkennbar.cite-ref-208[208]cite-ref-209[209]
Nach den Kommunalwahlen in Brandenburg grĂźndeten Vertreter der AfD in Lauchhammer Mitte 2024 mit Die Heimat gemeinsame Fraktionen im Kreistag Oberspreewald-Lausitz und der Stadtverordnetenversammlung.cite-ref-210[210] Daraufhin wurden gegen die drei beteiligten AfD-Mitglieder ParteiausschlĂźsse eingeleitet.cite-ref-211[211]
Der Umgang mit Personen mit NPD-Vergangenheit ist flexibel, im sächsischen MeiĂen trat mit RenĂŠ Jurisch ein ehemaliges NPD-Mitglied als Kandidat fĂźr die Wahl zum OberbĂźrgermeister an. Eine Mitgliedschaft in der AfD wird durch den Unvereinbarkeitsbeschluss ausgeschlossen, die AfD aber stellte ihn als parteilosen Kandidaten auf.cite-ref-212[212]cite-ref-213[213]
Pegida
Ein Beschluss des Bundesvorstands vom Mai 2016, der eine Kooperation mit Pegida ablehnte,cite-ref-214[214] wurde auf Antrag der Patriotischen Plattform vom Bundesschiedsgericht Anfang August 2016 teilweise aufgehoben. Ein generelles Auftrittsverbot bei Pegida greife unzulässig in die Mitgliederrechte ein. Pegida werde bis dato nicht vom Verfassungsschutz beobachtet â was zumindest fĂźr Bayern und ThĂźringen nicht der Wahrheit entspricht.cite-ref-215[215] Ein im Dezember 2014 verabschiedetes Positionspapier von Pegida zeige zudem ein erhebliches MaĂ an inhaltlicher Ăbereinstimmung mit dem Grundsatzprogramm der AfD. Ein Verbot von Auftritten von Pegida-Vertretern bei AfD-Veranstaltungen sei hingegen zulässig.cite-ref-216[216]
Das Verhältnis zu Pegida entwickelte sich nach Felix Korsch (2016) in vier Phasen von âAnziehung und Ablehnungâ.cite-ref-auto2-217-0[217] AfD-Anhänger hätten laut einer Erhebung vom Dezember 2014 Verständnis fĂźr die Pegida-Demonstrationen, eine âtatsächliche Kooperationâ gab es aber bis dahin nicht.cite-ref-218[218] Die Dresdner AfD befĂźrwortete die Pegida-Kundgebungen seit November 2014, und auch die vĂślkisch-nationalistische âPatriotische Plattformâ unter dem damaligen sächsischen AfD-Vorstandsmitglied Hans-Thomas Tillschneider unterstĂźtzte Pegida von Anfang an. Während im Bundesvorstand vor allem Lucke und Henkel eine distanzierte Haltung vertraten, besuchte Gauland mit mehreren Fraktionskollegen im Dezember 2014 eine Pegida-Kundgebung und bezeichnete deren Anhänger als ânatĂźrliche VerbĂźndeteâ der AfD. Frauke Petry traf sich mit Pegidas Vereinsvorstand im Landtag von Sachsen und sah inhaltliche âSchnittmengenâ. In anderen Landesverbänden blieb die Haltung ambivalent: Die hessische AfD kritisierte die Teilnahme an âFragidaâ, weil dieser Frankfurter Pegida-Ableger von der NPD mitorganisiert wurde, nicht aber die Teilnahme an âKagidaâ in Kassel, die von einem AfD-Mitglied gefĂźhrt wurde.cite-ref-219[219] Es seien letztlich mehrere âverhalten-zustimmende ĂuĂerungenâ zu verzeichnen.cite-ref-korsch126-220-0[220]
Im Juli 2015 bezeichnete der damalige NRW-Landesvorsitzende Marcus Pretzell in seinem GruĂwort zum Essener Parteitag die AfD als âPegida-Parteiâ.cite-ref-auto3-221-0[221] Häusler sieht im Jahr 2016 in der AfD einen âparteipolitischen Ankerâ fĂźr âgegen Einwanderer und FlĂźchtlinge gerichtete [âŚ] Initiativenâ wie Pegida; die bei den Demonstrationen in Dresden âartikulierten Forderungen [seien] in vielen Fragen deckungsgleich mit Positionen der AfDâ.cite-ref-h-usler242-222-0[222] Von allen Parteien stehe jedenfalls die AfD der Pegida am nächsten.cite-ref-223[223]
Pro Deutschland
Am 11. November 2017 beschloss die rechtsextreme BĂźrgerbewegung pro Deutschland ihre SelbstauflĂśsung und rief Mitglieder sowie ihre kommunalen Mandatsträger auf, sich der AfD anzuschlieĂen. Man wolle die AfD starkmachen und die eigenen Ziele kĂźnftig innerhalb der AfD weiterverfolgen. AfD-Fraktionssprecher Christian LĂźth gab an, Pro Deutschland stehe auf der Unvereinbarkeitsliste seiner Partei, dessen Mitglieder kĂśnnten nicht aufgenommen werden.cite-ref-224[224]
Nordkreuz
Im AfD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern wurde mit Haik Jaeger ein Mitglied der rechtsextremen Prepper-Gruppe Nordkreuz zum stellvertretenden Vorsitzenden des Landesfachausschusses âInnere Sicherheit, Justiz und Datenschutzâ gewählt. Gegen den suspendierten Polizisten waren vor seiner Wahl Ermittlungen wegen des Verdachts der âVorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttatâ aufgenommen worden.cite-ref-225[225] Er soll mit seinem Dienstrechner fĂźr Nordkreuz Meldedaten von Personen beschafft haben,cite-ref-226[226] die auf einer Todeslistecite-ref-227[227] des rechtsextremen Netzwerks standen. 2023 wurde er wg. unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt.cite-ref-228[228] Auch der GrĂźnder von Nordkreuz, Marko G. war Mitglied der AfD. Er wurde wg. Waffenbesitzes und des Besitzes von Kriegswaffen verurteilt.cite-ref-229[229]cite-ref-230[230]
Patriotische Union; Gruppe ReuĂ
2021 grĂźndete sich aus der ReichsbĂźrger- und QAnon-Szene heraus um Heinrich XIII. Prinz ReuĂ, eine als Gruppe ReuĂ, ReuĂ-Gruppe oder Patriotische Union bekannte Gruppe, der vorgeworfen wird auf einen gewaltsamen Umsturz hingearbeitet zu haben. Im Dezember 2022 lieĂ der Generalbundesanwalt zunächst 25, später nochmals drei mutmaĂliche Mitglieder oder UnterstĂźtzer der Gruppe unter dem dringenden Verdacht festnehmen, sie hätten eine terroristische Vereinigung gebildet und einen bewaffneten Staatsstreich gegen die staatliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland geplant. Seit August 2023 wird gegen insgesamt 69 mutmaĂlich Beteiligte ermittelt, gegen 27 erhob der Generalbundesanwalt Anklage wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Strafprozess findet vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main und vor dem Oberlandesgericht MĂźnchen statt. In den Fokus der Ermittlungen gerieten u.a Polizisten und Soldaten der Bundeswehr, darunter auch Soldaten des Kommando Spezialkräfte (aktiv und ehemalig).cite-ref-231[231] AngehĂśrige der Gruppe verfĂźgten Ăźber Waffen und Munition, vorgesehen soll ein Sturm auf das Reichstagsgebäude gewesen sein.cite-ref-232[232]
Verhaftet wurde auch die Richterin und AfD-Politikerin Birgit Malsack-Winkemann. Sie gehÜrte zum Bundesschiedsgericht der Partei, war von 2017 bis 2021 Mitglied im Bundestag gewesen, und stand in der Wahl 2021 auf Platz fßnf der Berliner Landesliste, was fßr den Wiedereinzug nicht reichte. Sie kandidierte parallel erfolglos als Direktkandidatin eines Berliner Wahlkreises.cite-ref-233[233]cite-ref-234[234]cite-ref-235[235] Im 19. Deutschen Bundestag war Malsack-Winkemann stellvertretende Vorsitzende im Unterausschuss zu Fragen der Europäischen Union gewesen. Darßber hinaus hatte sie als ordentliches Mitglied dem Haushaltsausschuss und als stellvertretendes Mitglied dem Finanzausschuss sowie dem Gemeinsamen Ausschuss angehÜrt.cite-ref-bt-vita-236-0[236] Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag schlug Malsack-Winkemann fßr einen Sitz im Vertrauensgremium vor, das unter anderem ßber die vertraulichen Wirtschaftspläne der Nachrichtendienste des Bundes entscheidet.cite-ref-237[237] Als ehemalige Abgeordnete verfßgte Malsack-Winkemann ßber einen Hausausweis des Bundestages, der ihr erlaubte Besucher mitzubringen. Sie fßhrte die ehemaligen KSK-Soldaten und Gruppenmitglieder Maximilian Eder und Peter WÜrner durch das Parlamentsgebäude.cite-ref-238[238] Innerhalb der Partei gehÜrte sie dem Flßgel an, in der Gruppe Reuà soll sie als Justizministerin vorgesehen worden sein.cite-ref-239[239] Zum Zeitpunkt der ersten Verhaftungen waren neben Malsack-Winkemann zwei weitere Beschuldigte Mitglieder der AfD.cite-ref-240[240]
Die AfD-ParteifĂźhrung distanzierte sich nach Bekanntwerden. Man habe von eventuellen Aktivitäten Malsack-Winkemanns nichts gewusst und verurteile âsolche Bestrebungenâ.cite-ref-241[241] Isoliert war Malsack-Winkemann, die bestreitet von Putschplänen gewusst zu haben, in der Fraktion und Partei aber offenbar zuvor nicht. Nach Verhaftung der Gruppe und Malsack-Winkemanns kam aus der AfD Spott. Es habe sich bei den mutmaĂlichen Putschisten um Rentner gehandelt, um einen âRollator-Putschâ, wie BjĂśrn HĂścke und Alice Weidel es nannten. Gottfried Curio sprach in einer Bundestagsdebatte von einem âFake-Putschâ.cite-ref-242[242]cite-ref-243[243]cite-ref-244[244]
Sächsische Separatisten
Ende 2024 gingen PolizeibehĂśrden auf Veranlassung der Generalbundesanwaltschaft wegen Verdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung gegen die Gruppe Sächsische Separatisten vor, die sich auf einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet haben soll, beschlagnahmte Waffen und verhaftete acht Personen. Unter ihnen waren drei Mitglieder der AfD, darunter ein Lokalpolitiker, der Ăźberdies Schatzmeister der Jungen Alternative in Sachsen und Mitarbeiter eines AfD-Landtagsabgeordneten (Alexander Wiesner) war.cite-ref-245[245]cite-ref-246[246]cite-ref-247[247] In einer Sondertelefonkonferenz entschied der Bundesvorstand der AfD, beim Bundesschiedsgericht der Partei einen Ausschluss der betroffenen Mitglieder zu beantragen, und verlautbarte, dass die Partei âmit dieser mutmaĂlich neonazistischen Gruppierung â welche unseren Grundsätzen und unserer Programmatik zutiefst widerspricht â weder inhaltlich noch organisatorisch in irgendeiner Weise verbundenâ sei.cite-ref-248[248] Tino Chrupalla nannte die Berichte âvollkommen schockierendâ, falls die VorwĂźrfe zuträfen, hätten die besagten Mitglieder âweder in der JA noch in der AfD etwas zu suchenâ.cite-ref-249[249]
Treffen mit Vertretern rechtsextremer und identitärer Bewegungen
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Hauptartikel
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Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023
Politiker der AfD â darunter Roland Hartwig, der persĂśnliche Berater Alice Weidels, die Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy, Ulrich Siegmund, AfD-Fraktionsvorsitzender in Sachsen-Anhalt und Tim Krause, Pressesprecher der AfD-Fraktion des brandenburgischen Landtags â nahmen gemeinsam mit Ulrich Vosgerau, Mitgliedern des Vereins Werteunioncite-ref-250[250] sowie Vertretern anderer rechtsextremer und identitärer Gruppierungen an einem konspirativen Treffen in der Nähe von Potsdam teil. Nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks soll auch Mario MĂźller, vorbestrafter Neonazi und Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt, anwesend gewesen sein.cite-ref-251[251] Bei der Begegnung, die am 25. November 2023 stattfand, ging es um einen âMasterplanâ zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, der von dem bekannten Ăśsterreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner vorgestellt wurde.cite-ref-252[252] Obwohl die AfD sich offiziell von Sellner und dessen identitärer Gruppierung distanziert, pflegen Mitglieder der AfD seit Langem Kontakt zu dieser vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Szene.cite-ref-253[253]
Sellner hatte laut dem Recherchenetzwerk Correctiv den Anwesenden seinen Masterplan âRemigrationâ vorgestellt. Danach sollen âAsylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht und nicht assimilierte StaatsbĂźrgerâ Deutschland verlassen. AuĂerdem soll Sellner âmaĂgeschneiderte Gesetzeâ zur AusĂźbung eines âhohen Anpassungsdruckâ auf diese Menschen veranlassen wollencite-ref-254[254] und habe in diesem Zusammenhang seine Pläne fĂźr die Umsiedlung nach Nordafrika in ein Gebiet fĂźr bis zu zwei Millionen Menschen vorgeschlagen haben, wo die Abgeschobenen dann leben kĂśnnten.cite-ref-255[255]cite-ref-14-118-1[118] Ulrich Siegmund setzte sich laut Correctiv dafĂźr ein, auf Personen oder Unternehmen, die als ausländisch wahrgenommen werden, âeinen ständigen Druckâ auszuĂźben.cite-ref-256[256]
Marine Le Pen, Fraktionschefin des Rassemblement National, äuĂerte, dass sie mit den bei dem Treffen diskutierten Vorschlägen nicht einverstanden sei. In Bezug auf die gemeinsame Fraktion mit der AfD im EU-Parlament mĂźsse geprĂźft werden, âob sich daraus Folgen ergebenâ.cite-ref-257[257] Im Mai 2024 kam es schlieĂlich zum endgĂźltigen Bruch mit dem franzĂśsischen Rassemblement National. Daraufhin wurden die AfD-Abgeordneten (gegen die Stimmen der Ăśsterreichischen FPĂ und der estnischen EKRE) aus der ID-Fraktion im Europäischen Parlament ausgeschlossen.cite-ref-258[258] Auf ihrem Bundesparteitag Ende Juni 2024 gab die AfD ihrerseits als Konsequenz den sofortigen Austritt aus der europäischen IDP bekannt.cite-ref-259[259]
Einstufung durch den Verfassungsschutz
Bundespartei
Das Bundesamt fßr Verfassungsschutz (BfV) stufte laut ßbereinstimmenden Medienberichten von Anfang März 2021 die Gesamtpartei seit Ende Februar 2021 als rechtsextremen Verdachtsfall ein, um sie bundesweit auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachten zu kÜnnen. Die Entscheidung beruhte auf einer 2019 gestarteten Untersuchung.cite-ref-verdachtsfall-260-0[260]cite-ref-261[261] Die Untersuchung mßndete 2021 in einem 1.000-seitigen Gutachten, das 2025 verÜffentlicht wurde.cite-ref-262[262]
Gegen die Einstufung als rechtsextremen Verdachtsfall klagte die AfD vor dem Verwaltungsgericht KĂśln und stellte dazu einen Eilantrag. Das Gericht untersagte daraufhin am 5. März 2021 dem BfV in einem âHängebeschlussâ vorläufig bis zu einer Entscheidung Ăźber den Eilantrag, die AfD als Verdachtsfall einzustufen.cite-ref-263[A 1]cite-ref-264[263]cite-ref-265[264] Bis dahin hatte die Partei Wert darauf gelegt, auf Bundesebene als Gesamtpartei kein Beobachtungsobjekt des BfV zu sein.cite-ref-beobachtungdw-266-0[265]cite-ref-bfafl-gelja-267-0[266] Am 8. März 2022 fällte das Verwaltungsgericht KĂśln in der Hauptsache sein Urteilcite-ref-268[A 2] Ăźber die Klage der AfD und entschied, dass das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz die gesamte AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall einordnen und beobachten darf.cite-ref-269[267]cite-ref-270[268]cite-ref-271[269] Es gebe in der Partei ausreichende Anhaltspunkte fĂźr verfassungsfeindliche Bestrebungen. Damit war auch der ein Jahr zuvor erlassene Hängebeschluss zum Eilantrag erledigt.cite-ref-272[270]cite-ref-273[271] Die AfD entschied, gegen das Urteil Berufung einzulegen.cite-ref-274[272] Das Oberverwaltungsgericht fĂźr das Land Nordrhein-Westfalen in MĂźnster wies am 13. Mai 2024 die Berufung der AfD zurĂźck.cite-ref-275[273]cite-ref-276[A 3] In der UrteilsbegrĂźndung hieĂ es, das Bundesamt habe stets die VerhältnismäĂigkeit gewahrt; seine MaĂnahmen seien mit Grundgesetz, Europa- und VĂślkerrecht vereinbar. Bei der Partei lägen âAnhaltspunkte fĂźr demokratiefeindliche Bestrebungenâ vor; sie verfolge Bestrebungen âgegen die MenschenwĂźrde bestimmter Personengruppenâ.cite-ref-277[274]cite-ref-278[275] Diese Entscheidung wurde am 20. Mai 2025 rechtskräftig, als das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision zurĂźckwies.cite-ref-279[276]cite-ref-280[A 4] Am 21. August 2025 reichte die AfD Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein.cite-ref-281[277]
Anfang 2019 forderte das BfV seine Mitarbeiter auf, Kontakte zur AfD intern offenzulegen,cite-ref-dillmann-282-0[278]cite-ref-283[279] und bezeichnete die Partei kurzzeitigcite-ref-284[280] Ăśffentlich als âPrĂźffallâ.cite-ref-pr-ffall-285-0[281]cite-ref-286[282] Mangels Rechtsgrundlage wurde diese ĂuĂerung vom Verwaltungsgericht KĂśln untersagt.cite-ref-287[283] Die Bezeichnung habe in der Ăffentlichkeit eine ânegative Wirkungâ, womit vom BfV in das Parteiengrundrecht und PersĂśnlichkeitsrecht der AfD auf rechtswidrige und unverhältnismäĂige Weise eingegriffen worden sei.cite-ref-288[284] Die BehĂśrde verzichtete auf Anfechtung des Entscheids.cite-ref-289[285]
Das Verwaltungsgericht KĂśln lehnte am 27. Januar 2021 einen Antrag der AfD ab, mit dem sie eine ZwischenlĂśsung (sogenannter Hängebeschluss) im Streit um die Einstufung als Verdachtsfall erreichen wollte.cite-ref-290[A 5] Diese Entscheidung bestätigte das Oberverwaltungsgericht fĂźr das Land Nordrhein-Westfalen am 18. Februar 2021.cite-ref-291[A 6]cite-ref-292[286]cite-ref-293[287] Die AfD kĂźndigte an, Verfassungsbeschwerde einzulegen.cite-ref-294[288]cite-ref-295[289]cite-ref-296[290] Am 5. März 2021 entschied das Verwaltungsgericht KĂśln jedoch in einem Hängebeschluss, dass bis zum Abschluss des Eilverfahrens dem BfV keine Einstufung der AfD als Verdachtsfall sowie keine Bezeichnung als solcher in der Ăffentlichkeit erlaubt sei.cite-ref-297[A 7] Die AfD erklärte danach beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung fĂźr erledigt. Das Bundesverfassungsgericht lehnte am 12. März 2021 die Erstattung von Auslagen fĂźr die AfD ab. Es liege âgerade nicht auf der Hand, dass der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung erfolgreich gewesen wäreâ.cite-ref-298[A 8]
Am 17. April 2023 lehnte das Verwaltungsgericht Mßnchen einen Antrag im einstweiligen Rechtsschutz des AfD-Landesverbandes Bayern gegen das Bayerische Landesamt fßr Verfassungsschutz ab. Das Landesamt hatte Üffentlich und im Verfahren erklärt, die Gesamtpartei zu beobachten; der Landesverband hatte versucht, sich vorläufig gegen seine Beobachtung zu wehren.cite-ref-299[A 9] Mit Beschluss vom 14. September 2023 lehnte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof eine Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ab.cite-ref-300[291]cite-ref-301[A 10]
Laut Verfassungsschutzbericht 2022 vom 20. Juni 2023 stuft das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz etwa 10.000 AfD-Mitglieder als extremistisch ein (bzw. 10.200 inklusive Teilorganisation âJunge Alternativeâ), was gut einem Drittel bzw. 30 bis 40 % der Mitglieder entspricht.cite-ref-302[292]cite-ref-303[293] Ein Antrag der AfD gegen diese Passage scheiterte mit Beschluss vom 2. Februar 2024 im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Berlin.cite-ref-304[294]cite-ref-305[A 11] Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg bestätigte den Beschluss am 26. Februar 2025 im Beschwerdeverfahren.cite-ref-306[295] In dem Verfassungsschutzbericht fĂźr das Jahr 2023 vom 18. Juni 2024 gab das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz als das Rechtsextremismuspotenzial der AfD einschlieĂlich der JA 11.300 Personen an.cite-ref-307[296]
Das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz gab bekannt, erst nach der Neuwahl des Deutschen Bundestags 2025 eine Bewertung zu verĂśffentlichen, ob die AfD bundesweit als âgesichert rechtsextremâ einzustufen sei.cite-ref-308[297] Das geschah am 2. Mai 2025, als das Bundesamt die AfD als gesamte Partei als âgesichert rechtsextremistische Bestrebungâ einstufte.cite-ref-309[298]cite-ref-310[299] Als BegrĂźndung gab das BfV an: âDas in der Partei vorherrschende ethnisch-abstammungsmäĂige Volksverständnis ist nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar. Es zielt darauf ab, bestimmte BevĂślkerungsgruppen von einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe auszuschlieĂen, sie einer nicht verfassungskonformen Ungleichbehandlung auszusetzen und ihnen damit einen rechtlich abgewerteten Status zuzuweisen.âcite-ref-311[300] Die AfD ging dagegen vor dem Verwaltungsgericht KĂśln sowohl mit Klage als auch im Eilverfahren vor.cite-ref-312[301] Im Eilverfahren gab das BfV am 8. Mai 2025 eine sogenannte Stillhaltezusage ab: Bis zu einer Entscheidung Ăźber den Eilantrag setze es die Einstufung als âgesichert rechtsextremistische Bestrebungâ vorläufig aus, bezeichne die AfD bis dahin nicht mehr Ăśffentlich als âgesichert rechtsextremistische Bestrebungâ und entferne die entsprechende Pressemitteilung von seiner Internetpräsenz.cite-ref-313[302] Damit hat das BfV verfahrenstechnisch einen Hängebeschluss vermieden; eine Aussage zu den weiteren Erfolgsaussichten vor Gericht ist mit der Stillhaltezusage nicht verbunden.cite-ref-314[303]
Landesverbände
| Landesverband | Landesverband | Verdachtsfall | erwiesen rechtsextrem |
|---|---|---|---|
| | Baden-WĂźrttemberg Baden-WĂźrttemberg | Juli 2022 [ 304 ] | nein |
| | Bayern Bayern | Juni 2022 | nein |
| | Berlin Berlin | | nein |
| | Brandenburg Brandenburg | Juni 2020 [ 305 ] | April 2025 [ 306 ] |
| | Bremen Bremen | Juni 2022 [ 307 ] | nein |
| | Hamburg Hamburg | | nein |
| | Hessen Hessen | September 2022 [ 308 ] | nein |
| | Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern | | nein |
| | Niedersachsen Niedersachsen | Juni 2022 [ 309 ] | nein |
| | Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen | | nein |
| | Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz | | nein |
| | Saarland Saarland | | nein |
| | Sachsen Sachsen | Februar 2021 [ 310 ] | Dezember 2023 [ 311 ] [ 312 ] |
| | Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt | Januar 2021 [ 313 ] | November 2023 [ 314 ] [ 315 ] |
| | Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein | | nein |
| | Thßringen Thßringen | März 2020 [ 316 ] | März 2021 [ 317 ] [ 318 ] |
Unter Verdachtsfällen verstehen die VerfassungsschutzbehĂśrden Bestrebungen, âdie nicht eindeutig extremistisch sind, bei denen aber âtatsächliche Anhaltspunkteâ fĂźr verfassungsfeindliche Bestrebungen vorliegen.âcite-ref-330[319] Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist mĂśglich.cite-ref-verdachtsfall-260-1[260] Nicht in allen Ländern existiert die Kategorie des Verdachtsfalls, etwa in Bayern, wo dies als âBeobachtungsobjektâ bezeichnet wird.cite-ref-verdachtsfall-bayern-331-0[320]
Neben dem BfV hatten auch die VerfassungsschutzbehĂśrden von Nordrhein-Westfalen,cite-ref-332[321] Baden-WĂźrttemberg,cite-ref-333[322] Schleswig-Holstein,cite-ref-334[323] Mecklenburg-Vorpommern,cite-ref-335[324] Sachsen,cite-ref-336[325] ThĂźringen,cite-ref-337[326] Bremencite-ref-wk-2019-01-26-338-0[327] und Niedersachsencite-ref-339[328] die Einstufung der regionalen AfD-Landesverbände als âPrĂźffallâ Ăśffentlich gemacht. Eine Einstufung eines Personenzusammenschlusses als âPrĂźffallâ dient dazu, offen zugängliches Material zu sichten und anschlieĂend zu entscheiden, ob er zum Beobachtungsobjekt erklärt wird oder nicht.cite-ref-340[329]
Vereinigungen, Gruppen und Einzelpersonen
Bund
Im Januar 2019 erklärte der Bundesverfassungsschutz die Jugendorganisation âJunge Alternative fĂźr Deutschlandâ sowie die innerparteiliche StrĂśmung Der FlĂźgel um den ThĂźringer Landesvorsitzenden BjĂśrn HĂścke zu Verdachtsfällen fĂźr extremistische Bestrebungen,cite-ref-pr-ffall-285-1[281] ebenso in Sachsen und Berlin.cite-ref-341[330]cite-ref-342[331]
Im März 2020 erklärte das BfV in einer Pressekonferenz, den FlĂźgel als âerwiesen rechtsextremistische Bestrebungâ zu fĂźhren. Es rechnete der Gruppierung rund 7.000 Personen zu. Die beiden FĂźhrungsfiguren BjĂśrn HĂścke und Andreas Kalbitz charakterisierte BfV-Präsident Thomas Haldenwang als Rechtsextremisten.cite-ref-343[332] Gegen sie und Hans-Thomas Tillschneider setzt das BfV auch nachrichtendienstliche Mittel ein. Dies betrifft jedoch nur auĂerparlamentarische Aktivitäten, da Landtagsabgeordnete besonders geschĂźtzt sind.cite-ref-344[333]
Im März 2022 entschied das Verwaltungsgericht KĂśln Ăźber die Einstufung des FlĂźgels. Das BfV dĂźrfe den FlĂźgel als Verdachtsfall einstufen. Eine Einstufung durch das BfV als âgesichert extremistische Bestrebungâ sei jedoch nach der formalen AuflĂśsung des FlĂźgels zum 30. April 2020 nicht mehr zulässig.cite-ref-345[334]cite-ref-346[A 12] Zugleich wies das Verwaltungsgericht jedoch Antrag der AfD auf Feststellung, dass die Einstufung des FlĂźgels als gesichert extremistische Bestrebung am 12. März 2020 rechtswidrig war, ab. Diese Einstufung sei zu jenem Zeitpunkt rechtmäĂig gewesen.cite-ref-347[A 13] Die Berufung dagegen wies das Oberverwaltungsgericht fĂźr das Land Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2024 zurĂźck.cite-ref-348[A 14] Auch die folgende Nichtzulassungsbeschwerde der AfD in Bezug auf eine Revision wies das Bundesverwaltungsgericht am 20. Mai 2025 ab.cite-ref-349[A 15]
Ebenfalls im März 2022 verbot das Verwaltungsgericht KĂśln dem BfV, Ăśffentlich bekanntzugeben, âdie Mitgliederzahl des sog. âFlĂźgelsâ habe bis zur sog. âAuflĂśsungâ zum 30. April 2020 âetwa 7.000 Mitgliederâ betragen bzw. betrage weiterhin âetwa 7.000 Mitgliederââ.cite-ref-350[A 16]
Bayern
In Bayern, wo die Zwischenstufe des Verdachtsfalls nicht existiert, werden sowohl die Jugendorganisation als auch der vÜlkisch-nationalistische Der Flßgel vom Verfassungsschutz beobachtet.cite-ref-verdachtsfall-bayern-331-1[320] Dagegen hat die AfD im Januar 2020 Klage vor dem Verwaltungsgericht KÜln eingereicht.cite-ref-351[335] Diese Klage wurde im März 2022 abgewiesen.cite-ref-352[336]
Anfang Dezember 2021 wurden Chat-Protokolle einer geschlossenen Telegram-Gruppe mit dem Namen âAlternative Nachrichtengruppe Bayernâ, der auch groĂe Teile der Landtagsfraktion, der bayerischen AfD-Bundestagsgruppe und des Landesvorstands angehĂśrten, dem Bayerischen Rundfunk (BR) zugespielt. Darin forderte beispielsweise ein Kreisvorsitzender: âOhne Umsturz und Revolution erreichen wir hier keinen Kurswechsel mehr.â In einer anderen Nachricht hieĂ es laut BR: âDenke, dass wir ohne BĂźrgerkrieg aus dieser Nummer nicht mehr rauskommen werden.âcite-ref-353[337] Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sah damit die Frage nach Beobachtung einzelner Abgeordneter und der Partei als Ganzes durch den Verfassungsschutz neu gestellt.cite-ref-354[338]
In Bayern stand 2017 mit Petr Bystron zeitweilig der bayerische Landessprecher der Partei im Visier des Verfassungsschutzes.cite-ref-355[339] Nach dessen Wahl in den Bundestag wurde die Beobachtung jedoch eingestellt.cite-ref-356[340] Gleiches gilt fĂźr die Beobachtung von drei Mitgliedern desselben Landesverbands, die 2018 in den bayerischen Landtag einzogen, da fĂźr eine Beobachtung von Abgeordneten vom Bundesverfassungsgericht hĂśhere HĂźrden aufgestellt wurden.cite-ref-357[341] Nach wie vor beobachtet werden hingegen sieben weitere AfD-Mitglieder, von denen drei in kommunalen Bezirkstagen sitzen.cite-ref-358[342] Der bayerische Verfassungsschutz kann im Gegensatz zu anderen VerfassungsschutzbehĂśrden auch Einzelpersonen beobachten, die keinem Personenzusammenschluss angehĂśren.cite-ref-359[343]
Mittlerweile beobachtet der bayerische Verfassungsschutz die gesamte AfD Bayern. Eine Klage dagegen vor dem Verwaltungsgericht Mßnchen blieb erfolglos, nach Meinung des Gerichts gibt es tatsächliche Anhaltspunkte fßr verfassungsfeindliche Bestrebungen.cite-ref-360[344]
Andere Bundesländer
In Sachsen standen 2017 laut dem damaligen Innenminister Markus Ulbig (CDU) âeinzelne Mitgliederâ der AfD wegen ihrer Aktivitäten in der rechtsextremen Szene unter Beobachtung, explizit ânicht wegen ihrer Parteimitgliedschaftâ.cite-ref-361[345] Ăhnliches meldete Anfang 2018 das Land Niedersachsen.cite-ref-362[346] Der thĂźringische Verfassungsschutz-Präsident Stephan J. Kramer sah zur selben Zeit eine Zunahme von ârechtsradikalistischen ĂuĂerungen einzelner Mitgliederâ, deren Prägekraft fĂźr die Gesamtpartei abzuwarten sei.cite-ref-363[347]
Internationale Verbindungen
Innerhalb der Europäischen Union
Seit erstmaligem Einzug der AfD ins Europaparlament gehĂśrte die Partei unterschiedlichen und zunehmend rechtsstehenden Fraktionen an. Nach der Europawahl 2014 wurde die AfD mit 29 zu 26 Stimmen in die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im Europaparlament aufgenommen.cite-ref-364[348] Der britische Premierminister David Cameron hatte die Europaabgeordneten seiner Partei aufgefordert, den Antrag der AfD abzulehnen, da Bundeskanzlerin Merkel die Aufnahme einer konkurrierenden Partei als âfeindlichâ auffassen und sich die Aufnahme negativ auf das Verhältnis zwischen GroĂbritannien und Deutschland auswirken wĂźrde.cite-ref-365[349] Laut einem Bericht des Spiegels hatte Merkel versucht, die Aufnahme zu verhindern, um die AfD politisch nicht weiter aufzuwerten.cite-ref-366[350]
Anfang 2016 trafen sich Frauke Petry und Marcus Pretzell mit dem FPĂ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache und dem FPĂ-Generalsekretär Harald Vilimsky in DĂźsseldorf zum Kongress âEuropäische Visionen â Visionen fĂźr Europaâ.cite-ref-367[351] AnschlieĂend vereinbarte der bayerische AfD-Landesverband eine Kooperation unter dem Titel âBlaue Allianzâ mit der FPĂ. Da die FPĂ Mitglied der RechtsauĂen-Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit war, steigerte die Annäherung in der konservativen EKR-Fraktion das Misstrauen gegen die AfD.cite-ref-368[352] Nachdem die Europaabgeordnete Beatrix von Storch im Januar 2016 den Schusswaffeneinsatz gegen FlĂźchtlinge befĂźrwortet hatte, wurden die AfD-Abgeordneten im Europaparlament im März 2016 aufgefordert, die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) zum 31. März 2016 zu verlassen. Anderenfalls werde die Fraktion einen formalen Ausschluss beantragen.cite-ref-369[353] Am 8. April 2016 verlieĂ Beatrix von Storch daraufhin die Fraktion der EKR und trat in die Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) ein.cite-ref-auto4-370-0[354] Drei Tage später wurde Marcus Pretzell aus der Fraktion ausgeschlossen.cite-ref-zeit-2016-04-12-371-0[355] Am 1. Mai 2016 trat er in die Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit ein.cite-ref-tagesspiegel-pretzell-372-0[356] Nach Beatrix von Storchs Wahl in den Bundestag rĂźckte JĂśrg Meuthen ins Europaparlament nach und schloss sich wie sie der EFDD an.
Im Juni 2019 wurde die europäische Fraktion nationalistischer Parteien Identität und Demokratie (ID) gegrĂźndet, der sich nach der Europawahl 2019 neben der FPĂ, der Lega Nord, dem Rassemblement National und anderen auch die AfD anschloss.cite-ref-373[357] Sie war auĂerdem seit September 2023 Mitglied der Europapartei Identität und Demokratie Partei (IDP).cite-ref-374[358] In der ID-Fraktion blieb die AfD mehrere Jahre. Relativierende Aussagen des Abgeordneten Maximilian Krah Ăźber die Waffen-SS fĂźhrten jedoch dazu, dass auf Druck des franzĂśsischen Rassemblement National und unter Zustimmung der meisten anderen Parteien im BĂźndnis die AfD 2024 aus dieser Fraktion ausgeschlossen wurde. Marine Le Pen hatte den Ausschluss gefordert, weil die AfD von âRadikalenâ geprägt werde.cite-ref-375[359] Im Antrag des Vorsitzenden Marco Zanni (Lega Nord) wurde auf Vorfälle um den Abgeordneten Maximilian Krah verwiesen, die der AfD-Delegation insgesamt zuzurechnen seien und die âdem Zusammenhalt und dem Ruf der Gruppe geschadet habenâ. Lediglich die Ăśsterreichische FPĂ und eine estnische Partei stimmten dagegen.cite-ref-376[360]
Nach der Europawahl 2024 gelang es der AfD nicht im von Viktor Orban gegrĂźndeten FolgebĂźndnis Patrioten fĂźr Europa aufgenommen zu werden, sie bildete stattdessen notgedrungen mit einigen kleineren RechtsauĂen-Parteien eine weitere Rechtsfraktion unter dem Namen Europa der Souveränen Nationen, in der sie die Hälfte der Abgeordneten und die stärkste Gruppe stellt.cite-ref-377[361]cite-ref-378[362]cite-ref-379[363]cite-ref-380[364] Maximilian Krah wurde von vorneherein nicht in die Fraktion aufgenommen.cite-ref-381[365]
Unter national und rechtsorientierten Parteien im Europaparlament hat die AfD heute wenig VerbĂźndete. Giorgia Meloni schloss eine Zusammenarbeit ihrer Fratelli dâItalia mit der AfD aus, es existierten vor allem in der Bewertung Russlands âunĂźberbrĂźckbare Differenzenâcite-ref-382[366], auch die Basisfinnen oder die polnische PiS (oder die Schwedendemokratencite-ref-383[367]) positionieren sich anders als die AfD strikt gegen Russland. Mit der FPĂ hingegen bestehen enge Beziehungen.cite-ref-384[368] Marine Le Pen â die ein Interesse daran hat vor den franzĂśsischen Wählern als gemäĂigt zu erscheinencite-ref-22-385-0[369]cite-ref-386[370] â wandte sich gegen die in der AfD diskutierten Remigrationsideen, sie selbst habe ânie eine Remigration in dem Sinne befĂźrwortet, dass man Menschen die franzĂśsische StaatsbĂźrgerschaft entziehtâ, da sei man im âkrassen Gegensatz zur AfDâ.cite-ref-387[371] Der Parteienforscher Frank Decker urteilte, dass die AfD selbst fĂźr den âharten Kern der Rechtspopulistenâ im Europäischen Parlament zu radikal sei, sie habe sich âisoliertâ. Auch der von der AfD diskutierte Dexit traf auf wenig Verständnis in der Fraktion Identität und Demokratie, andere Parteien â wie das Rassemblement National Le Pens â hatten ähnliche Ăberlegungen fĂźr ihre Länder bereits aufgegeben.cite-ref-22-385-1[369] Dennoch bestehen weiterhin groĂe ideologische Ăberschneidungen mit der Rassemblement National in Frankreich: extrem nationalistische, fremdenfeindliche sowie autoritäre Positionen und der Kampf gegen die europäische Integration. Marine Le Pen ist jedoch aufgrund des politischen Systems fĂźr den Machterhalt stärker auf die politische Mitte angewiesen als in Deutschland.cite-ref-388[372]
Verbindungen und Nähe zur Russischen FÜderation
Vor allem Alexander Gauland setzte sich bereits vor 2015 dafĂźr ein, Verbindungen zu Russland unter Wladimir Putin zu knĂźpfen. 2014 hatte er Gespräche zwecks âstrategischer Beratungâ in der russischen Botschaft in Berlin.cite-ref-389[373] Er reiste nach St. Petersburg, um sich mit Abgeordneten und mit dem ultranationalistischen Politiker Alexander Dugin zu treffen; die Kosten der Reise wurden von der St.-Basilius-Stiftung des kremlnahen Oligarchen Konstantin Malofejew getragen. Gauland plädierte dafĂźr, die Annexion der Krim zu akzeptieren. Im Wahlkampf 2017 unterstĂźtzte die Reconquista Germanica die AfD; nach Einschätzung der Politikwissenschaftler Uwe Backes und Patrick Moreau unterscheidet die AfD von allen deutschen Parteien am wenigsten zwischen dem Land Russland und dem Regime Putins.cite-ref-390[374] Markus Frohnmaier bemĂźhte sich als Vorsitzender der Jungen Alternative um ein BĂźndnis mit der Jugendorganisation der Kreml-Partei Einiges Russland.cite-ref-391[375] In einem Strategiepapier von Putins Präsidialverwaltung wurde Frohnmaier als âein unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneterâ bezeichnet.cite-ref-392[376]
Nach Kai Arzheimer fehlen âBelege dafĂźr, dass die Partei insgesamt von Moskau gesteuert wäreâ. Es gebe âsehr wohl aber eine auffallend groĂe Zahl von Parteifunktionären, die enge und zum Teil sehr fragwĂźrdige Kontakte nach Russland unterhaltenâ.cite-ref-393[377]
2018 erklärten AfD-Politiker die russischen Präsidentschaftswahlen fĂźr âtransparentâ.cite-ref-394[378] 2020 besuchte Tino Chrupalla Russland und wurde â ungewĂśhnlich â fĂźr beinahe drei Stunden vom AuĂenminister Lawrow empfangen. Die russische Seite hatte um das Treffen gebeten. Inhaltlich war man sich bei der Ablehnung von Sanktionen einig. Lawrow lobte die AfD als bedeutende Kraft.cite-ref-395[379]cite-ref-396[380]cite-ref-397[381] Am 21. April 2023 enthĂźllte die Washington Post Dokumente, die zwischen Juli und November 2022 entwickelte russische Pläne offenlegten, eine Zusammenarbeit zwischen der AfD, Sahra Wagenknecht und linksextremen Kräften zu initiieren, um deutschlandweite Proteste gegen die Bundesregierung und deren UnterstĂźtzung der Ukraine hervorzurufen und kommende Wahlen in Deutschland zu beeinflussen.cite-ref-398[382]
Russischsprachige Wähler machten 2017 etwa 3 % der Wählerschaft und damit die stärkste Wählergruppe mit Migrationshintergrund aus. Die AfD war die einzige Partei, die sich in russischer Sprache an sie wandte und Abgeordnete aus der ehemaligen Sowjetunion in den Bundestag schickte. Russische Staatsmedien berichteten positiv ßber die AfD, umgekehrt traten AfD-Politiker in russischen Medien auf und adressierten die Russlanddeutschen. Belohnt wurde das mit ßberdurchschnittlichen Wahlergebnissen, obgleich die Erfolge bei weitem nicht so groà waren, dass die Gruppe der Russlanddeutschen mit der AfD hätte identifiziert werden kÜnnen. Insbesondere Russischsprachige mit doppelter Staatsbßrgerschaft wählten verstärkt die AfD,cite-ref-399[383] ebenso Russischsprachige mit schlechten Deutschkenntnissen und niedrigem Ükonomischen Status.cite-ref-400[384]
2022 hielt BjĂśrn HĂścke eine Rede, in der er â im Anklang an den Sprachgebrauch des weit rechtsstehenden Staatstheoretikers Carl Schmitt â den USA die anmaĂende Rolle einer âraumfremden Machtâ zuwies, die versuche, ein âdeutsch-russisches Zusammengehenâ zu verhindern, Russland aber die einer hart reagierenden Kämpferin gegen das Ausgreifen eines âRegenbogenimperiumsâ, die (gemeinsam mit OrbĂĄn und anderen) âgegen die ungebremste Einwanderung, gegen die Transformation ihrer VĂślker in eine gesichtslose Masse von perfekt durchmaterialisierten Konsumfaschistenâ auftrete. Deutschland und Russland seien ânatĂźrliche Partnerâ, die russische âSeeleâ fĂźr die Deutschen Sehnsuchtsort nach âWärmeâ (und Russland Rohstofflieferant), die Deutschen seien umgekehrt fĂźr die Russen diejenigen die âkomponieren, denken und bauenâ. Russland habe das Recht, gegen ein Vordringen von USA und NATO vorzugehen.cite-ref-401[385] Ende 2024 und mit Hinblick auf den kommenden Bundestagswahlkampf sprach er sich fĂźr ein Europa aus, âdessen Wirbelsäule von Paris Ăźber Berlin nach Moskau verläuftâcite-ref-402[386]. Ende 2025 lobte er die russische StaatsfĂźhrung, es sei deutlich âdass dort Staatsmänner am Werke sind, die fĂźr ihr Land das Beste rausholen wollen, was ich in Deutschland allerdings nicht erkennen kannâ. HĂścke hatte zuvor erfolgreich die Ablehnung einer Aktivierung der Wehrpflicht in der Partei entgegen dem Parteiprogramm durchgesetzt, indem er die ostdeutschen Abgeordneten der AfD und die ostdeutschen Landesverbände mobilisierte.cite-ref-403[387]
Auch vor der Bundestagswahl 2025 äuĂerte der Kreml UnterstĂźtzung fĂźr die AfD. Lawrow lobte die ĂuĂerungen von AfD (und BSW), darin liege âviel VernĂźnftigesâ. Die AfD und der franzĂśsische Rassemblement National âwollen, dass die nationale Selbstbestimmung und Identität der Deutschen und Franzosen wiederhergestellt werden, weil sie glauben, dass die BrĂźsseler BĂźrokratie einen GroĂteil davon widerrechtlich an sich gerissen hatâ. Es sei positiv, dass AfD-Vertreter im russischen Fernsehen aufträten und dort aussagten, dass âAngelsachsenâ immer schon ein deutsch-russisches BĂźndnis verhindern wollten.cite-ref-404[388]
Trollarmeen mit russischem Hintergrund unterstĂźtzen die AfD mit Social-Media-Kampagnen.cite-ref-405[389]cite-ref-406[390]cite-ref-407[391] Auch das deutsche Programm von Russia Today (RT) wies 2021 seine Mitarbeiter intern explizit an, durch gĂźnstige Berichterstattung (wie regelmäĂige Interviews von AfD-Politikern oder AfD-Wählern) die Partei zu unterstĂźtzen.cite-ref-408[392]
ThĂźringens Innenminister Georg Maier (SPD) warnte im Oktober 2025 vor der MĂśglichkeit, dass die AfD mit Kleinen Anfragencite-ref-409[393] im Parlament Deutschland fĂźr Wladimir Putin ausspähen kĂśnnte: âSchon seit geraumer Zeit beobachten wir mit zunehmender Sorge, dass die AfD das parlamentarische Fragerecht dazu missbraucht, gezielt unsere kritische Infrastruktur auszuforschenâ. Auch auf Bundesebene gebe es zahlreiche parlamentarische Anfragen dieser Art.cite-ref-410[394] âEs drängt sich geradezu der Eindruck auf, dass die AfD mit ihren Anfragen eine Auftragsliste des Kremls abarbeitet.â Auch Politiker von CDU und GrĂźnen warnten vor russischer Spionage seitens der AfD. Nach Angaben des Ministers wurden allein von der Landtagsfraktion der AfD ThĂźringen in den vergangenen zwĂślf Monaten 47 entsprechende Anfragen gestellt. Betroffen seien etwa die Verkehrsinfrastruktur, Wasserversorgung, digitale Infrastruktur, Energieversorgung und insbesondere polizeiliche IT und AusrĂźstung, etwa im Bereich der Drohnendetektion und -abwehr. Auch die Ausstattung im BevĂślkerungsschutz, Gesundheitswesen und Aktivitäten der Bundeswehr seien Gegenstand von zahlreichen Anfragen.cite-ref-25-411-0[395] Maier verwies exemplarisch auf eine Anfrage von Ringo MĂźhlmann, die nach militärischen Transporten und ihren Modalitäten seit 2022 fragte, darunter âHaltepunkteâ und Sicherungsabsprachen von Bundeswehr und PolizeibehĂśrden.cite-ref-412[396] Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischem Kontrollgremium im Bundestag, lieĂ sich mit der Aussage zitieren, Russland mache âseinen offenkundigen Einfluss im Parlament, insbesondere in die AfD, natĂźrlich geltend, um zu spionieren und sensible Informationen abzugreifen.âcite-ref-25-411-1[395] AfD-Politiker zeigten sich empĂśrt und bestritten die Berechtigung des Verdachts. Bernd Baumann sprach von âirrwitzigen Verdächtigungenâ, es gehe der AfD angeblich darum, durch die Anfragen Missstände in der Infrastruktur zu identifizieren. Konkret auf diese Kleinen Anfragen bezogene, die Sach- bzw. Rechtslage gestaltende Folgeanträge haben die AfD-Fraktionen weder in den Landesparlamenten noch im Bundestag gestellt. BjĂśrn HĂścke kĂźndigte rechtliche Schritte an, denkbar sei eine Anzeige gegen Georg Maier wegen Verleumdung. Er forderte den Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) auf, âdiesen politischen Irrläuferâ zu entlassen.cite-ref-413[397]
Markus Frohnmaier, der auĂenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, gab Ende 2025 an, dass von Russland fĂźr Deutschland keine Gefahr ausgehe.cite-ref-414[398]
Verbindung zur MAGA-Bewegung
Die AfD sucht Verbindungen zur MAGA-Bewegung Donald Trumps, eine Gruppe von AfD-Mitgliedern besuchte während der US-Präsidentschaftswahl das Anwesen Donald Trumps Mar-a-Lago in Florida. Elon Musk trat virtuell auf einer AfD-Veranstaltung auf, interviewte Ăśffentlichkeitswirksam Alice Weidel und schrieb als Gastautor einen die AfD unterstĂźtzenden Beitrag fĂźr die WELT. Er erklärte, dass alleine die AfD Deutschland noch retten kĂśnne.cite-ref-415[399]cite-ref-416[400] US-Vizepräsident JD Vance rief die Parteien in Deutschland auf, auf âBrandmauernâ zu verzichten, Alice Weidel begrĂźĂte seine Wortmeldung.cite-ref-417[401]
Parteistruktur
Die Organisationsstruktur der Alternative fßr Deutschland ist gegliedert in Bundesverband, Landesverbände und Unterverbände. Organe der Bundespartei sind der Bundesparteitag, der Konvent, der Bundesvorstand und die Europawahlversammlung.cite-ref-bundessatzung-418-0[402]
Bundesparteitag
Der Bundesparteitag ist das oberste Organ der Partei. Er tritt mindestens einmal jedes Jahr zusammen und findet regulär als Vertreterversammlung (Delegiertenparteitag) statt. AuĂerdem muss er einberufen werden, wenn es der Bundesvorstand oder der Konvent mehrheitlich beschlieĂt oder mindestens sechs Landesverbände beantragen. Der Parteitag setzt sich aus 600 von den Landesverbänden entsandten Delegierten und Mitgliedern des Bundesvorstands, die nicht gewählte Delegierte sind, zusammen. Letztere haben Antrags- und Rederecht, jedoch kein Stimmrecht. Die Sitze werden den Landesverbänden nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren zugeteilt. Die Delegierten fĂźr den Bundesparteitag werden fĂźr hĂśchstens zwei Jahre durch Mitglieder- oder Delegiertenversammlungen in den Landesverbänden gewählt.cite-ref-bundessatzung-418-1[402]
Der Bundesparteitag bestimmt Ăźber alle grundsätzlichen organisatorischen Fragen der AfD. Er verabschiedet das Parteiprogramm und beschlieĂt Ăźber die Bundessatzung und alle anderen fĂźr die Bundespartei geltenden Ordnungen. Alle zwei Jahre wählt der Parteitag den Bundesvorstand. Zudem wählt er das Bundesschiedsgericht und die RechnungsprĂźfer. AuĂerdem kann der Parteitag dem Bundesvorstand und dem Konvent Weisungen erteilen und Anträge zur Entscheidung an den Konvent Ăźberweisen. Der Bundesparteitag kann als einziges Organ die AfD auflĂśsen oder den Zusammenschluss mit anderen Parteien beschlieĂen.cite-ref-bundessatzung-418-2[402]
Nach den Bestimmungen des Parteitages wird ebenfalls die Europawahlversammlung durchgefĂźhrt.cite-ref-bundessatzung-418-3[402]
| Nr. | Datum | Ort | Bundessprecher bzw. Spitzenkandidaten | Wahlergebnis | Thema |
|---|---|---|---|---|---|
| GrĂźndungsparteitag (1. Bundesparteitag) | 14. April 2013 | Berlin | Bernd Lucke , Frauke Petry , Konrad Adam | 96 % 81 % 80 % | GrĂźndung des Bundesverbandes; Wahl des Bundesvorstands; Verabschiedung der Bundessatzung und des Wahlprogramms zur Bundestagswahl 2013 |
| Europawahlversammlung | 25. Januar 2014 1. Februar 2014 | Aschaffenburg , Berlin | Bernd Lucke | 86 % | Wahl der Kandidatenliste zur Europawahl 2014 [ 403 ] |
| 2. Bundesparteitag | 22./23. März 2014 | Erfurt | | | Beschluss des Wahlprogramms zur Europawahl 2014; Nachwahl von Bundesvorstandsmitgliedern |
| 3. Bundesparteitag | 30. Januar â 1. Februar 2015 | Bremen | | | Beschluss einer neuen Bundessatzung |
| AuĂerordentlicher (4.) Bundesparteitag | 4./5. Juli 2015 | Essen | Frauke Petry , JĂśrg Meuthen | 60 % 62 % | Neuwahl des Bundesvorstands |
| 4. Ordentlicher (5.) Bundesparteitag | 28./29. November 2015 | Hannover | | | Ănderung der Bundessatzung |
| 5. Ordentlicher (6.) Bundesparteitag | 30. April â 1. Mai 2016 | Stuttgart | | | Beschluss des Grundsatzprogramms |
| 6. Ordentlicher (7.) Bundesparteitag | 22./23. April 2017 | KĂśln | Alexander Gauland , Alice Weidel | 68 % | Beschluss des Wahlprogramms und Wahl der Spitzenkandidaten fĂźr die Bundestagswahl 2017 |
| 8. Bundesparteitag | 2./3. Dezember 2017 | Hannover | JĂśrg Meuthen , Alexander Gauland | 72 % 68 % | Neuwahl des Bundesvorstandes |
| 9. Bundesparteitag | 30. Juni â 1. Juli 2018 | Augsburg | | | Wahl des Bundesschiedsgerichts; Beschluss einer parteinahen Stiftung |
| Europawahlversammlung | 16.â19. November 2018 11.â14. Januar 2019 | Magdeburg , Riesa | JĂśrg Meuthen | 91 % | Wahl der Kandidatenliste und Beschluss des Wahlprogramms zur Europawahl 2019 |
| 10. Bundesparteitag | 30. November â 1. Dezember 2019 | Braunschweig | JĂśrg Meuthen , Tino Chrupalla | 69 % 55 % | Neuwahl des Bundesvorstandes |
| 11. Bundesparteitag | 28./29. November 2020 | Kalkar | | | Beschluss eines Sozial- und Rentenkonzeptes; Nachwahl von Bundesvorstandsmitgliedern |
| 12. Bundesparteitag | 10./11. April 2021 | Dresden | | | Beschluss des Wahlprogramms fĂźr die Bundestagswahl 2021 ; Beschluss einer Corona-Resolution |
| 13. Bundesparteitag | 17.â19. Juni 2022 | Riesa | Tino Chrupalla, Alice Weidel | 53 % 67 % | Neuwahl des Bundesvorstandes |
| 14. Bundesparteitag | 28. Juli 2023 | Magdeburg | | | Beschluss zum Beitritt zur europäischen Partei Identität und Demokratie ; Wahl von Richtern des Bundesschiedsgerichtes |
| Europawahlversammlung | 29./30. Juli 2023 4.â6. August 2023 | Magdeburg | Maximilian Krah | 65,7 % [ 404 ] | Wahl der Kandidatenliste und Beschluss des Wahlprogramms zur Europawahl 2024 [ 405 ] |
| 15. Bundesparteitag | 29./30. Juni 2024 | Essen | Tino Chrupalla, Alice Weidel | 82,7 % 79,7 % | Neuwahl des Bundesvorstands |
| 16. Bundesparteitag | 11./12. Januar 2025 | Riesa | | | |
Konvent
Der Konvent ist ebenfalls zuständig fĂźr politische und organisatorische Fragen der AfD und trifft Entscheidungen, die nicht einem anderen Organ durch Gesetz oder Satzung vorbehalten sind oder den BeschlĂźssen des Bundesparteitags entgegenstehen. Er entscheidet insbesondere Ăźber die Verteilung der Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung, den Haushaltsplan und die Finanzplanung. Zudem beschlieĂt er Ăźber die GrĂźndung von Vereinigungen, Ăźber die Geschäftsordnungen der Gremien und Ăźber die Verfahrensordnung fĂźr Mitgliederentscheide.cite-ref-bundessatzung-418-4[402]
Der Konvent besteht aus dem Bundesschatzmeister, vier weiteren Bundesvorstandsmitgliedern sowie fĂźnfzig Vertretern der Landesverbände. Die Sitze werden den Landesverbänden aufgrund ihrer Mitgliederzahl nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren zugeteilt. Dem Konvent stehen zwei gleichberechtigte Sprecher vor, wobei die Bundesvorstandsmitglieder und die Vertreter der Landesverbände jeweils einen Sprecher bestimmen. Eine Sitzung des Konvents findet auf Verlangen eines der beiden Sprecher im Benehmen mit dem jeweils anderen statt. AuĂerdem muss der Konvent einberufen werden, wenn es der Bundesvorstand oder drei Landesvorstände oder ein Viertel der Mitglieder des Konvents verlangen.cite-ref-bundessatzung-418-5[402]
Bundesvorstand
Der Bundesvorstand leitet die Bundespartei. Er fßhrt die Beschlßsse des Bundesparteitages und des Konvents durch und beruft den Bundesparteitag ein. Entsprechend der Bundessatzung besteht der Bundesvorstand aus einem oder zwei Bundessprechern, drei stellvertretenden Bundessprechern, dem Bundesschatzmeister, dem stellvertretenden Bundesschatzmeister, dem Schriftfßhrer und sechs weiteren Mitgliedern.cite-ref-bundessatzung-418-6[402] Der aktuelle Bundesvorstand wurde auf dem Bundesparteitag am 29. Juni 2024 in Essen gewählt.
| Bundessprecher: | Tino Chrupalla , Alice Weidel |
|---|---|
| Stellvertretende Bundessprecher: | Stephan Brandner , Peter Boehringer , Kay Gottschalk |
| Bundesschatzmeister: | Carsten HĂźtter |
| Stellvertretender Bundesschatzmeister: | Alexander Jungbluth |
| SchriftfĂźhrer: | Dennis Hohloch |
| Beisitzer: | Marc Jongen , Martin Reichardt , Dirk Brandes , Heiko Frank Scholz , Roman Reusch , Hannes Gnauck |
| Ehrenvorsitzender: | Alexander Gauland |
Bundesprogrammkommission und BundesfachausschĂźsse
Die Bundesprogrammkommission ist fßr die Erarbeitung von Vorschlägen fßr das Parteiprogramm, fßr Fachprogramme zu politischen Schwerpunktthemen und fßr die Wahlprogramme zu den Bundestags- und Europawahlen zuständig. Dabei wird sie von den Bundesfachausschßssen unterstßtzt, die zudem Vorschläge fßr die programmatischen Aussagen zu den jeweiligen Themen erarbeiten und darßber hinaus Landesverbände auf Anforderung bei der Erstellung von Landesprogrammen unterstßtzen. Gemäà Satzung sind die Parteimitglieder bei der Ausarbeitung der programmatischen Positionen einzubinden. Dies erfolgt durch Mitgliederbefragungen, die von der Bundesprogrammkommission beschlossen werden. Ebenfalls mßssen die Positionspapiere der Landes- und Bundesfachausschßsse von der Kommission berßcksichtigt und in die Programme eingearbeitet werden.cite-ref-bundessatzung-418-7[402]
Die Bundesprogrammkommission setzt sich aus zwei Mitgliedern des Bundesvorstands, je einem von den Landesvorständen entsandten Vertreter der Landesverbände, je einem von den Bundesfachausschßssen entsandten Vertreter und je einem Vertreter der AfD-Fraktionen im Bundestag und im Europäischen Parlament zusammen.cite-ref-bundessatzung-418-8[402] Der Bundesvorstand wählt einen Vorsitzenden; ein stellvertretender Vorsitzender und ein Schriftfßhrer werden von den Mitgliedern der Kommission gewählt.cite-ref-bpk-go-422-0[406] Derzeit fungiert Albrecht Glaser als Vorsitzender und Beatrix von Storch als stellvertretende Vorsitzende (Stand: Januar 2017).
Die Bundesfachausschßsse setzen sich neben einem Mitglied des Bundesvorstands und je einem Vertreter der AfD-Fraktionen im Bundestag und im Europäischen Parlament aus Vertretern der Landesverbände zusammen, die gemäà der Mitgliederzahl je angefangene 1000 Mitglieder einen Vertreter aus den Landesfachausschßssen entsenden kÜnnen.cite-ref-bundessatzung-418-9[402] Die Mitglieder jedes Bundesfachausschusses wählen fßr dessen Leitung einen Leiter, mindestens einen stellvertretenden Leiter, einen Schriftfßhrer und optional einen stellvertretenden Schriftfßhrer.cite-ref-bfa-go-423-0[407]
| Nr. | Bundesfachausschuss | Leiter |
|---|---|---|
| BFA 1 | AuĂen- und Sicherheitspolitik , Entwicklungspolitik und AuĂenwirtschaft | Dieter Neuendorf |
| BFA 2 | Geld- und Währungspolitik | Peter Boehringer |
| BFA 3 | Finanzen und Steuern | Joachim Keiler |
| BFA 4 | Familie und Demographie | Sebastian Maack |
| BFA 5 | Innere Sicherheit , Justiz und Datenschutz | Rainer Galla |
| BFA 6 | Bildung , Wissenschaft , Kultur und Medien | Nicole HĂśchst |
| BFA 7 | Umwelt- , Natur- und Tierschutz , Landwirtschaft und Verbraucherschutz | Ingo Hahn |
| BFA 8 | Gesundheitspolitik | Delia Klages |
| BFA 9 | Demokratie und Grundwerte, Europa | Siegfried Reichert |
| BFA 10 | Klima , Energie , Technik und Digitalisierung | Kay-Uwe Klepzig |
| BFA 11 | Wirtschafts- und Sozialpolitik | Gerrit Huy |
| BFA 12 | Zuwanderung , Asyl , StaatsangehĂśrigkeit | Maik Klaus |
| BFA 13 | Infrastruktur , Verkehr , Bauen, Wohnen und Planung | Harald Laatsch |
Bundesschiedsgericht
Fßr parteiinterne Streitigkeiten existiert ein Bundesschiedsgericht. Dieses besteht aus neun Schiedsrichtern, die auf eine Dauer von zwei Jahren vom Bundesparteitag gewählt werden. Ebenfalls werden alle zwei Jahre neun Ersatzschiedsrichter gewählt, die als Gast an Beratungen des Schiedsgerichts teilnehmen kÜnnen und beim Ausscheiden eines Schiedsrichters nachrßcken. Die Schiedsrichter wählen einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten, die die Leitung des Schiedsgerichts ausßben.cite-ref-sg-go-425-0[409] Das Bundesschiedsgericht wurde zum Beispiel bei den Auseinandersetzungen um den Landesverband Saar angerufen.cite-ref-426[410]
Landesverbände
Die AfD hat Landesverbände in allen 16 deutschen Ländern. Die Landesverbände haben gemäà Bundessatzung Satzungs-, Finanz- und Personalautonomie, jedoch darf die Landessatzung der Bundessatzung nicht widersprechen. Die Vorsitzenden der AfD-Landesverbände werden in einigen Ländern Landessprecher genannt.
Als rechtsextreme Verdachtsfälle gelten â und werden somit vom Verfassungsschutz beobachtet â die Landesverbände der AfD in Baden-WĂźrttemberg,cite-ref-427[411] Bayern,cite-ref-428[412] Berlin,cite-ref-429[413] Brandenburg,cite-ref-430[414] Bremen,cite-ref-431[415] Hamburg, Hessen,cite-ref-432[416] Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.cite-ref-433[417] Sachsen,cite-ref-tagesschau-2023-12-08-322-1[311]cite-ref-sachsen-de-2023-12-08-323-1[312] Sachsen-Anhaltcite-ref-434[418] und ThĂźringencite-ref-435[419] gelten als gesichert rechtsextrem.
| Landesverband | Landesverband | GrĂźndung | Vorsitzende bzw. Landessprecher | Mitglieder [ 420 ] Stand: Ende 2021 | Landtagswahl | Bundestagswahl 2025 | Europawahl 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | Baden-Wßrttemberg Baden-Wßrttemberg | 22. April 2013 | Emil Sänze , Markus Frohnmaier | 3915 | 0 9,7 % ( 2021 ) | 19,8 % | 14,7 % |
| | Bayern Bayern | 31. März 2013 | Stephan Protschka | 4405 | 14,6 % ( 2023 ) | 19,0 % | 12,6 % |
| | Berlin Berlin | 27. April 2013 | Kristin Brinker | 1191 | 0 9,1 % ( 2023 ) | 15,2 % | 11,6 % |
| | Brandenburg Brandenburg | 28. April 2013 | Birgit Bessin | 1398 | 29,2 % ( 2024 ) | 32,5 % | 27,5 % |
| | Bremen Bremen | 12. Mai 2013 | Sergej Minich | 0 105 | n. a. ( 2023 ) | 15,1 % | 10,2 % |
| | Hamburg Hamburg | 7. April 2013 | Dirk Nockemann | 0 403 | 0 7,5 % ( 2025 ) | 10,9 % | 0 8,0 % |
| | Hessen Hessen | 5. Mai 2013 | Robert Lambrou , Andreas Lichert | 2315 | 18,4 % ( 2023 ) | 17,8 % | 13,6 % |
| | Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern | 21. April 2013 | Leif-Erik Holm , Enrico Schult | 0 665 | 16,7 % ( 2021 ) | 35,0 % | 28,3 % |
| | Niedersachsen Niedersachsen | 1. Mai 2013 | Ansgar Schledde | 2459 | 10,9 % ( 2022 ) | 17,8 % | 13,2 % |
| | Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen | 12. April 2013 | Martin Vincentz | 5125 | 0 5,4 % ( 2022 ) | 16,8 % | 12,6 % |
| | Rheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz | 9. April 2013 | Jan Bollinger | 1785 | 0 8,3 % ( 2021 ) | 20,1 % | 14,7 % |
| | Saarland Saarland | 3. Mai 2013 | Christian Wirth | 0 447 | 0 5,7 % ( 2022 ) | 21,6 % | 15,7 % |
| | Sachsen Sachsen | 28. April 2013 | JĂśrg Urban | 2252 | 30,6 % ( 2024 ) | 37,3 % | 31,8 % |
| | Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt | 5. April 2013 | Martin Reichardt | 1379 | 20,8 % ( 2021 ) | 37,1 % | 30,5 % |
| | Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein | 27. April 2013 | Kurt Kleinschmidt | 0 831 | 0 4,4 % ( 2022 ) | 16,3 % | 12,2 % |
| | ThĂźringen ThĂźringen | 27. April 2013 | BjĂśrn HĂścke , Stefan MĂśller | 1271 | 32,8 % ( 2024 ) | 38,6 % | 30,7 % |
Untergliederungen
Neben den Landesverbänden existieren Bezirksverbände, Kreisverbände und Stadtverbände. Wenn ein Landesverband keine Bezirksverbände besitzt, gibt es dort statt Bezirksverbänden nur Kreisverbände und gegebenenfalls Stadtverbände.
Innerparteiliche Vereinigungen
Der FlĂźgel
â
Hauptartikel
:
Der FlĂźgel
Ab 2015 entstand innerhalb der Partei der vĂślkische und nationalistische Zusammenschluss âDer FlĂźgelâ.cite-ref-hdp2018-437-0[421] Der damalige Bundessprecher Alexander Gauland äuĂerte in einer Fernseh-Talkshow im Januar 2019, dass der FlĂźgel auf Parteitagen UnterstĂźtzung von bis zu 40 % der Delegierten erhalte.cite-ref-438[422] Der Verfassungsschutz rechnete der Gruppierung Anfang 2020 rund 20 Prozent aller AfD-Mitglieder zu.cite-ref-439[423]
Wichtigste Protagonisten waren BjĂśrn HĂścke und Dubravko Mandic, der auch Mitglied der Patriotischen Plattform ist.cite-ref-440[424] In der umstrittenen âErfurter Resolutionâ forderten sie, die AfD mĂźsse âeine Bewegung unseres Volkesâ gegen âGesellschaftsexperimenteâ und âWiderstandsbewegungâ gegen eine vermeintliche âAushĂśhlung der Souveränitätâ Deutschlands sein.cite-ref-441[425]
Im März 2020 stufte das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz den gesamten FlĂźgel als âgesichert rechtsextremistische Bestrebung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnungâ ein, seine Vertreter werden seither nachrichtendienstlich beobachtet.cite-ref-442[426] Ende März 2020 forderte der Bundesvorstand die Parteigruppierung dazu auf, sich bis Ende April aufzulĂśsen. In einem Brief an âdie Freunde des FlĂźgelsâ gaben BjĂśrn HĂścke und Andreas Kalbitz daraufhin bekannt, unter dem Namen des FlĂźgels stattfindende Aktivitäten bis zum 30. April 2020 einzustellen.cite-ref-443[427]
Die Einstufung des FlĂźgels als Beobachtungsfall des Verfassungsschutzes hat nach Einschätzung der Zeit die AuĂendarstellung der Einheit der AfD beeinträchtigt. Habe die Partei bis dahin nach auĂen scheinbar geschlossen agiert, brächen nun offensichtliche Richtungsstreitigkeiten auf, die nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert worden seien. Angesichts der Brutalität, mit der die Rechtsradikalen nun gegen Kollegen in der eigenen Partei vorgingen, stelle sich die Frage, wie sie erst den politischen Gegner behandeln wĂźrden, wenn sie je an die Macht kämen.cite-ref-444[428] Im Mai 2020 annullierte der Bundesvorstand der AfD die GĂźltigkeit der Parteimitgliedschaft von Andreas Kalbitz, weil dieser frĂźhere Mitgliedschaften in der Neonaziorganisation Heimattreue Deutsche Jugend und bei den Republikanerncite-ref-445[429] bei seinem Eintritt nicht angegeben haben soll. Das Landgericht Berlin entschied in einem von Kalbitz angestrengten Eilverfahren, dass dieser bis zu einer endgĂźltigen Entscheidung durch das Bundesschiedsgericht der AfD Mitglied der Partei bleiben und an Vorstandssitzungen teilnehmen darf.cite-ref-446[430] Am 25. Juli 2020 bestätigte das Bundesschiedsgericht die Annullierung der Mitgliedschaft von Kalbitz, sodass dieser kein AfD-Mitglied mehr ist.cite-ref-447[431]
Im Oktober 2020 bescheinigte der Präsident des Bundesamtes fĂźr Verfassungsschutz Thomas Haldenwang dem FlĂźgel trotz der formalen AuflĂśsung einen immer grĂśĂeren Einfluss, der zu einer zunehmenden Radikalisierung der Gesamtpartei fĂźhre. Bei parteiinternen Wahlen kämen FlĂźgel-Anhänger in SchlĂźsselpositionen und es gebe auch untereinander weiterhin Zusammenhalt und Austausch.cite-ref-448[432]
Die âPatriotische Plattformâ mit ihrem Vorsitzenden Hans-Thomas Tillschneider vertritt ebenso einen vĂślkisch-nationalistischen Kurs. Im September 2018 beantragte der Vereinsvorstand die SelbstauflĂśsung des Vereins, da das Ziel erreicht sei, auf allen Ebenen der Partei alles zu tun und zu sagen, was man wolle.cite-ref-449[433]
2024 rechnete Marcel Lewandowsky 60 % der Delegierten und zwei Drittel des Vorstands den radikal rechten Kräften zucite-ref-450[434].
Christen in der AfD
Wie in anderen Parteien auch, grĂźndeten sich verschiedene Gruppen von Christen in der AfD.cite-ref-451[435] Sie vertreten meist ähnliche Positionen wie evangelikal-konservative Gemeinschaften und sind laut Andreas Kemper dem âchristlich-fundamentalistischenâ FlĂźgel zuzuordnen. In der Bundespartei sind sie stark durch Beatrix von Storch repräsentiert.cite-ref-452[436] Der Pforzheimer Kreis vertritt laut der Tageszeitung taz christlich-fundamentalistische Positionen.cite-ref-453[437] Zusammen mit dem Arbeitskreis Christen in der Alternative fĂźr Deutschland bildet er die Vereinigung Christen in der AfD (ChrAfD), die in ihrer Grundsatzerklärung SchwangerschaftsabbrĂźche, Sterbehilfe sowie die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe ablehnt.cite-ref-454[438]
Juden in der AfD
Die Bundesvereinigung Juden in der AfD (JAfD) grĂźndete sich am 7. Oktober 2018 in Wiesbaden. Erste Vorsitzende der NeugrĂźndung wurde Vera Kosova. Ein Drittel der 24 GrĂźndungsmitglieder stammt aus Nachfolgestaaten der Sowjetunion.cite-ref-455[439]
Weitere Organisationen in der AfD
Anfang 2014 grĂźndete sich in Abgrenzung zu den insbesondere von Beatrix von Storch repräsentierten christlich-nationalen Positionen die Plattform KOLIBRI â Konservative und Liberale in der AfD.cite-ref-456[440] Daneben existierte ein Bundesarbeitskreis Homosexuelle in der AfD, der sich fĂźr die vĂśllige Gleichstellung Homosexueller einsetzen, jedoch gleichzeitig âdie traditionellen Familien nicht aus den Augen verlierenâ wollte.cite-ref-457[441]
Am 3. Oktober 2017 wurde als weitere innerparteiliche Vereinigung die Interessengemeinschaft Alternative Mitte Deutschland gegrĂźndet. Die Anhänger gelten innerhalb der AfD als gemäĂigte Liberal-Konservative. Die Alternative Mitte versteht sich als Gegengewicht zum ânationalrevolutionärenâ FlĂźgel um BjĂśrn HĂścke und Alexander Gauland.cite-ref-458[442]
Jugendorganisation
Im November 2015 wurde die Junge Alternative (JA) durch den Bundesparteitag der AfD als Jugendorganisation der AfD anerkannt.cite-ref-anerkennung-459-0[443] Ihre Positionen gelten als weitgehend deckungsgleich mit denen des rechtsextremen Flßgels der Partei.cite-ref-460[444] Anfang September 2018 wurde bekannt, dass die drei JA-Landesverbände Bremen, Niedersachsen und Baden-Wßrttemberg von den dortigen VerfassungsschutzbehÜrden beobachtet werden. Die JA lÜste den Landesverband Niedersachsen daraufhin am 4. November 2018 bei einem Bundeskongress in Barsinghausen auf.cite-ref-aufloesungjaniedersachsen-461-0[445]
Im April 2023 stufte das Bundesamt fßr Verfassungsschutz die Junge Alternative fßr Deutschland als gesichert rechtsextrem ein.cite-ref-462[446] Diese Einstufung wurde Mitte Juni desselben Jahres aufgrund eines laufenden Eilverfahrens der AfD beim Verwaltungsgericht KÜln vorläufig zurßckgenommen.cite-ref-463[447]
Im Januar 2025 beschloss der Bundesparteitag der AfD seine als Verein organisierte Jugendorganisation aufzulÜsen. Eine neue Jugendorganisation soll gegrßndet werden, diesmal als rechtlich unselbständiger Teil der Partei selbst. Mitglieder der zu grßndenden Jugendorganisation, die älter als 16 sind, mßssen anders als bisher gleichzeitig Mitglied der Partei sein, was sie der Schiedsgerichtsbarkeit und generell einer stärkeren Kontrolle der Partei unterwirft. Der JA-Vorsitzende Hannes Gnauck unterstßtzte das Vorhaben und begrßndete es mit der Gefahr eines drohenden Vereinsverbotes.cite-ref-464[448]cite-ref-465[449] Auf einem Bundeskongress lÜste sich die Junge Alternative zum 31. März 2025 dementsprechend auf.cite-ref-466[450]
Die Nachfolgeorganisation wurde am 29. November 2025 unter dem Namen Generation Deutschland gegrĂźndet.cite-ref-467[451]
Mitarbeiter
Die Wahlerfolge der AfD verhalfen zahlreichen ihrer Kandidaten zu Mandaten in Landtagen, dem Europaparlament und dem Bundestag. Wie ßblich beschäftigen diese Abgeordneten und ihre Fraktionen Mitarbeiter, die sie selbst anwerben.
Recherchen ergaben, dass unter solchen Mitarbeitern auch Personen mit rechtsextremen Hintergrund oder Vorgeschichte zu finden sind. 2018 lieĂen sich nach Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit von den 297 Mitarbeitern der AfD-Bundestagsabgeordneten 27 mit einem eindeutig ârechtsradikalen bis rechtsextremen Hintergrundâ verbinden, darunter âAnhänger der NPD und der neonazistischen, verbotenen Organisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ), Aktivisten der Identitären Bewegung und der rechtsradikalen Gruppe Ein Prozent, extrem rechte Burschenschafter und neurechte Ideologen.âcite-ref-468[452] Auch Alexander Gauland hatte einen Mitarbeiter mit neonazistischer Vergangenheit, die Gauland als âJugendsĂźndeâ charakterisiertecite-ref-469[453]cite-ref-18-470-0[454] 2024 identifizierte der Bayerische Rundfunk unter den Mitarbeitern der AfD im Bundestag âmehr als 100 Rechtsextremeâ. Diese seien âin Organisationen aktivâ, die âvon deutschen Verfassungsschutzämtern als rechtsextrem eingestuft werden. Unter ihnen befinden sich Aktivisten aus dem Umfeld der ÂŤIdentitären BewegungÂť, ideologische Vordenker aus der ÂŤNeuen RechtenÂť und mehrere Neonazis.âcite-ref-471[455] Werden Entgleisungen Ăśffentlich, kann dies fĂźr Mitarbeiter Konsequenzen haben. Der Fraktionsmitarbeiter Christian LĂźth wurde 2020, nachdem ihm Recherchen Aussagen Ăźber das âVergasenâ und âErschieĂenâ von Migranten zugeordnet hatten,cite-ref-472[456] auf Beschluss der Bundestagsfraktion einstimmig entlassen. Alexander Gauland nannte die Aussagen damals âvĂśllig inakzeptabel und in keiner Weise mit den Zielen und der Politik der AfD und der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag vereinbarâ.cite-ref-473[457] 2024 war LĂźth wieder im Bundestag tätig, diesmal als Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt.cite-ref-474[458] Vom selben Abgeordneten wurde auch berichtet, dass er Mario MĂźller beschäftigt, der u.a wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte gerichtlich verurteilt wurde. MĂźller wurde wegen seiner Vorstrafen von der Bundestagsverwaltung ein Hausausweis, der ihm erlaubt hätte, Sicherheitsschleusen ohne weitere ĂberprĂźfung zu durchqueren, verweigert.cite-ref-475[459] Mitarbeiter mit rechtsextremen Hintergrund oder entsprechender Vergangenheit werden auch von Landtagsfraktionen und Landtagsabgeordneten der AfD beschäftigt. Dies auch dann, wenn der Hintergrund der Mitarbeiter sich auf Organisationen bezieht, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD stehen.cite-ref-476[460]cite-ref-477[461]cite-ref-478[462]cite-ref-479[463] Im Europaparlament stellte Maximilian Krah 2019 einen Mitarbeiter mit rechtsextremer Vergangenheit in Frankreich ein, der zuvor fĂźr einen EU-Abgeordneten des Rassemblement National gearbeitet hatte, wegen einer karikierenden Verkleidung als orthodoxer Jude und entsprechenden AntisemitismusvorwĂźrfen aber nicht allein entlassen, sondern aus der Partei Marine LePens ausgeschlossen worden war.cite-ref-480[464]cite-ref-481[465]
Armin Pfahl-Traughber sieht die Tätigkeit solcher Mitarbeiter als Beleg fßr die Bewegung der Partei nach Rechts, unabhängig davon ob die entsprechenden Mitarbeiter bewusst angeworben worden seien oder die Partei hätten unterwandern kÜnnen.cite-ref-18-470-1[454]
Mitglieder
| | Mitglieder | FĂśrderer | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Männlich | 17.495 (84,5 %) | 1.036 (85,1 %) | 18.531 (84,5 %) |
| Weiblich | 0 3.211 (15,5 %) | 0. 181 (14,9 %) | 0 3.392 (15,5 %) |
| Summe | 20.706 | 1.217 | 21.923 |
Die Partei verzeichnete nach ihrer GrĂźndung regen Zulauf. Sieben Wochen nach der Freischaltung ihrer Webseite wurden bereits 10.000 Mitglieder registriert.cite-ref-niedermayer-2015-500-0[484] Nach Eigenangaben kamen von den 10.476 bis Ende April 2013 registrierten Mitgliedern 2.795 aus anderen Parteien: 1.008 von der CDU, 587 von der FDP, 558 von der SPD, 220 von der CSU, 143 von der Piratenpartei und 106 von BĂźndnis 90/Die GrĂźnen.cite-ref-501[485] Es gab zudem Ăbertritte von den Freien Wählern. So traten groĂe Teile des Berliner Landesverbandes einschlieĂlich des Landesvorsitzenden der neuen Partei bei. Später kamen auch einige Hamburger Parteimitglieder dazu, darunter der spätere Landesvorsitzende JĂśrn Kruse.cite-ref-niedermayer-2015-500-1[484] Bis September 2013 traten nach Schätzungen des Vorsitzenden der Partei Die Freiheit RenĂŠ Stadtkewitz etwa 500 Mitglieder seiner Partei zur AfD Ăźber.cite-ref-spiegel-anschluss-159-4[159]
Im Mai 2013 waren etwa 14 Prozent der Mitglieder Frauen; das Durchschnittsalter der AfD-Mitglieder lag bei 51 Jahren.cite-ref-502[486]
Seit Sommer 2014 berichteten Medien häufiger Ăźber Austritte von Parteimitgliedern, darunter auch ehemaligen Funktionsträgern.cite-ref-503[487] Vor allem AngehĂśrige des liberalen FlĂźgels verlieĂen wegen des Rechtsrucks die AfD.cite-ref-504[488] Auf den Austritt des ParteigrĂźnders Bernd Lucke nach dem Essener Parteitag im Juli 2015 folgte eine Austrittswelle. Nach Parteiangaben verlieĂen bis Ende August etwa 20 Prozent der AfD-Mitglieder die Partei.cite-ref-auto5-505-0[489]
Vor dem Parteitag in Hannover Ende November 2015 hatte die AfD knapp 20.000 Mitglieder, was in etwa dem Stand vor dem Auszug der Lucke-Anhänger entsprach.cite-ref-506[490] Im Mai 2016 lag die Mitgliederzahl bei 23.400.cite-ref-507[491] Bis Juli 2017 erhÜhte sich die Mitgliederzahl auf 28.000.cite-ref-508[492]
Nach Angaben der Partei waren im September 2019 insgesamt 82 Prozent der knapp 35.000 Mitglieder zuvor in keiner Partei Mitglied. 6,23 Prozent entstammten der CDU, 3,30 Prozent der SPD, 2,03 Prozent der FDP, 1,77 Prozent der Linken und 0,63 Prozent den GrĂźnen. Zahlen zu frĂźheren Mitgliedschaften bei NPD oder Republikanern gab Parteisprecher Michael Pfalzgraf nicht an.cite-ref-509[493]
Ende 2024 hatte die AfD ungefähr 49.000 Mitglieder. 24 % der Mitglieder sind Frauen. Nachdem die Mitgliederzahl zwischen 2018 und 2022 zurĂźckgegangen war, verdoppelte sie sich seit 2022 beinahe. âDie grĂśĂten Landesverbände stellen Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-WĂźrttembergâ, NRW weist dabei aber einen schwachen Organisationsgrad auf. Im Verhältnis zur GrĂśĂe der WahlbevĂślkerung haben die ostdeutschen Verbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂźringen die stärkste gesellschaftliche Verankerung.cite-ref-510[494]
Laut Satzung ist die Aufnahme von ehemaligen Mitgliedern extremistischer Organisationen grundsätzlich ausgeschlossen.cite-ref-511[495] Eine entsprechende Unvereinbarkeitslistecite-ref-512[496] orientiert sich an den Berichten der VerfassungsschutzbehÜrden.
Siehe auch: Verbindungen zur extremen Rechten
Parteizeitung
Die Parteizeitung der Alternative fĂźr Deutschland heiĂt AfD Kompakt. Die Zeitung wird vom Bundesvorstand herausgegeben und erscheint monatlich.
Parteinahe Stiftung
Am 10. Dezember 2016 wurde die Desiderius-Erasmus-Stiftung als Verein gegrĂźndet und sollte als parteinahe Stiftung fĂźr die AfD fungieren. Erster Vorsitzender wurde Konrad Adam. Der Verein wurde nach Desiderius Erasmus von Rotterdam, dem Autor von Lob der Torheit, benannt und soll laut Parteiaussage âfĂźr die pro-europäische, aber euro-kritische Haltung der Parteiâ stehen.cite-ref-stiftung-513-0[497] Bereits im April 2017 wurde Adam auf einer Mitgliedsversammlung wieder abgewählt.cite-ref-514[498]
Im Dezember 2017 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass Alexander Gauland den 2011 gegrßndeten Verein Gustav-Stresemann-Stiftung, der nach dem nationalliberalen Politiker und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann benannt ist, als parteinahe Stiftung der AfD anerkennen lassen wollte; als weiterer Anwärter wurde die Gottfried-Herder-Stiftung fßr Demokratie e. V. genannt.cite-ref-515[499]
Am 13. April 2018 sprach sich der Bundesvorstand der AfD fĂźr die Anerkennung der Desiderius-Erasmus-Stiftung aus; die endgĂźltige Entscheidung fiel beim Bundesparteitag im Juni 2018. Laut WDR und NDR wollte sich die Stiftung zu einem späteren Zeitpunkt nach Gustav Stresemann umbenennen, sofern namensrechtlich mĂśglich.cite-ref-516[500] Nach einer Klage der Enkel Stresemanns gegen die ursprĂźngliche Gustav-Stresemann-Stiftung auf Unterlassung der Namensverwendung ihres GroĂvaters ist dies jedoch nicht mehr zulässig.cite-ref-517[501]
Finanzen
Siehe auch
:
AfD-Spendenaffäre
| Herkunft | Betrag in Euro | Anteil in Prozent |
|---|---|---|
| Mitgliedsbeiträge | 4.010.294,73 | 15,26 |
| Mandatsträgerbeiträge und ähnliche regelmäĂige Beiträge | 2.011.984,41 | 0 7,66 |
| Spenden von natĂźrlichen Personen | 6.384.388,95 | 24,29 |
| Spenden von juristischen Personen | 185.709,51 | 0 0,45 |
| Einnahmen aus Unternehmenstätigkeit | 32.667,26 | 0 0,12 |
| Einnahmen aus Beteiligungen | 0,00 | 0 0,00 |
| Einnahmen aus sonstigem VermĂśgen | 10.972,05 | 0 0,04 |
| Einnahmen aus Veranstaltungen, Vertrieb von Druckschriften und VerÜffentlichungen und sonstiger mit Einnahmen verbundener Tätigkeit | 107.306,79 | 0 0,41 |
| Staatliche Mittel | 10.203.583,65 | 38,83 |
| Sonstige Einnahmen | 3.399.698, 83 | 12,94 |
| Summe | 26.279.606,18 | 100,00 0 |
| Bereich | Betrag in Euro | Anteil in Prozent |
|---|---|---|
| Personalausgaben | 3.876.067,72 | 16,29 |
| Ausgaben des laufenden Geschäftsbetriebs | 4.511.487,85 | 18,96 |
| Ausgaben fĂźr allgemeine politische Arbeit | 4.317.877,43 | 18,14 |
| Ausgaben fßr Wahlkämpfe | 7.210.915,78 | 30,30 |
| Ausgaben fĂźr die VermĂśgensverwaltung samt Zinsen | 0,00 | 0 0,00 |
| Sonstige Zinsen | 436,46 | 0 0,00 |
| Ausgaben im Rahmen einer Unternehmenstätigkeit | 14.373,57 | 0 0,06 |
| Sonstige Ausgaben | 3.866.304,43 | 0 16,25 |
| Summe | 23.797.463,24 | 100,00 0 |
2013
Da die Alternative fßr Deutschland bis zur Bundestagswahl 2013 keinen Anspruch auf staatliche Finanzierung hatte, finanzierte sie ihren Wahlkampf mehrheitlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Bis August 2013 erhielt die AfD laut Aussagen von Joachim Starbatty insgesamt 2,3 Millionen Euro von Parteimitgliedern.cite-ref-519[503] Sie erhielt zudem zwei Darlehen des Hamburger Reeders Folkard Edler in HÜhe von jeweils 500.000 Euro. Das erste Darlehen wurde fßr eine Dauer von sechs Monaten gegeben und war mit 40 Prozent der staatlichen Wahlkampfkostenerstattung besichert. Das zweite Darlehen sah eine jährliche Tilgung von 100.000 Euro vor, sofern die Partei die finanziellen Mittel dazu habe. Andernfalls wßrden ihr die restlichen Schulden nach fßnf oder acht Jahren erlassen.cite-ref-spiegel-939158-520-0[504] Laut Ansicht des Staatsrechtlers JÜrn Ipsen sei die in Aussicht gestellte Umwandlung der Darlehen in eine Spende parteirechtlich problematisch, da dadurch das Transparenzgebot der Parteienfinanzierung tangiert werde.cite-ref-taz-dez16-521-0[505] Ein Spendenaufruf am Wochenende vor der Wahl erbrachte nach Parteiangaben zusätzlich ßber 430.000 Euro.cite-ref-522[506]
Aufgrund der Wahlergebnisse der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Hessen erfßllte die AfD die Voraussetzungen fßr den Erhalt staatlicher Zuwendungen fßr das Jahr 2013. Gestßtzt auf den Wählerstimmenanteil wurde ein HÜchstsatz von etwa 1,9 Millionen Euro festgesetzt. Da die Partei erst 2013 gegrßndet worden war, konnte sie keinen Rechenschaftsbericht fßr das Jahr 2012 einreichen. Den laut Parteiengesetz notwendigen Nachweis eigener finanzieller Mittel erbrachte die Partei stattdessen durch testierte Angaben ßber die von ihr im Jahr 2013 erzielten Einnahmen. Damit hat die Partei Anspruch auf die staatlichen Zuwendungen in voller HÜhe.cite-ref-parteifinanz-523-0[507]
Die AfD erzielte im Jahr 2013 laut ihrem ersten Rechenschaftsbericht Einnahmen in HĂśhe von 7,72 Millionen Euro und Ausgaben in HĂśhe von 5,39 Millionen Euro und damit einen Ăberschuss in HĂśhe von 2,34 Millionen Euro. Sie erhielt neben staatlichen Mitteln in HĂśhe von 1,86 Millionen Euro Spenden von natĂźrlichen Personen in HĂśhe von 4,14 Millionen Euro und Spenden von juristischen Personen in HĂśhe von 170.000 Euro.cite-ref-rb2013-524-0[508]
2014
Im April 2014 gewährte der stellvertretende Parteisprecher Hans-Olaf Henkel der Partei einen Kredit ßber eine Million Euro.cite-ref-525[509]
Insgesamt rechnete die AfD fĂźr das Jahr 2014 zunächst mit Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge und Spenden in einer HĂśhe von drei Millionen Euro. Um die volle staatliche Wahlkampfkostenerstattung von fĂźnf Millionen Euro entsprechend ihrem erzielten Stimmenanteil erlangen zu kĂśnnen, benĂśtigte sie zusätzliche Eigeneinnahmen von mindestens zwei Millionen Euro. Sie entschloss sich deshalb, eine unklare Formulierung im Parteiengesetz auszunutzen, indem sie Goldbarren und -mĂźnzen kaufte und sogleich mit nur geringfĂźgigem Gewinn wieder verkaufte, um danach den gesamten Verkaufsumsatz als Einnahme geltend zu machen. Die Bundestagsverwaltung prĂźfte und stellte fest, dass tatsächlich der gesamte Umsatz des Goldverkaufs als Einnahme im Sinne des Parteiengesetzes zu werten sei und nicht nur der minimale Ertrag.cite-ref-526[510] Der Vorgang fĂźhrte zu einer Ănderung des Parteiengesetzes.cite-ref-527[511]
Die AfD erzielte im Jahr 2014 laut ihrem zweiten Rechenschaftsbericht Einnahmen in HĂśhe von 12,57 Millionen Euro und Ausgaben in HĂśhe von 10,73 Millionen Euro und damit einen Ăberschuss in HĂśhe von 1,84 Millionen Euro. Sie erhielt neben staatlichen Mitteln in HĂśhe von 5,41 Millionen Euro Spenden von natĂźrlichen Personen in HĂśhe von 2,01 Millionen Euro und Spenden von juristischen Personen in HĂśhe von etwa 50.000 Euro.cite-ref-rb2014-528-0[512]
2015
Anfang Dezember 2015 beschloss der Deutsche Bundestag eine Ănderung des Parteiengesetzes zum 1. Januar 2016, durch die â rĂźckwirkend fĂźr 2015 â bei den unternehmerischen Tätigkeiten der Parteien nur noch der Gewinn berĂźcksichtigt wird. Daraufhin verĂśffentlichte die AfD einen Spendenaufruf und nahm in gut drei Wochen 3,1 Millionen Euro durch Spenden ein. Der AfD gelang es somit, die drohende FinanzierungslĂźcke von zwei Millionen Euro zu schlieĂen.cite-ref-focus-5182993-529-0[513]
Die AfD erzielte im Jahr 2015 laut ihrem dritten Rechenschaftsbericht Einnahmen in HĂśhe von 14,79 Millionen Euro und Ausgaben in HĂśhe von 8,92 Millionen Euro und damit einen Ăberschuss in HĂśhe von 5,86 Millionen Euro. Sie erhielt neben staatlichen Mitteln in HĂśhe von 5,21 Millionen Euro Spenden von natĂźrlichen Personen in HĂśhe von 4,54 Millionen Euro und Spenden von juristischen Personen in HĂśhe von etwa 133.000 Euro.cite-ref-rb2015-530-0[514]
2016
Die AfD erzielte im Jahr 2016 laut ihrem vierten Rechenschaftsbericht Einnahmen in HĂśhe von 15,61 Millionen Euro und Ausgaben in HĂśhe von 11,1 Millionen Euro und damit einen Ăberschuss in HĂśhe von 4,51 Millionen Euro. Sie erhielt neben staatlichen Mitteln in HĂśhe von 6,13 Millionen Euro Spenden von natĂźrlichen Personen in HĂśhe von 5,8 Millionen Euro und Spenden von juristischen Personen in HĂśhe von etwa 185.000 Euro.cite-ref-531[515]
2017
2017 erhielt die AfD von 29 Privatpersonen und Unternehmen Spenden ßber mindestens je 10.000,00 Euro.cite-ref-532[516] Darunter war eine Spende ßber 50.000,00 Euro des in Bangkok ansässigen Deutschen Mortimer von Zitzewitz. Eine Person gleichen Namens war in den 1970er Jahren Geschäftsfßhrer einer Hamburger Firma, die verdächtigt wurde, fßr den Bundesnachrichtendienst Waffengeschäfte in Krisengebieten getätigt zu haben.cite-ref-533[517]
2018
Die grĂśĂte bekannte Einzelzuwendung an eine politische Partei in der Bundesrepublik Deutschland erhielt die AfD durch das Testament des Erfinders Reiner Strangfeld. Dieser setzte die Partei vor seinem Suizid am 3. Juli 2018 in BĂźckeburg als Alleinerbin ein. Zum Nachlass gehĂśrten Immobilien, Wertpapiere sowie ein Goldbestand in Form von Barren und MĂźnzen. Der Gesamtwert wurde auf mehr als sieben Millionen Euro geschätzt.
Die Erbschaft wurde im Februar 2020 durch das Nachlassgericht Üffentlich bekannt. Medienberichten zufolge gelangte ein wesentlicher Teil des Goldes später nach Liechtenstein, wo es in einem Zollfreilager eingelagert wurde.cite-ref-534[518] Ob die AfD selbst oder eine ihr nahestehende Stiftung die Kontrolle ßber die Bestände ausßbte, blieb unklar.cite-ref-24-535-0[519]
Zur Dokumentation des sachgerechten Umgangs mit dem Gold verĂśffentlichte die Partei ein Foto, das mehrere Personen in einem Tresorraum beim Zählen von Barren und MĂźnzen zeigte. AfD-RechnungsprĂźfer Eberhard Brett erklärte dazu, der Vorgang sei von sechs Beteiligten unter VideoĂźberwachung durchgefĂźhrt worden, sodass kein Verlust mĂśglich sei. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Aufnahme nicht authentisch war, da eine der abgebildeten Personen sechs Finger an einer Hand hatte. Ein Parteisprecher räumte daraufhin ein, dass es sich um eine mit kĂźnstlicher Intelligenz erzeugte âfiktive Darstellungâ handelte.cite-ref-536[520]
2020
Im November 2020 wurde die AfD von der Bundestagsverwaltung wegen Annahmen verschleierter Spenden (âStrohmannspendenâ) mit Strafrechnungen von insgesamt etwa einer halben Million Euro belegt.cite-ref-539[523] Des Weiteren wurde die AfD von der Bundestagsverwaltung im selben Monat mit einer weiteren Strafrechnung in HĂśhe von etwa 72.000 Euro wegen der Nichtangabe von Sachspenden bedacht.cite-ref-540[524]
Bundessprecher
Die Bundessprecher sind vergleichbar mit Parteivorsitzenden in anderen Parteien. Die AfD wird von einer Doppelspitze zweier Bundessprecher gefßhrt, dies war bis 2022 in der Satzung festgehalten. 2022 wurde dies auf dem Parteitag in Riesa mit Unterstßtzung BjÜrn HÜckes geändert, eine Einzelspitze ist seither mÜglich, aber nicht vorgeschrieben.cite-ref-541[525] Momentan sind Tino Chrupalla und Alice Weidel Bundessprecher. Von den sieben Bundessprechern, die die AfD insgesamt hatte und hat, haben mittlerweile vier die Partei verlassen und verweisen auf einen fßr sie nicht zu akzeptierenden Rechtskurs.cite-ref-542[526]cite-ref-543[527]cite-ref-544[528]cite-ref-545[529]
| Zeit | Sprecher | Sprecher | Sprecher |
|---|---|---|---|
| 2013â2015 | Bernd Lucke | Frauke Petry | Konrad Adam |
| 2015â2017 | JĂśrg Meuthen | Frauke Petry | â |
| 2017â2019 | JĂśrg Meuthen | Alexander Gauland | â |
| 2019â2022 | JĂśrg Meuthen | Tino Chrupalla | â |
| seit 2022 | Alice Weidel | Tino Chrupalla | â |
Geschichte
GrĂźndungsphase 2012â2013
wahlalternative-2013
Als Vorläufer der ParteigrĂźndung gelten liberale, konservative und nationale politische Vereinigungen wie der Bund freier BĂźrger, die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, das BĂźndnis BĂźrgerwille, die Wahlalternative 2013 und die Zivile Koalition. Als spiritus rector der GrĂźndung gilt Thilo Sarrazin.cite-ref-546[530] Spätere AfD-Funktionäre kamen vor allem aus der âzweiten Reiheâ von CDU und FDP.
Im September 2012 grĂźndeten Konrad Adam, Bernd Lucke, Alexander Gauland und andere den âVerein zur UnterstĂźtzung der Wahlalternative 2013â, der sich zur Bundestagswahl 2013 den Freien Wählern anschlieĂen wollte.cite-ref-547[531] Im GrĂźndungsaufruf hieĂ es, das Euro-Währungsgebiet habe sich als ungeeignet erwiesen, sĂźdeuropäische Staaten verarmten unter dem Wettbewerbsdruck des Euro und ganze Staaten stĂźnden am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Bundesregierung habe schon hunderte Milliarden Euro verpfändet und setze diese Politik auf unabsehbare Dauer fort.cite-ref-548[532] Bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 kandidierte Lucke auf einer gemeinsamen Landesliste mit den Freien Wählern,cite-ref-549[533] die 1,1 Prozent der Zweitstimmen erhielt. Nach der Wahl fĂźhrte ein Konflikt um organisatorische und inhaltliche Fragen zum Ende der Zusammenarbeit. Die Freien Wähler lehnten die RĂźckkehr zur D-Mark ab, die die Wahlalternative bundes- und europapolitisch anstrebte.cite-ref-550[534]
Am 6. Februar 2013 grĂźndete eine 18-kĂśpfige Gruppe in Oberursel (Taunus) in Räumen der Evangelischen Christuskirche die Partei. Zu den GrĂźndungsmitgliedern zählten unter anderen Konrad Adam, Axel Hahn, Michael Heendorf, Jobst Landgrebe, Bernd Lucke und Martin Renner. In den Vorstand in Abwesenheit gewählt wurden Alexander Gauland, Frauke Petry und Dagmar Metzger. In einer Abstimmung wurde âAlternative fĂźr Deutschlandâ als Name der neuen Partei bestimmt. Er bezieht sich auf die ĂuĂerung von Bundeskanzlerin Merkel, die Eurorettung sei âalternativlosâ.cite-ref-551[535] Die meisten der 18 GrĂźnder verlieĂen in den nächsten Jahren die Partei.cite-ref-552[536]
Zur ersten Ăśffentlichen Versammlung am 11. März 2013 in Oberursel kamen mehr als 1.200 Interessierte.cite-ref-553[537] Beim ersten AfD-Parteitag am 14. April 2013 in Berlin wurden Lucke mit 96 Prozent der Stimmen, Petry mit 81 Prozent und Adam mit 80 Prozent zu Parteisprechern gewählt.cite-ref-554[538] Mit Konrad Adam trat Ende 2020 der letzte dieser drei GrĂźndungssprecher wegen ihrer rechtsextremen Tendenzen aus der Partei aus.cite-ref-555[539] Durch Ăbertritte erhielt die AfD kurzzeitig einen Abgeordneten im Hessischen Landtagcite-ref-556[540] und einige Mandatsträger in kommunalen Räten.
Bei der Bundestagswahl 2013 und der gleichzeitig stattfindenden Landtagswahl in Hessen trat die AfD erstmals bei Wahlen ancite-ref-auto6-557-0[541] und erzielte mit 4,7 Prozent das stärkste Ergebnis einer neuen Partei auf Bundesebene seit 1953,cite-ref-nr-558-0[542] verfehlte aber den Einzug in beide Parlamente.
Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen 2014
Auf zwei Parteitagen in Aschaffenburg und Berlin bestimmte die AfD ihre Liste fßr die Europawahl im Mai 2014. Bernd Lucke wurde Spitzenkandidat, von den verbliebenen Listenplätzen wurden die vordersten mit Hans-Olaf Henkel, Bernd KÜlmel, Beatrix von Storch, Joachim Starbatty und Ulrike Trebesius besetzt.cite-ref-559[543]
Ein Satzungsentwurf des Bundesvorstandes, der vorsah, die eigenen Befugnisse zu erweitern und die Rechte von Landesverbänden und Mitgliedern einzuschränken,cite-ref-spiegel-12-2014-560-0[544] fĂźhrte im März vor dem Bundesparteitag 2014 in Erfurt zu Ăśffentlich geäuĂerter Kritik, unter anderen vom ehemaligen NRW-Landessprecher der Partei Alexander Dilger.cite-ref-561[545] Nach kontroverser Diskussion wurde der Entwurf von der Tagesordnung gestrichen.cite-ref-562[546] Antifaschistische und antirassistische Gruppen riefen im Europawahlkampf dazu auf, unter dem Motto âNationalismus ist keine Alternativeâ den Wahlkampfauftakt der AfD zu stĂśren.cite-ref-563[547] Auch die kapitalismuskritische Blockupy-Bewegung stĂśrte AfD-Wahlkampfveranstaltungen.cite-ref-564[548]
Nach der Europawahl zog die AfD mit einem Stimmenanteil von 7,1 Prozent erstmals in ein ßberregionales Parlament ein. Die AfD-Abgeordneten schlossen sich der Fraktion Europäische Konservative und Reformer (EKR) an.
Bei den zeitgleich mit der Europawahl stattfindenden Kommunalwahlen in zehn deutschen Ländern zogen nach eigenen Angaben 485 Mandatsträger der AfD in die Gemeindevertretungen, Kreistage, Vertretungen in den jeweiligen kreisfreien Städten sowie den Bezirkstag Pfalz ein.cite-ref-auto7-565-0[549]
Bei allen drei Landtagswahlen des Jahres 2014 zog die Partei erstmals in die Landesparlamente ein. In Sachsen erhielt die AfD 9,7 Prozent der Zweitstimmen,cite-ref-566[550] in Brandenburg und ThĂźringen waren es 12,2 Prozent bzw. 10,6 Prozent.
Seit Sommer 2014 berichteten Medien häufiger ßber Austritte von Parteimitgliedern, vor allem AngehÜrigen des liberalen Flßgels, wegen des Rechtsrucks der AfD.cite-ref-567[551]
Essener Parteitag und erste Parteispaltung 2015
Das Verhältnis zu Pegida entwickelte sich nach Felix Korsch in vier Phasen von âAnziehung und Ablehnungâcite-ref-auto2-217-1[217] und war Teil des beginnenden Richtungsstreits, der zur ersten Parteispaltung fĂźhrte. Die vĂślkisch-nationalistische âPatriotische Plattformâ unter dem damaligen sächsischen AfD-Vorstandsmitglied Hans-Thomas Tillschneider unterstĂźtzte Pegida von Anfang an, Gauland besuchte mit mehreren Fraktionskollegen im Dezember 2014 eine Pegida-Kundgebung, deren Anhänger er als ânatĂźrliche VerbĂźndeteâ der AfD bezeichnete, Frauke Petry sah inhaltliche âSchnittmengenâ und Marcus Pretzell bezeichnete die AfD als âPegida-Parteiâ.cite-ref-auto3-221-1[221] Dagegen vertraten im Bundesvorstand vor allem Lucke und Henkel eine distanzierte Haltung.
âErfurter Resolutionâ und âWeckruf 2015â
Aus der von BjĂśrn HĂścke und AndrĂŠ Poggenburg gegen den Kurs des Parteivorstands initiierten Erfurter Resolutioncite-ref-ef-568-0[552] erwuchs die vĂślkisch-nationalistische ParteistrĂśmung âDer FlĂźgelâ.cite-ref-569[553] In deren âGrĂźndungsurkundeâ,cite-ref-erf-res-570-0[554] heiĂt es, viele UnterstĂźtzer verstĂźnden die Partei als Bewegung gegen vermeintliche âGesellschaftsexperimenteâ und als âWiderstandsbewegungâ gegen eine âAushĂśhlung der Souveränität und der Identität Deutschlandsâ.cite-ref-erf-res-570-1[554] Als Autor gilt GĂśtz Kubitschek.cite-ref-571[555]
Hans-Olaf Henkel und andere verĂśffentlichten als Gegenreaktion die so genannte Deutschland-Resolution. Darin warfen sie den Initiatoren vor, die Partei spalten zu wollen.cite-ref-ef-568-1[552] Bernd Lucke veranlasste die GrĂźndung des Vereins Weckruf 2015.cite-ref-572[556] Dessen Mitglieder sahen die âExistenz und Einheitâ der AfD durch eine MachtĂźbernahme von Vertretern der âNeuen Rechtenâ gefährdet. Man wolle keine neue Partei grĂźnden, sondern den gemäĂigten FlĂźgel stärken.cite-ref-573[557] Die AfD-Vorstandsmitglieder Alexander Gauland und Frauke Petry kritisierten die GrĂźndung des Vereins als parteischädigend und satzungswidrig.cite-ref-574[558] Nach Luckes Austritt aus der AfD befĂźrworteten etwa 2.600 Vereinsmitglieder die GrĂźndung einer neuen eurokritischen Partei.cite-ref-ts-575-0[559] Henkel und Patricia Casale traten aus dem Bundesvorstand aus, und der Europaabgeordnete Marcus Pretzell wurde von gemeinsamen Delegationssitzungen ausgeschlossen.cite-ref-576[560]
Essener Parteitag und Abspaltung der ALFA
Nach einem monatelangen innerparteilichen Machtkampf wählte der Mitgliederparteitag im Juli 2015 in Essen Frauke Petry in einer Kampfabstimmung anstelle von Bernd Lucke zur ersten Parteisprecherin.cite-ref-577[561] Petry erhielt 60 Prozent, Lucke 38,1 Prozent der Stimmen.cite-ref-578[562] JÜrg Meuthen wurde zweiter Parteisprecher.cite-ref-579[563] Die AblÜsung Luckes wurde von Politikwissenschaftlern als Rechtsruck und Sieg des nationalkonservativen ßber den wirtschaftsliberalen Parteiflßgel eingestuft.cite-ref-580[564]
Nach Luckes Abwahl kam es zu einer Austrittswelle: Bis zum 10. Juli 2015 verlieĂen Ăźber 2.000 Mitglieder die Partei.cite-ref-581[565] Darunter waren die ehemaligen Bundesvorstandsmitglieder Hans-Olaf Henkel, der âeinen scharfen Rechtskursâ sowie âPĂśbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilenâ bei der AfD-Mehrheit beklagte,cite-ref-582[566] Joachim Starbatty,cite-ref-583[567] Ulrike Trebesius und Bernd KĂślmel.cite-ref-584[568] Weitere Funktionsträger verlieĂen die AfD, darunter Alexander Dilger,cite-ref-585[569] Piet Leidreiter,cite-ref-radiobremen1-586-0[570] Klaus Remkes,cite-ref-radiobremen1-586-1[570] Christian Schäfercite-ref-587[571] und Uwe Zimmermann.cite-ref-588[572]
In der Folge trat Lucke aus der Partei aus. Als GrĂźnde nannte er die Zunahme islam- und ausländerfeindlicher Ansichten in der AfD, eine âantiwestliche, dezidiert prorussische auĂen- und sicherheitspolitische Orientierungâ sowie lauter werdende Forderungen, âbezĂźglich unserer parlamentarischen Demokratie die âSystemfrageââ zu stellen.cite-ref-589[573] Lucke erklärte, er habe âzu spät erkannt, in welchem Umfang Mitglieder in die Partei dräng[t]en, die die AfD zu einer Protest- und WutbĂźrgerpartei umgestalten wollenâ.cite-ref-590[574] Kritische Kommentatoren erinnerten an Luckes bisherigen Kurs, auch um Wähler am rechten Rand zu werben, Thilo Sarrazin fĂźr die AfD zu vereinnahmen, um mit diesem âTabubruchâ Medienbeachtung und Zustimmung in der BevĂślkerung zu erhalten und mit Rechtspopulisten zusammenzuarbeiten.cite-ref-591[575]
Lucke grĂźndete am 19. Juli 2015 die Partei Allianz fĂźr Fortschritt und Aufbruch (ALFA),cite-ref-592[576] der sich viele ehemalige AfD-Mitglieder anschlossen, darunter fĂźnf Abgeordnete des EU-Parlaments, drei der Bremischen BĂźrgerschaft und einer des ThĂźringischen Landtags.cite-ref-faz-13710529-593-0[577] Insgesamt traten im Zuge der Spaltung etwa 20 Prozent der Mitglieder aus.cite-ref-bpb-211108-594-0[578]
Grundsatzprogramm, Probleme in den Ländern 2016
Im Anschluss an ein Treffen von Frauke Petry und Marcus Pretzell mit Vertretern der FPĂ Anfang 2016cite-ref-595[579] vereinbarte der bayerische AfD-Landesverband eine Kooperation mit der FPĂ unter dem Titel âBlaue Allianzâ.cite-ref-596[580]
Die AfD-Europaabgeordneten waren im Frßhjahr 2016 nach einer Entgleisung Beatrix von Storchs gezwungen, die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) zu verlassen. Von Storch trat in die Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) ein,cite-ref-auto4-370-1[354] Marcus Pretzell wechselte zur Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF).cite-ref-tagesspiegel-pretzell-372-1[356]
Siehe auch: Internationale Verbindungen
Verfahren um AuflĂśsung des Landesverbandes Saarland
Ende März 2016 beschloss der Bundesvorstand, den Landesverband Saarland aufzulĂśsen, da er VerstĂśĂe gegen die politischen Ziele und die innere Ordnung der Partei sah.cite-ref-597[581] Grund dafĂźr waren Recherchen des Stern, die eine Zusammenarbeit zwischen der AfD Saarland und NPD-Funktionären sowie von VerfassungsschutzbehĂśrden beobachteten Organisationen aus dem NPD-Umfeld belegen sollten.cite-ref-l-er-2016-598-0[582] Der Landesverband bestritt die VorwĂźrfe und rief das Bundesschiedsgericht der Partei an, das den Beschluss Mitte April zunächst aussetzte.cite-ref-599[583]cite-ref-zeit-2016-04-11-600-0[584] Der Bundesparteitag bestätigte Ende April die OrdnungsmaĂnahme mit 51,9 gegen 42 Prozent der abgegebenen Stimmen.cite-ref-601[585] Das Bundesschiedsgericht lehnte Ende Oktober 2016 den Antrag endgĂźltig ab. Eine AuflĂśsung des Landesverbandes sei unverhältnismäĂig.cite-ref-602[586] Die Bundessprecher Frauke Petry und JĂśrg Meuthen forderten den Landesverband daraufhin vergebens auf, nicht an der Landtagswahl 2017 teilzunehmen.cite-ref-603[587]
Verabschiedung des Grundsatzprogramms
Die AfD verabschiedete auf dem Mitgliederparteitag in Stuttgart Anfang Mai ein Grundsatzprogramm basierend auf einem Programmentwurf, der in mehreren Arbeitsgruppen und unter Beteiligung von etwa 1000 Mitgliedern entstanden war.cite-ref-auto-14-1[14] Im August wurde ein Beschluss des Bundesvorstands vom Mai 2016 auf Antrag der Patriotischen Plattform teilweise aufgehoben, der eine Kooperation mit Pegida abgelehnt hatte.
Spaltung der baden-wĂźrttembergischen Landtagsfraktion
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Hauptartikel
:
Auseinandersetzung um Wolfgang Gedeon
Im FrĂźhsommer 2016 fĂźhrte die Antisemitismus-Kontroverse um Aussagen des Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon zur Spaltung der baden-wĂźrttembergischen Landtagsfraktion. Gedeon hatte die Erinnerung an den Holocaust als âZivilreligion des Westensâ und Holocaustleugner als Dissidenten bezeichnet. Er bezog sich dabei positiv auf die antisemitische Hetzschrift Protokolle der Weisen von Zion. Zudem stellte er das Judentum als den inneren und den Islam als den äuĂeren Feind des christlichen Abendlandes dar. Landeschef JĂśrg Meuthen knĂźpfte sein politisches Schicksal an einen Fraktionsausschluss Gedeons und kĂźndigte an, er werde andernfalls die Landtagsfraktion verlassen.cite-ref-604[588] Gedeon bot an, seine Fraktionsmitgliedschaft bis zum Vorliegen einer gutachterlichen Beurteilung seiner ĂuĂerungen ruhen zu lassen. Nachdem sich die Fraktion nicht auf drei Gutachter hatte einigen kĂśnnen, kam es zur Abstimmung, in der die fĂźr einen Fraktionsausschluss notwendige Zweidrittelmehrheit nicht zustande kam.cite-ref-fazsoldt-605-0[589] Daraufhin verlieĂ Meuthen mit dreizehn weiteren Abgeordneten die AfD-Fraktion und grĂźndete die Fraktion âAlternative fĂźr Baden-WĂźrttembergâ.cite-ref-606[590] Nach einer Intervention Frauke Petrys erklärte Gedeon seinen freiwilligen Austritt aus der AfD-Fraktion.
Zweite Parteispaltung 2017
Konflikte um BjĂśrn HĂścke und geschichtsrevisionistische Positionen
â
Hauptartikel
:
HĂśckes Geschichtsrevisionismus
Die massiv kritisierte Rede im Ballhaus Watzke des thĂźringischen Landessprechers und Fraktionsvorsitzenden BjĂśrn HĂścke im Januar 2017 fĂźhrte nach anfänglichem ZĂśgern des AfD-Bundesvorstands zu einem Parteiausschlussverfahren.cite-ref-607[591] Der Parteivorstand sah es als erwiesen an, dass HĂścke âunter dem Namen âLandolf Ladigâ in den NPD-VerĂśffentlichungen âVolk in Bewegungâ und âEichsfeld-Stimmeâ Artikel verfasstâ habe.cite-ref-ts-landolf-ladig-204-1[204] Das Parteiausschlussverfahren scheiterte.cite-ref-sz-h-cke-ausschluss-gescheitert-207-1[207] HĂścke wurde wegen dieser Rede die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am internationalen Holocaust-Gedenktag im KZ Buchenwald verwehrt, er hat dort Hausverbot.cite-ref-faz-brandner-buchenwald-608-0[592]
Stephan Brandner, AfD-Abgeordneter und Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages, traf sich bei einem Besuch des KZ Buchenwald im August 2018 zu einem Gespräch mit dem Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora, Volkhard Knigge, um unter anderem das Verhältnis zwischen der AfD und der Gedenkstätte zu verbessern. Dabei forderte er auch ein Ende einer âAusgrenzungspolitikâ seiner Partei gegenĂźber. Knigge wiederum erwartete Antworten auf Fragen zu HĂśckes Rede, zum von AfD-Funktionären behaupteten âSchuldkultâ und weiteren geschichtsrevisionistischen Positionen in der AfD. Nach Einschätzung der Stiftung hatte sich Brandner âklar und eindeutigâ zu HĂśckes Forderung nach einer Wende in der Erinnerungskultur bekanntcite-ref-buchenwaldzdf-609-0[593] und vĂślkische und antisemitische ĂuĂerungen als kurzzeitige Entgleisungen weniger Einzelner bagatellisiert. Daher habe es zu keinem inhaltlichen Sachgespräch zur Arbeit der Stiftung kommen kĂśnnen.cite-ref-buchenwald1-610-0[594]
KĂślner Parteitag
Dem Delegiertenparteitag in KĂśln im April 2017 war eine kontrovers gefĂźhrte Diskussion um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2017 vorausgegangen. Der Bundesvorstand hatte im November 2016 vorgeschlagen, mit einer Spitzenmannschaft in den Wahlkampf zu gehen.cite-ref-611[595] Eine Mitgliederbefragung bestätigte diese Empfehlung.cite-ref-612[596] Kurz vor dem Parteitag erklärte Frauke Petry ihren Verzicht auf eine Spitzenkandidatur.cite-ref-613[597] Als Spitzenkandidaten wurden Alexander Gauland und Alice Weidel mit 67,7 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt.cite-ref-614[598] Die Delegierten lehnten es ab, sich mit einem sogenannten âZukunftsantragâ von Petry zu befassen, der die Partei auf einen ârealpolitischen Kursâ und das Ziel des Mitregierens festlegen wollte. Dies wurde allgemein als Niederlage fĂźr Petry und als weiterer Rechtsruck der Partei gewertet.cite-ref-615[599]
Zweite Parteispaltung nach der Bundestagswahl 2017
In der Woche vor der Bundestagswahl ging Petry zu den Spitzenkandidaten Gauland und Weidel auf Distanz und bekundete ihr Verständnis fĂźr Wähler, die Ăźber deren ĂuĂerungen âentsetztâ seien. Sie bezog sich dabei auf ĂuĂerungen Gaulands Ăźber Stolz auf Leistungen von Wehrmachtssoldaten und Weidels kurz zuvor bekannt gewordene E-Mail-Affäre.cite-ref-616[600] Am Tag nach der Bundestagswahl erklärte Petry, die als Direktkandidatin ein Mandat im Bundestag erhalten hatte, nicht Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion zu werden.cite-ref-617[601] Siecite-ref-618[602] und ihr Ehemann Marcus Pretzell traten aus der Partei aus. Bis zum 11. Oktober traten mindestens weitere 15 Landesfunktionäre der Partei zurĂźck.cite-ref-619[603]
Die AfD zog nach der Bundestagswahl 2017 mit 12,6 Prozent der Zweitstimmen erstmals in den Deutschen Bundestag ein.cite-ref-auto8-620-0[604]
Bereits eine Woche vor der Bundestagswahl war Die Blaue Partei von Michael Muster, einem Vertrauten Petrys, gegrßndet worden. Ihr schlossen sich im Oktober 2017 Petry, ihr Ehemann Pretzell und Mario Mieruch, ein fßr die AfD in den Bundestag gewählter Abgeordneter, an.
Flßgelkampf, Wahlen in Üstlichen Bundesländern 2019
Vor den Landtagswahlen 2019 in den drei Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thßringen begann in der Partei ein weiterer Kampf um die politische Ausrichtung.
In Schleswig-Holstein war Doris von Sayn-Wittgenstein zur Landessprecherin gewählt worden, obwohl der AfD-Bundesvorstand wegen ihrer aktiven Unterstßtzung rechtsradikaler Kreise ein Parteiausschlussverfahren betreibt. Aus dem Vorstand des Landesverbands Nordrhein-Westfalen traten neun von zwÜlf Vorstandsmitgliedern aus Protest gegen eine Dominanz der Nationalisten in der Partei zurßck, und in Bayern erstatteten mehrere AfD-Abgeordnete Anzeige gegen die dem HÜcke-Lager zugerechnete Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner.cite-ref-zeit-steffen-621-0[605]
Während sich Bundessprecher JĂśrg Meuthen im Vorfeld der Wahlen eher moderat äuĂerte, sagte Alexander Gauland in einer Rede beim Treffen des vĂślkischen âFlĂźgelsâ in ThĂźringen, um an die Macht zu kommen, kĂśnne man sich âruhig einmal auf die Lippe beiĂenâ. Damit rufe er die Rechtsradikalen in der AfD nicht etwa dazu auf, ihre Positionen zu mäĂigen, sondern nur ihre Sprache.cite-ref-622[606] Auf demselben Treffen drohte BjĂśrn HĂścke dem Bundesvorstand, dieser werde âin dieser Zusammensetzung nicht wiedergewähltâ. Dies werde in der Partei als Kampfansage an JĂśrg Meuthen verstanden, der auf dem baden-wĂźrttembergischen Parteitag gesagt hatte, dass in der AfD falsch sei, wer âgruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auslebenâ wolle.cite-ref-zeit-steffen-621-1[605] Meuthen wurde von seinem Kreisverband nicht zum Delegierten fĂźr den Bundesparteitag im November 2019 gewählt, sondern fast ausschlieĂlich Personen, die dem vĂślkischen FlĂźgel nahestehen.cite-ref-623[607]
HÜckes Auftreten beim Flßgel-Treffen wurde in einem von mehr als 100 Parteikollegen unterzeichneten Appell als unsolidarisches, parteischädigendes Verhalten kritisiert, und ihm wurde vorgeworfen, den Personenkult um ihn zu fÜrdern. Die von ihm vertretenen politischen Positionen wurden darin nicht kritisiert.cite-ref-624[608]
Nach einer Einschätzung des Spiegels ist der Flßgel in der Partei nicht marginalisiert, sondern liegt längst im AfD-Mainstream.cite-ref-625[609] Der Flßgel habe den Machtkampf in der Partei bereits gewonnen, da prominente Gegner wie beispielsweise die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel, ihren Widerstand aufgegeben und sich aus Karrieregrßnden mit ihm verbßndet hätten.cite-ref-626[610]
Den massiven Stimmenzuwachs bei den Landtagswahlen am 1. September 2019 in Sachsen und Brandenburg sieht der Rechtsextremismusforscher Matthias Quent als Hinweis auf eine beschleunigte Radikalisierung der AfD.cite-ref-627[611]
Entwicklung seit 2020
Im Herbst 2020 lieĂ die AfD-Bundestagsfraktion ihre Strategieabteilung untersuchen, wie die Partei durch Ausnutzung der COVID-19-Pandemie neue Anhänger gewinnen kĂśnnte. In dem vorgelegten Papier wurde unter anderem empfohlen, die Partei solle sich den Teilnehmern von Coronademonstrationen als politische Stimme der Unzufriedenen anbieten und so âdie TĂźr zu breiteren gesellschaftlichen Schichten Ăśffnen, die fĂźr solche Argumente bisher nicht zugänglich waren.âcite-ref-628[612] Damit wurde eine Strategie fĂśrmlich festgelegt, die zuvor bereits in den Landesverbänden praktiziert wurde, denn AfD-Politiker gehĂśrten schon längst nicht mehr nur zu den Zuschauern von Anti-Corona-Demos, sondern unterstĂźtzten deren Organisatoren, um die Pandemieschutzgesetze als angebliche Gängelung der BĂźrger zu instrumentalisieren.cite-ref-629[613]
Ab 2020 verlor die Partei bei jeder Landtagswahl und der Bundestagswahl 2021 teils drastisch an Stimmen, was als Negativtrendcite-ref-8-630-0[614] gewertet wurde und im Scheitern an der Sperrklausel bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022 seinen HĂśhepunkt fand. Als GrĂźnde wurden die innere Zerstrittenheit der AfD mit FlĂźgelkämpfen und Abspaltungen sowie die fehlende Abgrenzung zu Putin und die Ablehnung der UnterstĂźtzung der Ukraine gegen den russischen vĂślkerrechtswidrigen Ăberfall genannt;cite-ref-631[615] zudem scheiterte die AfD mit ihrem Covid-19-Kurs in Norddeutschland.cite-ref-8-630-1[614]
Im Januar 2022 erklärte der noch im Amt befindliche Bundessprecher JÜrg Meuthen seinen sofortigen Austritt aus der AfD und legte damit wie seine Vorgängerin Frauke Petry auch seinen Parteivorsitz aus dem Amt heraus nieder.cite-ref-meu-632-0[616] Er begrßndete seinen Rßckzug damit, dass er den Machtkampf mit dem formal aufgelÜsten rechtsextremen Flßgel um die Ausrichtung der Partei verloren habe. Meuthen ßbte bei seinem Austritt Kritik an der AfD. Diese habe sich sehr weit nach rechts entwickelt und stehe in weiten Teilen nicht länger auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Er sehe totalitäre Anklänge in der AfD, die insbesondere in der Coronapolitik etwas Sektenartiges entwickelt habe. Allenfalls als ostdeutsche Regionalpartei habe die Partei noch eine Zukunft.cite-ref-meu-632-1[616] Nach dem Parteiaustritt von Meuthen nahm der innerparteiliche Einfluss von BjÜrn HÜckecite-ref-12-633-0[617] und GÜtz Kubitschek weiter zu.cite-ref-634[618]
afd-leaksIm Mai 2022 berichteten Medien von 40.000 Nachrichten einer internen vertraulichen Chatgruppe, der sogenannten âQuasselgruppeâ, die NDR und WDR zugespielt worden seien. Mindestens 76 der 92 AfD-Abgeordneten hätten sich dort bis nach der Bundestagswahl 2021 regelmäĂig beteiligt. Es habe sich um zahlreiche radikale, rassistische und beleidigende ĂuĂerungen, um Umsturzrhetorik und Richtungskämpfe gehandelt.cite-ref-635[619] Die beteiligten Sender produzierten eine Fernsehdokumentation mit dem Titel AfD-Leaks: Die geheimen Chats der Bundestagsfraktion, die am 23. Mai 2022 erstmals ausgestrahlt wurde.cite-ref-636[620]cite-ref-637[621]
Der Parteitag in Riesa im Juni 2022 wurde vorzeitig beendet (56 Prozent der Delegierten waren dafĂźr, 44 Prozent dagegen), da man sich nicht Ăźber eine Europaresolution einigen konnte. Am Entwurf fĂźr eine EU-kritische Resolution unter dem Titel âEuropa neu denkenâ wurde kritisiert, dass er eine Annäherung an Russland forderte, aber keine Erwähnung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine enthielt und nur von einem âUkraine-Konfliktâ die Rede war. Zudem sprach sich der Entwurf fĂźr eine âeinvernehmliche AuflĂśsung der EUâ aus, die als âfehlgeleitetes und dysfunktionales Gebildeâ bezeichnet wurde. BjĂśrn HĂścke wie auch Alexander Gauland und Hans-Thomas Tillschneider, der von dem âGegensatz zwischen Globalisten und Nationalstaatenâ als dem âWeltkampfâ sprach, hatten fĂźr den Text geworben. Alice Weidel sagte, der Text gehe insgesamt in die richtige Richtung, sei jedoch sprachlich ânicht sonderlich gelungenâ. Zudem ging es um die Frage, ob die rechte âGewerkschaft Zentrumâ von der Unvereinbarkeitsliste gestrichen werden sollte, auf der Organisationen und Vereine aufgefĂźhrt werden, deren Mitgliedern ein Zutritt zur Partei verwehrt wird. Eingewendet wurde, eine Streichung wĂźrde dem Verfassungsschutz in die Hände spielen. HĂścke plädierte dagegen fĂźr die Streichung mit der BegrĂźndung, die Partei brauche solche Vorfeldorganisationen und der Verfassungsschutz sei bloĂ âTeil dieses Machtinstruments, das unser Deutschland abwickelnâ wolle. 60 Prozent der Delegierten stimmten schlieĂlich dafĂźr, den Verein von der Liste zu nehmen.cite-ref-638[622]cite-ref-639[623] Bei der Wahl des Bundesvorstands wurden zwei Drittel der Vorstandssitze mit Mitgliedern besetzt, die BjĂśrn HĂśckes politischen Ansichten bzw. dem offiziell aufgelĂśsten FlĂźgel nahestehen. Gegner zu HĂśckes Netzwerk gibt es spätestens seit dem Parteitag in Riesa nicht mehr im Bundesvorstand. Das Bundesschiedsgericht der AfD, das ebenfalls mit HĂścke nahestehenden Personen besetzt wurde, erhielt auf dem Parteitag ein Mitbestimmungsrecht bei Parteiausschlussverfahren.cite-ref-12-633-1[617]
Auf dem 14. Bundesparteitag im Juli 2023 beschloss der Parteitag, den Beitritt zur europäischen Partei Identität und Demokratie zu beantragen.cite-ref-640[624]
In der Folge des Treffens von Rechtsextremisten in Potsdam 2023 mit Beteiligung von vier fßhrenden AfD-Mitgliedern kam es im Januar 2024 in vielen Städten Deutschlands zu Demonstrationen gegen die AfD und gegen Rechtsextremismus, an denen mehrere 100.000 Menschen teilnahmen.cite-ref-641[625]cite-ref-642[626]
krahVor der Europawahl 2024 kam es zu mehreren Skandalen um die beiden Spitzenkandidaten der AfD, Maximilian Krah und Petr Bystron. Beispielsweise wird gegen sie wegen mutmaĂlicher Bestechlichkeit durch Russland ermittelt, gegen einen Mitarbeiter Krahs wegen Spionage fĂźr China, beide verschafften nach Recherchen von T-Online einem mutmaĂlichen russischen Spion und Lobbyisten Zugang zu EU-Parlament und Bundestag und Krah äuĂerte sich relativierend Ăźber die SS. Daraufhin verbot ihnen die AfD-FĂźhrung Wahlkampfauftritte fĂźr die Partei und Krah verlieĂ den Bundesvorstand.cite-ref-643[627]cite-ref-644[628] Zeitgleich kam es zum endgĂźltigen Bruch mit einer der fĂźhrenden rechtsnationalistischen Parteien der EU, dem franzĂśsischen Rassemblement National (RN), der sich schon an der AfD-Teilnahme an den Rechtsextremisten-Treffen gestĂśrt hatte und nun beschloss, die Zusammenarbeit mit der AfD in der Fraktion Identität und Demokratie zu beenden.cite-ref-645[629] Daraufhin wurden die AfD-Abgeordneten (gegen die Stimmen der Ăśsterreichischen FPĂ sowie der estnischen EKRE) aus der ID-Fraktion im Europäischen Parlament ausgeschlossen.cite-ref-646[630]
Im Januar 2025 sprachen sich die Delegierten des AfD-Bundesparteitags in Riesa dagegen aus, Russland fĂźr den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu verurteilen. Ein Antrag auf EinfĂźgung eines entsprechenden Passus in das Wahlprogramm wurde mit groĂer Mehrheit (69 Prozent) abgelehnt.cite-ref-647[631] Zudem wurden von Delegierten des Parteitags, auf dem Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekĂźrt wurde, blaue Pappherzen mit dem Aufdruck âAlice fĂźr Deutschlandâ hochgehalten. Dieser Slogan wurde auch von Parteitagsteilnehmern mehrfach skandiert. Er erinnert âbewusst starkâcite-ref-648[632] an die Parole âAlles fĂźr Deutschlandâ der SA, fĂźr deren Verwendung der ThĂźringer AfD-Fraktionsvorsitzende BjĂśrn HĂścke im Mai 2024 zu einer Geldstrafe von 13.000 Euro verurteilt worden war und die er nach seiner Anklage bei Veranstaltungen immer wieder angedeutet hatte. Mehrere Journalisten deuten den Umstand, dass Weidel auf dem Parteitag die nur leicht abgewandelte Parole âgerne und gezieltâ angenommen hatte, als Bekenntnis an die Rechtsextremisten ihrer Partei.cite-ref-649[633]
Wahlen und Wählerschaft
2013: Bundestagswahl, Landtagswahl Hessen
Bei der Bundestagswahl 2013 und der gleichzeitig stattfindenden Landtagswahl in Hessen trat die AfD erstmals bei Wahlen an.cite-ref-auto6-557-1[541] Mit 4,7 % erzielte sie das stärkste Ergebnis einer neuen Partei auf Bundesebene seit 1953,cite-ref-nr-558-1[542] verfehlte jedoch den Einzug in beide Parlamente. Zur Landtagswahl in Bayern war die Partei nicht angetreten, weil sie im Fall eines Misserfolgs ein Negativsignal fßr die Bundestagswahl eine Woche später befßrchtet hatte.cite-ref-650[634]
Bei der Bundestagswahl wurde die AfD nach den Ergebnissen der repräsentativen Wahlstatistik deutlich Ăśfter von Männern als von Frauen gewählt.cite-ref-651[635] Den grĂśĂten Zuspruch erfuhr die Partei in der Berufsgruppe der Arbeiter. Zudem wählten viele ehemalige Anhänger von FDP und Linke die AfD. 60 % der AfD-Wähler gaben an, nicht aus Ăberzeugung, sondern aus Enttäuschung Ăźber die anderen Parteien die AfD gewählt zu haben.cite-ref-652[636]
2014: Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen
Die AfD erhielt bei der Europawahl 2014 in Deutschland einen Stimmenanteil von 7,1 Prozentcite-ref-653[637] und zog mit sieben Abgeordnetencite-ref-654[638] in das Europäische Parlament ein; sie schloss sich der Fraktion Europäische Konservative und Reformer (EKR) an.
Bei den gleichzeitig mit der Europawahl stattfindenden Kommunalwahlen in zehn deutschen Ländern zog die AfD in verschiedene Kommunalparlamente ein. Ihr bestes landesweites Kommunalergebnis erzielte die Partei in Sachsen.cite-ref-655[639] Nach eigenen Angaben wurden bei den Kommunalwahlen 485 Mandatsträger der AfD fßr die Gemeindevertretungen, Kreistage, Vertretungen in den jeweiligen kreisfreien Städten sowie den Bezirkstag Pfalz gewählt.cite-ref-auto7-565-1[549]
Bei allen drei Landtagswahlen des Jahres 2014 zog die Partei erstmals in die Landesparlamente ein. Bei der Landtagswahl in Sachsen erhielt die AfD mit 9,7 Prozent der Zweitstimmen 14 Landtagsmandate.cite-ref-656[640] Bei den zwei Wochen später stattfindenden Landtagswahlen in Brandenburg und Thßringen erhielt die AfD 12,2 Prozent bzw. 10,6 Prozent der Stimmen.
Basierend auf einer Studie des Instituts fĂźr Demoskopie Allensbach beschrieb Renate KĂścher die AfD im Oktober 2014 als eine Partei, in der sich Wähler sammelten, denen die europäische Integration zu weit gehe und die Zuwanderung teilweise Unbehagen bereite. Die Gemeinschaftswährung und die europäische Ebene wĂźrden von AfD-Anhängern kritischer als vom BevĂślkerungsdurchschnitt gesehen. Die Anhänger sähen in der EU ein Risiko fĂźr den Wohlstand Deutschlands, empfänden sie als schwerfällig und befĂźrchteten, nationale Charakteristika gingen in ihr verloren. Dagegen spielten das Friedensthema und der gemeinsame Wirtschaftsraum eine geringere Rolle als im BevĂślkerungsdurchschnitt. FĂźr AfD-Anhänger sei zudem wichtig, dass die AfD den Konsens der Ăźbrigen Parteien durchbreche. Viele sähen in ihr eine Partei, die sich deutlich von anderen Parteien unterscheide, Positionen vertrete, die in der BevĂślkerung weit verbreitet seien, eine LĂźcke im Parteienspektrum einnehme und frischen Wind in die Politik bringe. Als Parteiziele sähen die Anhänger, die Zuwanderung zu begrenzen, härtere Asylgesetze anzustreben, den Euro abzuschaffen, die Bedeutung der europäischen Ebene zurĂźckzudrängen und die nationalen Interessen entschiedener zu vertreten. Gleichzeitig sähen sie die AfD aber auch als Anwalt fĂźr mehr BĂźrgerbeteiligung, innere Sicherheit, Reformen, soziale Gerechtigkeit und die Interessen der Wirtschaft und des Mittelstandes. Fast drei Viertel der Anhänger glaubten, die AfD habe die besten Zukunftskonzepte aller Parteien. Nur bei den Unionsparteien sei das Vertrauen der Anhänger in ihre Partei ähnlich groĂ.cite-ref-657[641]
Die im Juni 2014 verÜffentlichte achte Mitte-Studie der Universität Leipzig zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland befragte 2432 Personen, von denen 52 Personen angaben, sie wßrden bei einer anstehenden Bundestagswahl die AfD wählen. Davon vertraten 26 (50 %) gemäà Einstufungsmuster der Mitte-Studie ausländerfeindliche, 15 (29 %) chauvinistische (ßberheblich nationalistische) und 7 (13 %) antisemitische Ansichten. Sie lagen bei diesen Einzelpositionen jeweils an zweiter Stelle hinter den Anhängern rechtsextremer Parteien.cite-ref-658[642]
Nach Analysen von forsacite-ref-forsa2014-659-0[643] und dem Institut der deutschen Wirtschaftcite-ref-welt30-4-2016-660-0[644] unterschied sich 2014 die Anhängerschaft der AfD deutlich von der rechtsextremer Parteien. So stammten AfD-Anhänger zu diesem Zeitpunkt eher aus der Ober- und Mittelschicht mit relativ hohem Einkommen und relativ hoher Schulbildung.cite-ref-forsa2014-659-1[643]cite-ref-welt30-4-2016-660-1[644] Weniger als 10 % machten sich groĂe Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation.cite-ref-welt30-4-2016-660-2[644] Dennoch war Sympathisanten von AfD und Gruppierungen wie NPD oder DVU eine pessimistische allgemeine Wirtschaftserwartung gemeinsam, auĂerdem ein geringes Vertrauen in die Kompetenz der im Bundestag vertretenen Parteien sowie ein Ăźberdurchschnittlicher Anteil an Konfessionslosen und Männern. Insbesondere Angestellte und Rentner fanden Gefallen am Kurs der AfD; Selbständige, Beamte und Arbeiter in der Wählerschaft eher weniger. 55 % der AfD-Sympathisanten verorteten sich in der politischen Mitte, 28 % rechts und 17 % links.cite-ref-forsa2014-659-2[643]
2015: BĂźrgerschaftswahlen in Hamburg und Bremen
Die BĂźrgerschaftswahlen fielen in eine Phase des innerparteilichen Machtkampfs. Die AfD Ăźbersprang jeweils knapp die FĂźnfprozenthĂźrde und zog in beide Parlamente ein.
In einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD vom November 2015 sprach sich eine Mehrheit von 93 % fĂźr die âEinrichtung von Transitzonen an den Grenzen ausâ (dagegen: 5 %) und 83 % zeigten sehr groĂes bzw. groĂes Verständnis fĂźr Pegida (wenig/gar kein Verständnis: 12 %). In der Sonntagsfrage gaben 8 % an, die AfD wählen zu wollen (davon: Westdeutschland 7 %, Ostdeutschland 12 %).cite-ref-661[645] Die Zuwächse der AfD gegenĂźber der Bundestagswahl 2013 speisen sich insbesondere aus ehemaligen Wählern der Union (950.000 Wähler), der SPD (250.000 Wähler) und der Linkspartei (250.000 Wähler).cite-ref-662[646]
2016: Landtagswahlen in sechs Bundesländern
Kommunalwahlen in Hessen
Am 6. März 2016 erhielt die AfD bei den Kommunalwahlen in Hessen 11,9 Prozent der abgegebenen Stimmen.cite-ref-663[647]
Bei den Landtagswahlen 2016 wurde die AfD durch Verteilung der Gratiszeitung Extrablatt an Millionen von Haushalten unterstĂźtzt. Die Flugschrift stammte von der Schweizer Goal AG des SVP-nahen PR-Unternehmers Alexander Segert.cite-ref-nzz-goal-ag-664-0[648]
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hatte sich im April 2016 die Zusammensetzung der Wählerschaft wenig verändert im Vergleich mit 2014. Die Studie ergab, dass 33,9 Prozent der AfD-Wähler zum reichsten FĂźnftel der BevĂślkerung gehĂśren â im Gegensatz zum Ăśkonomischen Hintergrund von NPD-Wählern â und man die AfD daher als eine Partei der Besserverdienenden bezeichnen kĂśnne. Zudem stellte sich nur ein sehr schwacher Zusammenhang zwischen den Sorgen wegen Zuwanderung und dem Nettohaushaltseinkommen heraus, die Ăngste vor Zuwanderung seien demnach einkommensunabhängig.cite-ref-welt30-4-2016-660-3[644]
Baden-WĂźrttemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt
Bei den drei Landtagswahlen am 13. März trat die AfD erstmals an. Bei der Landtagswahl in Baden-Wßrttemberg erreichte sie 15,1 Prozent der Stimmen,cite-ref-665[649] bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 12,6 Prozentcite-ref-666[650] und bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 24,3 Prozent.cite-ref-667[651]cite-ref-zeit-ein-zus-tzliches-mandat-668-0[652] Sie wurde damit in Sachsen-Anhalt zur zweitstärksten Kraft nach der CDU und in den beiden anderen Ländern zur drittstärksten Fraktion. Sie gewann 15 Direktmandate in Sachsen-Anhalt und 2 Direktmandate in Baden-Wßrttemberg.cite-ref-669[653] In Sachsen-Anhalt zog die AfD mit dem bisher besten Ergebnis einer neuen Partei in ein Landesparlament ein.cite-ref-670[654]
Bei den Landtagswahlen im März 2016 gaben Ăźberdurchschnittlich viele Arbeiter und Arbeitslose der AfD ihre Stimme, in Baden-WĂźrttemberg knapp 30 Prozent, in Sachsen-Anhalt mehr als ein Drittel. Laut Robert Pausch, Mitautor einer Studie fĂźr die Otto-Brenner-Stiftung, hatten die meisten AfD-Wähler einen niedrigen bis mittleren Bildungsabschluss und gehĂśrten der âsozialdemokratischen Kernklientelâ an. Typisch fĂźr die AfD-Wähler sei eine Skepsis gegenĂźber gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen; Ăźberdurchschnittlich viele ihrer Wähler, 35 Prozent, machten sich Sorgen Ăźber ihre eigene wirtschaftliche Lage und seien unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie.cite-ref-671[655]
Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
Am 4. September erhielt die AfD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern 20,8 Prozent der abgegebenen Stimmen und wurde damit hinter der SPD zweitstärkste Kraft,cite-ref-672[656] bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 erreichte sie 14,2 Prozent.cite-ref-673[657]
In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Partei den Ergebnissen einer repräsentativen Wahlstatistik von Forschungsgruppe Wahlen nach erneut deutlich Üfter von Männern als von Frauen gewählt. Ihr bestes Ergebnis holte die AfD bei der Wahl zudem in der Gruppe der Arbeiter (27 Prozent); bei Angestellten (18 Prozent) und Beamten (17 Prozent) lagen ihre Ergebnisse hingegen unter dem Schnitt. Bei den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen sowie der ßber 60-Jährigen erzielte sie jeweils 17 Prozent, während sie bei den 30- bis 59-Jährigen 24 Prozent erzielte.cite-ref-674[658]
Laut Ergebnissen der Forschungen von Verena Hambauer und Anja Mays habe sich âdie AfD in Hinblick auf ihre Wählerschaft im Sommer 2016 [âŚ] zur Partei der âkleinen Leuteâ und der Ăngstlichen gewandeltâ. Sie ziehe âim Vergleich zur Wählerschaft der anderen Parteien unterdurchschnittliche formal Gebildete, die sich auch in der Mehrheit der Unterschicht zugehĂśrig fĂźhlenâ, an.cite-ref-675[659]
In Kontrast zu diesen einzelnen Wahlergebnissen ergab eine Regressionsanalyse der Daten des SozioĂśkonomischen Panels von 2016, dass die Ablehnung von FlĂźchtlingszuwanderung den stärksten direkten Einfluss auf die Parteiidentifikation mit der AfD hatte. Ăber die Konkurrenz um Arbeitsplätze und Sozialleistungen wirke sich darauf der soziale Status aus, der nur als indirekte, wesentlich schwächere EinflussgrĂśĂe erscheint. Der Autor Holger Lengfeld und die Autorin Clara Dilger schreiben somit der âThese der kulturellen Bedrohungâ eine hĂśhere Plausibilität als der âModernisierungsverlierertheseâ zu. Die Erklärungsansätze Populismus und Protestwahlverhalten waren in diesem Rahmen nicht untersuchbar. Zwar wurde nur ein Aspekt der in der Politikwissenschaft postulierten âKonfliktlinie zwischen Kosmopoliten und Kommunitaristenâ betrachtet. Die Autoren folgern jedoch einen grundsätzlichen Wertekonflikt zu etablierten Parteien, der sich weder durch reine Verteilungspolitik noch durch die â zu eigenem Wählerverlust fĂźhrende â Aufgabe einer liberaleren Zuwanderungspolitik lĂśsen lasse. Daraus prognostizierten sie 2018 eine permanente Etablierung der AfD im ParteiengefĂźge.cite-ref-regression-676-0[660]
Baden-WĂźrttemberg und Rheinland-Pfalz
Bei den Landtagswahlen in Baden-Wßrttemberg 2016 und in Rheinland-Pfalz 2016 wählten die AfD meistens Personen, die weder der katholischen noch der evangelischen Kirche angehÜren: Einer Studie von Infratest dimap zufolge erreichte die AfD bei dieser Wählergruppe in beiden Ländern 19 Prozent. Bei den Protestanten entsprach der Anteil der AfD-Wähler etwa dem Landesschnitt (15 Prozent in Baden-Wßrttemberg, 13 Prozent in Rheinland-Pfalz). Unterdurchschnittlich erfolgreich war die AfD bei den Katholiken (13 Prozent in Baden-Wßrttemberg, 10 Prozent in Rheinland-Pfalz).cite-ref-677[661] Eine Wählerbefragung in Freiburg ergab, dass jeder dritte Wähler mit Migrationshintergrund der AfD seine Stimme gab.cite-ref-678[662]
2017: Wahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein, NRW, zum Bundestag
Im März 2017 kam eine weitere Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zu dem Ergebnis, dass die AfD-Anhänger zur gesellschaftlichen Mitte gehĂśrten. Ihr Einkommensniveau sei leicht Ăźberdurchschnittlich. 55 Prozent hätten ein mittleres Bildungsniveau (Realschule), 25 Prozent ein hohes und 20 Prozent ein niedriges. Von einem Randgruppenphänomen kĂśnne daher ebenso wenig gesprochen werden wie von einer âPrekariatsparteiâ. Im Vergleich zur Gesamtgesellschaft seien AfD-Wähler pessimistisch, wobei Zuwanderung, Kriminalität und der soziale Zusammenhalt des Landes die grĂśĂten Sorgen auslĂśsten.cite-ref-679[663]
Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen
Vor der Landtagswahl im Saarland am 26. März 2017 wurden 500.000 Exemplare eines zehnseitigen Extrablattes verteilt, mit dem der âVerein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bĂźrgerlichen Freiheitenâ dazu aufrief, bei der Landtagswahl die AfD zu wählen.cite-ref-680[664] Die AfD erhielt bei der Landtagswahl im Saarland 6,2 Prozent der Wählerstimmen und zog mit drei Abgeordneten in den Landtag des Saarlandes ein.cite-ref-681[665]
Auch zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 am 7. Mai verteilte der âVereinâ ein Extrablatt in einer Auflage von ca. 500.000 Exemplaren.cite-ref-682[666] Dort erhielt die AfD 5,9 Prozent der Stimmen.
Der Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bßrgerlichen Freiheiten verteilte in den Wochen vor der NRW-Wahl 2,6 Millionen Exemplare der Wahlkampfzeitung Extrablatt und mietete rund 2000 Werbeflächen. Damit machte er Stimmung gegen Flßchtlinge und rief zur Wahl der AfD bei der Landtagswahl in NRW am 14. Mai 2017 auf.cite-ref-zeit-2017-05-13-683-0[667] Die AfD erhielt 7,4 % der Wählerstimmen.
Bundestagswahl
Die AfD erhielt bei der Bundestagswahl 2017 12,6 % der Zweitstimmen und 94 Sitze.cite-ref-auto8-620-1[604] AuĂerdem errang sie in Sachsen drei Direktmandatecite-ref-faz-15215116-684-0[668] und wurde dort gemessen an den Zweitstimmen mit 27 % stärkste Kraft.cite-ref-685[669] Insgesamt schnitt die AfD in den ostdeutschen Bundesländern deutlich stärker ab als im Westen, wobei sie ihre hĂśchsten Ergebnisse in den grenznahen Regionen zu Polen und Tschechien erreichte und in ländlichen Gemeinden und Kleinstädten â vielfach als Partei mit den meisten Stimmen â stärker abschnitt als in grĂśĂeren Städten. MĂźnster war der einzige von insgesamt 299 Wahlkreisen, in dem die AfD weniger als fĂźnf Prozent der Stimmen bekam.
GrĂśĂte Wählergruppe waren in Ost und West Männer mittleren Alters, wobei laut dem Leipziger Soziologieprofessor Holger Lengfeld nicht unbedingt eine individuell unzufriedenstellende wirtschaftliche Situation ausschlaggebend fĂźr die Wahlentscheidung war, sondern eher eine âkulturelle Abgehängtheitâ mit einem Ăberdruss an Veränderungen im Zuge einer globalisierten Welt.cite-ref-686[670]
Die Propagandaforscherin an der Oxford University Lisa-Maria Neudertcite-ref-687[671] ermittelte, dass die AfD 30 % des Datenaufkommens zur Bundestagswahl im Social Media während des Wahlkampfs ausmachte und damit die Ăźbrigen Parteien deutlich hinter sich lieĂ.cite-ref-688[672] Grund dafĂźr waren keine Social Bots: UnterstĂźtzer, unter denen Neudert insbesondere die Reconquista Germanica erwähnte, hätten die AfD im Internet âgrĂśĂer erscheinen lassen als sie istâ.cite-ref-689[673]
Wahlbeobachter der OSZE wiesen in ihrem Abschlussbericht auf die Besonderheit hin, dass durch den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bßrgerlichen Freiheiten mit etwa 600.000 Exemplaren der Wochenzeitung Deutschland-Kurier sowie speziell fßr die Bundestagswahl konzipierten Plakaten und Online-Anzeigen fßr die AfD geworben wurde. Die OSZE empfahl daher in ihrem Abschlussbericht, zukßnftig eine Regulierung von Wahlkampagnen durch Dritte zu erwägen, um Transparenz und Rechenschaftspflicht im Wahlprozess zu gewährleisten.cite-ref-690[674] Unter den gewählten AfD-Bundestagsabgeordneten lag der Frauenanteil bei 10,6 %, niedriger als bei allen anderen im 19. Bundestag vertretenen Parteien, was insgesamt zum niedrigsten Frauenanteil unter den Abgeordneten seit der Bundestagswahl 1998 fßhrte.cite-ref-691[675] Mit dem Austritt der Bundestagsabgeordneten Verena Hartmann aus der Fraktion und der Partei im Januar 2020 gehÜren der Fraktion noch neun Frauen an.cite-ref-692[676] Mit ihr verlor die Fraktion das fßnfte Mitglied seit der Wahl 2017, sie schrumpfte auf 89 Abgeordnete.cite-ref-693[677]
Bei der Bundestagswahl 2017 wurde laut einer Wahlanalyse der Forschungsgruppe Wahlen die AfD erneut deutlich häufiger von Männern (16 %) als von Frauen (9 %) gewählt. Ihre besten Ergebnisse erzielte die AfD mit 16 % in der Altersgruppe 30 bis 49. Bei den Wählern ßber 60 sowie in der Altersgruppe 18 bis 29 schnitt die AfD hingegen schlechter als im Durchschnitt ab. Bei Menschen mit einem abgeschlossenen Studium kam die Partei nur auf 7 %. Die AfD wurde zudem ßberdurchschnittlich häufig von Arbeitslosen gewählt. Des Weiteren ist die AfD in Ostdeutschland deutlich erfolgreicher als in Westdeutschland.cite-ref-694[678]
Nach einer Bertelsmann-Studie kam die AfD bei der Bundestagswahl im sozial prekären Milieu auf 28 Prozent der Wählerstimmen und damit auf ihr stärkstes Ergebnis in allen Milieus.cite-ref-auto9-695-0[679] In der bßrgerlichen Mitte erhielt die Partei 20 Prozent der Stimmen, womit sie im Vergleich zur vorigen Bundestagswahl um rund 15 Prozentpunkte zulegte, während CDU und CSU dort etwa genauso viel verloren.cite-ref-696[680] Knapp zwei Drittel aller AfD-Wähler kommen aus Milieus, die eher modernisierungsskeptisch sind.cite-ref-auto9-695-1[679] Die Kategorisierung der Personen zu den Milieus in der Studie erfolgte nach einer vom Sinus-Institut entwickelten Technik anhand der sozialen Lage, Werthaltungen, Lebensstilen und Grundorientierungen.cite-ref-697[681]
Landtagswahl Niedersachsen
Bei der Landtagswahl am 15. Oktober 2017 erhielt die AfD 6,2 Prozent der Stimmen und 9 der 137 Sitze im Landtag.cite-ref-698[682] Wie eine Studie des GĂśttinger Instituts fĂźr Demokratieforschung zeigt, konnte die Partei vor allem in solchen Landesteilen Ăźberdurchschnittliche Ergebnisse erzielen, in denen ein relativ hohes MaĂ an Arbeitslosigkeit, erhĂśhte Konfessionslosigkeit sowie eine vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung herrscht.cite-ref-699[683]
2019: Europawahl, Landtagswahl in Brandenburg, Sachsen, ThĂźringen
Bei der Europawahl in Deutschland 2019 kam die AfD bundesweit auf einen Stimmenanteil von 11 Prozent.
Bei der Landtagswahl in Sachsen 2019 erhielt die AfD 27,5 Prozent der Zweitstimmen,cite-ref-700[684] in Brandenburg waren es 23,5 Prozent.cite-ref-wahlbrb-701-0[685] Damit wurde sie in beiden Länderparlamenten zur zweitstärksten Kraft.cite-ref-702[686] Dazu kommentierte der Politikwissenschaftler Aiko Wagner, dass die AfD im Osten zum Teil die Linke als âProtestparteiâ ablĂśse. Das habe damit zu tun, dass die Linke inzwischen seit vielen Jahren in verschiedenen Regionen mitregiere und somit aus Sicht vieler Menschen âTeil des Establishmentsâ sei. Bei AfD-Wählern handle es sich nicht unbedingt um Menschen, denen es schlechtgehe oder die Abstiegserfahrungen gemacht hätten, sondern die Partei spreche Menschen aus dem KleinbĂźrgertum an, âdie in ihrer Wahrnehmung etwas dafĂźr getan haben, dass es ihnen gutgehtâ, die jedoch diffuse Zukunftsängste hätten, wonach alles ganz schlimm werde, wenn es so weitergehe wie bisher. In manchen Gegenden, wie etwa im SĂźdosten Brandenburgs, profitiere die Partei von ârechten Netzwerkenâ sowie einer Symbiose mit Pegida und neurechten Bewegungen. Es sei âkein Zufallâ, dass die AfD da stark sei, wo frĂźher die NPD stark gewesen sei.cite-ref-703[687]
Eine Studie der Universitäten Bielefeld und MĂźnster, verĂśffentlicht im Oktober 2019 im Fachmagazin Frontiers in Psychology, ergab, dass die AfD bei der Bundestagswahl 2017 dort erfolgreich war, wo im Vorjahr viele Menschen ohne Arbeit waren. Im Wahljahr wurden auch in Regionen, in denen die AfD Erfolg hatte, mehr Hasstaten, also Angriffe auf GeflĂźchtete und FlĂźchtlingsunterkĂźnfte, registriert. Was den Ausländeranteil angeht, gibt es laut der Studie groĂe regionale Unterschiede: In Gesamtdeutschland gebe es bei hĂśherem Ausländeranteil weniger Hasstaten, im Osten sei es umgekehrt. Ăhnliche Unterschiede ergaben sich fĂźr die Beziehung zwischen dem Ausländeranteil und dem Erfolg der AfD: Im Osten sei die Partei bei hohem Ausländeranteil in der betreffenden Region weniger erfolgreich gewesen, im Westen sei in einigen Regionen das Gegenteil festzustellen gewesen.cite-ref-704[688]
Bei der Landtagswahl in ThĂźringen 2019 erreichte die AfD 23,4 Prozent der Zweitstimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64,9 Prozent und stellt damit die zweitgrĂśĂte Fraktion im ThĂźringer Landtag.cite-ref-705[689]
Laut einer 2019 verĂśffentlichten Untersuchung des Ăkonomencite-ref-706[690] Davide Cantoni zufolge gibt es bei AfD-Wahlergebnissen eine starke Korrelation zwischen den Wahlergebnissen in den Orten, in denen verstärkt die NSDAP gewählt wurde, und Orten, in denen heutzutage die AfD bei Wahlen erfolgreich gewesen ist.cite-ref-707[691] FĂźr die Studie wurden die NSDAP-Stimmenanteile bei den Wahlen 1928, 1930 und 1933 herangezogen. Einen direkten inhaltlichen Vergleich zwischen AfD und NSDAP lehnte Cantoni ab, betonte aber, dass beide Parteien offensichtlich Menschen âmit relativ schnellen und national gefärbten LĂśsungen fĂźr Probleme und Krisen der Zeit, mit ihrem Insider-Outsider-Denkenâ ansprechen.cite-ref-708[692]
2020: BĂźrgerschaftswahl in Hamburg
Bei der BĂźrgerschaftswahl in Hamburg 2020 kam die AfD auf 5,3 Prozent der Stimmen, was sieben Sitzen in der BĂźrgerschaft entspricht.
Eine Studie von Forschern aus MĂźnchen, Bielefeld und Jena ergab eine auffällige Korrelation zwischen Stimmanteilen der AfD bei der Bundestagswahl 2017 und Corona-Infektionsraten des Jahres 2020. Demnach seien in Regionen mit hohen Stimmanteilen fĂźr die AfD in der Bundestagswahl 2017 âstärkere Infektionsanstiege als in Kreisen mit verhältnismäĂig niedrigen AfD-Zweistimmenanteilenâ zu verzeichnen gewesen. Ăhnliche Korrelationen bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien lieĂen sich demnach nicht finden. Es wurden 401 deutsche Kreise und kreisfreie Städte untersucht; die Studie habe laut MDR damit GĂźltigkeit fĂźr die gesamte Bundesrepublik.cite-ref-709[693]
2021: Bundestagswahl
Im Vorfeld zur Bundestagswahl 2021 verĂśffentlichte die Bertelsmann Stiftung im Februar 2021 die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von YouGov vom Juni 2020. An der Befragung nahmen 10.055 Menschen teil. Demnach haben 29 Prozent der AfD-Wähler eine âmanifeste rechtsextremeâ Einstellung und weitere 27 Prozent vertreten eine âlatente rechtsextremeâ Einstellung. 15 Prozent der Befragten befĂźrworten eine rechtsgerichtete Diktatur, 13 Prozent verharmlosen den Nationalsozialismus, 13 Prozent vertreten Antisemitismus, 54 Prozent Chauvinismus, 65 Prozent Fremdenfeindlichkeit und 8 Prozent Sozialdarwinismus. Im Vergleich zu Wählern anderer Parteien und aller Wahlberechtigten liegt der Anteil derartiger Einstellungen zum Teil deutlich hĂśher.cite-ref-710[694] Der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund liegt bei 7,2 % (2017: 8,7 Prozent) und liegt damit Ăźber dem der CDU/CSU- und dem der FDP-Fraktion im Bundestag.cite-ref-711[695]
2021 befragte das Meinungsforschungsinstitut im Rahmen einer Studie Nicht-gegen-COVID-19-Geimpfte nach ihrer Parteienpräferenz. Genau 50 Prozent der 3048 teilnehmenden Ungeimpften entschieden sich fßr die AfD, was gemessen an dem AfD-Ergebnis der Bundestagswahl 2021 fßnfmal so viel Zustimmung wie in der GesamtbevÜlkerung bedeutet. Dahinter folgte mit 15 Prozent die der Querdenken-Bewegung nahestehende Kleinstpartei Die Basis.cite-ref-712[696]
FĂźr den Bundestagswahlkampf 2021 bestimmten die Parteimitglieder in einer Mitgliederbefragung die BundestagsÂfraktionsÂvorsitzende Alice Weidel und den Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla mit 71 Prozent der Stimmen zu Spitzenkandidaten. Damit setzten diese sich gegen das zweite Kandidatenpaar Joana Cotar und Joachim Wundrak durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 48 Prozent der Mitglieder.cite-ref-713[697]
2022: Wahlen im Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
Bei der Landtagswahl im Saarland erreichte die AfD 5,7 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 5,4 Prozent und bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Oktober 2022 kam die AfD auf elf Prozent. Sie zog in alle drei Landesparlamente ein.
In Schleswig-Holstein gelang mit 4,4 Prozent der Wiedereinzug in den Landtag jedoch nicht.
2024: Europawahl und Landtagswahlen in Sachsen, ThĂźringen und Brandenburg
Nach einer im April und Mai 2024 unter 1512 Wahlberechtigten durchgefĂźhrten Online-Studie des Demoskopie-Instituts Pollytix rechtfertigte mehr als jeder dritte AfD-Wähler Gewalt gegen Politiker. Etwa jeder fĂźnfte AfD-Wähler fand demnach Gewalt zur Erreichung bestimmter politischer Ziele moralisch gerechtfertigt. Zwei von fĂźnf wĂźnschten sich âeinen starken FĂźhrer, der sich nicht um Wahlen und Parlament kĂźmmernâ mĂźsse. Vier von fĂźnf Wählern der Partei stimmten der Aussage âUnser Land gleicht inzwischen mehr einer Diktatur als einer Demokratieâ zu. Lediglich zwĂślf Prozent der AfD-Wähler sagten, sie hätten Vertrauen in staatliche Institutionen, und nur 14 Prozent hielten die Demokratie fĂźr ein gut funktionierendes System. 97 Prozent der Befragten meinten, es gebe zu viele Einwanderer in der Bundesrepublik, und 83 Prozent befĂźrchteten, dass Deutschland in Kriege hineingezogen werden kĂśnne. 56 Prozent der AfD-Wähler sahen durch den Feminismus die gesellschaftliche Ordnung und Harmonie gestĂśrt und 59 Prozent sagten, der âUS-amerikanische Imperialismusâ sei âdie eigentliche Gefahr fĂźr den Weltfriedenâ. Vor den Folgen des Klimawandels hatte jedoch lediglich die Hälfte der Befragten Angst.cite-ref-714[698]cite-ref-715[699]
Bei der Europawahl im Juni 2024 erreichte die AfD 15,9 Prozent der Stimmen.
Im September 2024 wurde die AfD mit 32,8 % zum ersten Mal stärkste Partei in einer Landtagswahl bei der Landtagswahl in Thßringen 2024cite-ref-716[700] und erreichte mit 32 von 88 Sitzen eine Sperrminorität.cite-ref-717[701] Bei der am selben Tag stattgefundenen Landtagswahl in Sachsen 2024 wurde sie mit 30,6 % hinter der CDU (31,9 %) zweitstärkste Kraft. Am 22. September wurde die AfD bei der Landtagswahl in Brandenburg 2024 mit 29,2 % zweitstärkste Partei hinter der SPD (30,9 %) und erreichte mit 30 von 88 Sitzen eine Sperrminorität.cite-ref-718[702]
2025 â Bundestagswahl
In der Bundestagswahl 2025 verdoppelte die AfD ihr Wahlergebnis von 2021 auf 20,8 % der Zweitstimmen. Sie zog mit 152 Sitzen in den Bundestag ein, davon 42 Wahlkreissitze (Mehrheit der Erststimmen in einem Wahlkreis).cite-ref-719[703]cite-ref-720[704] Die Partei wurde damit die zweitstärkste Kraft im Bundestag, hinter den Unionsparteien.cite-ref-721[705] Sie gewann fast alle Wahlkreise in Ostdeutschland, aber keinen in Westdeutschland.cite-ref-722[706] Sie fßhrte in den Altersgruppen von 25 bis 34 Jahren sowie 35 bis 44 Jahren mit 20,8 % bzw. 27,1 %.cite-ref-723[707]
Wahlergebnisse
Wahlergebnisse der AfD in Prozent (2013â2020)
25%
20%
15%
10%
5%
0%
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Wahlergebnisse der AfD in Prozent
(2021â2025)
35%
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
BW
21
RP
21
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BE
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21
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25
| Jahr | Deutschland Bundes- tag | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Landesparlamente | Europaische Union Europa- parlament |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Deutschland Bundes- tag | BW BW | BY BY | BE BE | BB BB | HB HB | HH HH | HE HE | MV MV | NI NI | NW NW | RP RP | SL SL | SN SN | ST ST | SH SH | TH TH | Europaische Union Europa- parlament |
| 2013 | 0 4,7 | | n. a. | | | | | 0 4,1 | | | | | | | | | | |
| 2014 | 0 4,7 | | n. a. | | 12,2 | | | 0 4,1 | | | | | | 0 9,7 | | | 10,6 | 0 7,1 |
| 2015 | 0 4,7 | | n. a. | | 12,2 | 0 5,5 | 0 6,1 | 0 4,1 | | | | | | 0 9,7 | | | 10,6 | 0 7,1 |
| 2016 | 0 4,7 | 15,1 | n. a. | 14,2 | 12,2 | 0 5,5 | 0 6,1 | 0 4,1 | 20,8 | | | 12,6 | | 0 9,7 | 24,3 | | 10,6 | 0 7,1 |
| 2017 | 12,6 | 15,1 | n. a. | 14,2 | 12,2 | 0 5,5 | 0 6,1 | 0 4,1 | 20,8 | 0 6,2 | 0 7,4 | 12,6 | 0 6,2 | 0 9,7 | 24,3 | 0 5,9 | 10,6 | 0 7,1 |
| 2018 | 12,6 | 15,1 | 10,2 | 14,2 | 12,2 | 0 5,5 | 0 6,1 | 13,1 | 20,8 | 0 6,2 | 0 7,4 | 12,6 | 0 6,2 | 0 9,7 | 24,3 | 0 5,9 | 10,6 | 0 7,1 |
| 2019 | 12,6 | 15,1 | 10,2 | 14,2 | 23,5 | 0 6,1 | 0 6,1 | 13,1 | 20,8 | 0 6,2 | 0 7,4 | 12,6 | 0 6,2 | 27,5 | 24,3 | 0 5,9 | 23,4 | 11,0 |
| 2020 | 12,6 | 15,1 | 10,2 | 14,2 | 23,5 | 0 6,1 | 0 5,3 | 13,1 | 20,8 | 0 6,2 | 0 7,4 | 12,6 | 0 6,2 | 27,5 | 24,3 | 0 5,9 | 23,4 | 11,0 |
| 2021 | 10,4 | 0 9,7 | 10,2 | 0 8,0 | 23,5 | 0 6,1 | 0 5,3 | 13,1 | 16,7 | 0 6,2 | 0 7,4 | 0 8,3 | 0 6,2 | 27,5 | 20,8 | 0 5,9 | 23,4 | 11,0 |
| 2022 | 10,4 | 0 9,7 | 10,2 | 0 8,0 | 23,5 | 0 6,1 | 0 5,3 | 13,1 | 16,7 | 11,0 | 0 5,4 | 0 8,3 | 0 5,7 | 27,5 | 20,8 | 0 4,4 | 23,4 | 11,0 |
| 2023 | 10,4 | 0 9,7 | 14,6 | 0 9,1 | 23,5 | n. a. | 0 5,3 | 18,4 | 16,7 | 11,0 | 0 5,4 | 0 8,3 | 0 5,7 | 27,5 | 20,8 | 0 4,4 | 23,4 | 11,0 |
| 2024 | 10,4 | 0 9,7 | 14,6 | 0 9,1 | 29,2 | n. a. | 0 5,3 | 18,4 | 16,7 | 11,0 | 0 5,4 | 0 8,3 | 0 5,7 | 30,6 | 20,8 | 0 4,4 | 32,8 | 15,9 |
| 2025 | 20,8 | 0 9,7 | 14,6 | 0 9,1 | 29,2 | n. a. | 7,5 | 18,4 | 16,7 | 11,0 | 0 5,4 | 0 8,3 | 0 5,7 | 30,6 | 20,8 | 0 4,4 | 32,8 | 15,9 |
| Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent | Legende: n. a. â nicht angetreten; kursive Schrift â bestes Wahlergebnis; blau â Einzug ins Parlament; Wahlergebnisse in Prozent |
Korrelation von BevĂślkerungsrĂźckgang und Erfolgen
Zwischen BevĂślkerungsrĂźckgang und Wahlerfolgen der AfD scheint ein deutlich feststellbarer Zusammenhang zu bestehen, zumindest in Ostdeutschland (fĂźr Westdeutschland fehlen bislang Untersuchungen). Eine Betrachtung der ostdeutschen Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und ThĂźringen des Jahres 2024 ergab, dass die AfD besonders groĂe Erfolge in Orten zu vermelden hatte, die von BevĂślkerungsrĂźckgang â langfristig und seit kĂźrzerer Zeit bestehend â besonders getroffen waren. Der Zusammenhang erscheint dabei nicht linear, sondern disproportional, BevĂślkerungsrĂźckgang Ăźbersetzt sich in besonders starker Weise in Erfolge der AfD. Die Ursachen fĂźr den Zusammenhang sind unklar. So kĂśnnten sowohl der demographische RĂźckgang (oder seine Folgen fĂźr Infrastruktur) selbst zu Erfolgen der AfD fĂźhren, wie umgekehrt Erfolge der AfD Bewohner abwandern oder potentiell neue gar nicht erst zuwandern lassen kĂśnnten. Der Effekt steht neben klassischen Erkenntnissen Ăźber das Wählerverhalten: Weiterhin sind die Erfolge der AfD dort grĂśĂer wo bereits frĂźher die extreme Rechte stark vertreten war, weiterhin sind sie geringer in katholischen Gegenden.cite-ref-724[708]
Merkmale der Wählerschaft
Während in ihrer ersten Bundestagswahl 2013 die Partei stark von Wählern mit formal hohen BildungsabschlĂźssen (gesprochen wurde von einer âProfessorenparteiâ) gewählt wurde, änderte sich das in den Folgejahren. In der Bundestagswahl 2021 wurde sie von 21 % der Arbeiter gewählt, vor ihr lag nur noch die SPD. Wähler mit niedrigem Einkommen wählen sie mit hĂśherer Wahrscheinlichkeit, ebenso wie Wähler mit formal hĂśherem Bildungsgrad es seltener tun. Ihre grĂśĂten Erfolge erzielt sie in Ostdeutschland. Seit 2023 gewinnt sie bei Jungwählern stark hinzu, was von ihrer Kompetenz in der Nutzung sozialer Medien, insbesondere TikTok, begleitet wird. Nach wie vor ist sie unter Männern erfolgreicher als unter Frauen. SozioĂśkonomische Merkmale scheinen fĂźr die Wahl jedoch nicht entscheidend zu sein, eher sind es Einstellungen gegenĂźber Migration, Ablehnung der politischen Elite und die Ăberzeugung, einer schweigenden und gleichzeitig unterdrĂźckten Mehrheit anzugehĂśren.cite-ref-725[709] Kirchengebundene BĂźrger wählen mit geringerer, konfessionslose Wähler mit hĂśherer Wahrscheinlichkeit die AfD.cite-ref-726[710]
Rezeption und Deutung
Die AfD wird von sozialwissenschaftlichen Beobachtern mittlerweile Ăźberwiegend als eine rechtspopulistischecite-ref-6-727-0[711]cite-ref-728[712] oder/und rechtsextremecite-ref-3-729-0[713]cite-ref-5-730-0[714]cite-ref-731[715] Partei eingeschätzt, bzw. als populistisch agierende und weit rechts stehende Partei, in der ârechtsradikale und rechtsextreme Kräfte um die Vorherrschaft kämpfen.âcite-ref-732[716]
Die Positionierung der Partei wandelte sich von finanzpolitisch orientierter Euroskepsis mit der FlĂźchtlingskrise 2015 deutlich hin zum Schwerpunkt der Migrationskritik und Integrationspolitik.cite-ref-733[717]
In der Anfangszeit wurden oft drei HauptstrĂśmungen innerhalb der Partei unterschieden. Sie wurden verbreitet als nationalkonservativ, rechtspopulistisch und wirtschaftsliberal bezeichnet oder mit vergleichbaren Eigenschaftsworten belegt.cite-ref-fazsoldt-605-1[589]cite-ref-p-k-734-0[718]cite-ref-boells2013-735-0[719]cite-ref-blaetter6-2015-736-0[720] Daher war die AfD häufig vor die Frage gestellt, ob sie âeine konservative, im Zweifel nationalkonservative Partei im Stile eines Alfred Dreggerâcite-ref-chemnitz-737-0[721] sein oder sich weiter radikalisieren wolle. Die Geschichte der AfD ist von entsprechenden Auseinandersetzungen (Alexander Gauland: âWir sind immer noch ein gäriger Haufenâcite-ref-738[722]) geprägt, bisher âobsiegten dabei nicht die gemäĂigteren Kräfte, sondern die radikalenâ.cite-ref-739[723] Moderate Programme werden als Kontrast zu radikalen politischen Zielen gesehen,cite-ref-boells02-2016-740-0[724] die in Rhetorik und Agitation von AfD-Politikern aufscheinen, teilweise auch als KalkĂźl zur Verschleierung dieser Ziele.cite-ref-741[725] Das erfolgreiche Beispiel Giorgia Melonis, die durch einen Kurs der MäĂigung und Annäherung an die Mitte es schaffte, eine Koalition zusammenzufĂźgen und Ministerpräsidentin Italiens zu werden, stĂśĂt innerhalb der AfD auf Ablehnung. Eine âMelonisierungâ wolle man nicht, erklärte Tino Chrupallacite-ref-742[726]. Stattdessen rĂźcke die Partei nach Wolfgang Schroeder an den rechten Rand selbst der Rechtsparteien in Europa und gehe einen âdeutschen Sonderwegâ, sie modernisiere sich organisatorisch und werde professioneller, anders als andere erfolgreiche Rechtsparteien in Europa aber âohne ideologische Deradikalisierungâ.cite-ref-743[727]
Grundsätzliche Einordnung
GrĂźndungsphase
Die AfD richtete sich zu Beginn gegen den Euro und das Management der Schulden- und Bankenkrise,cite-ref-bpb-744-0[728] nicht jedoch gegen die Europäische Union.cite-ref-sponkaiser12-2013-745-0[729]cite-ref-wiworahmann-746-0[730] Auf diese Weise habe sie andere Parteien zu einem klareren europapolitischen Kurs gezwungen.cite-ref-bpb-744-1[728]
Gemeinhin wurde die AfD als Protestpartei betrachtet, die von den Unionsparteien geräumte Positionen nutzencite-ref-decker-747-0[731] und trotz ihrer nationalliberalencite-ref-748[732] und konservativencite-ref-749[733] Ausrichtung mit dem Euro-Thema auch linksgerichtete Wähler gewinnen kĂśnne. Ăber das Gewicht ihres populistischen Auftretens herrschte Uneinigkeit. Während es teilweise als nichtcite-ref-sponkaiser12-2013-745-1[729] oder kaumcite-ref-decker-747-1[731] vorhanden betrachtet wurde, bezeichneten âweite Teile der Politikwissenschaftâ die gesamte Partei als rechtspopulistisch.cite-ref-750[734]
Eine Social-Media-Analyse durch linkfluence zeigte kaum Ăberschneidungen von AfD und NPD.cite-ref-751[735] In der Europapolitik wurde ihr eine groĂe Differenz zu Front National, PVV und FPĂ attestiert.cite-ref-sponkaiser12-2013-745-2[729]cite-ref-wiworahmann-746-1[730] Eine Zusammenarbeit von UKIP und AfD schien dagegen denkbar, fasste es der britische Politikwissenschaftler Nicholas Startin zusammen: âBeide wollen die Zuwanderung um qualitative Kriterien erweitern, beide wollen die Rettungsschirme einstampfen, beide wollen die Entscheidungshoheit zurĂźck in die Nationalstaaten holen.âcite-ref-752[736] Auf Bundesebene habe die AfD klargemacht, dass Rechtsextremismus nicht geduldet werde.cite-ref-focussept2014-753-0[737] Dennoch Ăśffnete sie sich teilweise fĂźr ehemals rechte Parteigänger.cite-ref-hb8419392-194-1[194]cite-ref-boells2013-735-1[719]
Eine Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung beschrieb die AfD im April 2013 als âPartei von obenâ mit einem erheblichen Demokratiedefizit, die einer Marketing-Kampagne ähnele. Eine inhaltliche Mitwirkung der neuen Parteimitglieder sei unerwĂźnscht.cite-ref-754[738]
Etablierungsphase
Auch nach der Bundestagswahl 2013 wurde die AfD als liberal-konservativcite-ref-755[739] und rechts-cite-ref-p-k-734-1[718] beziehungsweise nationalkonservativcite-ref-emotionalisierung1-756-0[740]cite-ref-bpb2015-757-0[741] oder nationalliberalcite-ref-758[742] und ârechts von der Unionâcite-ref-blaetter6-2015-736-1[720]cite-ref-759[743]cite-ref-niedermeyer190-760-0[744] dargestellt. âDefensiver Nationalismusâ,cite-ref-emotionalisierung1-756-1[740] konservative Familienpolitik und âharteâ Asyl- bzw. Einwanderungspolitikcite-ref-blaetter6-2015-736-2[720] wurden als kennzeichnend betrachtet.
Die Partei wurde auch im Kontext und als âResultat eines populistischen Zeitgeistesâ betrachtet.cite-ref-761[745] Entgegen einzelnen Stimmencite-ref-762[746] wurde sie nun vermehrt als zumindest in Teilen rechtspopulistischcite-ref-763[747]cite-ref-blaetter6-2015-736-3[720] oder in der âGrauzoneâ zwischen rechtspopulistisch und rechtsextremcite-ref-764[748] klassifiziert. âMassive Querelen und Richtungskämpfeâ gingen mit einem âRechtstrend an der Basis der Parteiâ einher.cite-ref-765[749] Auf kommunaler Ebene gebe es verbale fremdenfeindliche Ausfälle.cite-ref-emotionalisierung1-756-2[740]
Helmut Kellershohn urteilte, dass nach der Landtagswahl in Sachsen 2014 der wert- und nationalkonservative ParteiflĂźgel der AfD an Zuspruch gewonnen habe. Als drei wesentliche Eckpunkte der AfD nannte er nun: âNationalliberalismus, christlicher Konservatismus und vĂślkischer Nationalismusâ. DarĂźber hinaus versuche man konzeptionell u. a. mit plebiszitären Elementen und der Umgestaltung des Wahlrechts an den âStaatsumbauâ der niedergehenden Weimarer Republik anzuknĂźpfen. Die AfD sei fĂźr die Neue Rechte ein âHebelâ, um die Unionsparteien von rechts anzutreiben. Als langfristiges Ziel stehe publizistisch und parteipolitisch eine Art modernisierte âvĂślkisch-konservative Bewegungâ.cite-ref-766[750]
In einer vergleichenden Analyse ihres Europawahlprogramms 2014, ihres Web- und Facebook-Auftritts konnte dagegen Kai Arzheimer der AfD weder Radikalismus, Nativismus noch Populismus nachweisen, sah sie aber aufgrund ihrer nationalen, marktliberalen Ausrichtung und âihres Widerstandes gegen staatlich unterstĂźtzte Programme zur FĂśrderung von sexueller Vielfalt und Gender-Mainstreamingâ rechts der anderen Parteien. Ihr Programm gleiche am ehesten dem einer nicht auf Bayern beschränkten CSU. Allerdings wĂźrden Facebook-Posts auf radikalere StrĂśmungen bei einfachen Mitgliedern und Anhängern hinweisen.cite-ref-767[751]
Nach den Landtagswahlen 2014 behauptete Werner J. Patzelt, die etablierten Parteien hätten die AfD unzutreffend als ârechtspopulistische Partei lightâ abgewertet, um sie loszuwerden.cite-ref-focussept2014-753-1[737] Laut Elmar Wiesendahl sei die AfD als Partei fĂźr Deutschland neu gewesen und mit den Republikanern in den Vereinigten Staaten vergleichbar.cite-ref-768[752] Wolfgang Renzsch hielt die AfD nicht fĂźr eine reine Protestpartei, sah aber Parallelen zu rechten Bewegungen und Parteien in anderen europäischen Ländern, die auch Protestwähler anzĂśgen.cite-ref-769[753] Laut JĂźrgen W. Falter sprach die AfD âTabu-Themen an, die andere Parteien vernachlässigen oder um die sie sich sogar ganz drĂźckenâ.cite-ref-770[754] Sie ähnele programmatisch der CDU der 1980er Jahre und der SVP in der Schweiz.cite-ref-771[755]
2014 wurden vermehrt Parallelen zur GrĂźndungsphase der GrĂźnen gezogen, so auch von Politikern dieser Partei, wie Hubert Kleinert. Chaospotential und rechtsradikale Unterwanderungcite-ref-772[756] seien vergleichbare Probleme. Ausgrenzung und Verteufelung fĂźhrten nicht zu einem Verschwinden der Partei, sondern zu âeiner Art Verfolgtenbonusâ.cite-ref-773[757] 2015 konkretisierte Kleinert, die AfD sammle Euro-Kritiker, liberalkonservative Honoratioren, populistischen Protest gegen Einwanderung und vermeintliche Herrschaft der Political Correctness sowie âGeltungssĂźchtige, anderswo Gescheiterte, Quertreiber und Querulanten aller Artâ. Er prognostizierte, dass eine âPetry-AfDâ das âdemokratische Parteienspektrum verlassenâ werde.cite-ref-774[758]
Gegen den ordoliberalen FlĂźgel um Bernd Lucke positionierte sich mit der Erfurter Resolution von BjĂśrn HĂścke und âHans-Thomas Tillschneiderâ das nationalistische Lager der Partei, das sich im sogenannten FlĂźgel organisierte. Es verlangte eine Annäherung an die Pegida-Bewegung und eine Frontstellung gegen âGesellschaftsexperimenteâ und Multikulturalismus. Lucke reagierte seinerseits mit der GrĂźndung des Weckruf 2015.cite-ref-775[759]
Ab dem Essener Parteitag
Nach dem Essener Parteitag 2015 wurde ein Rechtsruck bei der AfD konstatiert, den die Partei eventuell ânicht Ăźberlebenâ werde.cite-ref-776[760] Der Kampf um die Ausrichtung der Partei sei bei unscharfer Abgrenzung zum rechten Rand unter Frauke Petry zugunsten des rechtskonservativen FlĂźgels entschieden worden.cite-ref-777[761] Ihre rechtspopulistischen Positionencite-ref-h-usler242-222-1[222] seien nicht nur mit den wirtschaftsliberalen und national-konservativen StrĂśmungen der Partei vereinbar, sondern âin gewisser Weise sogar aufeinander bezogenâ. Sie wĂźrden in einem nationalen âBesitzstands- oder Wettbewerbspopulismusâ zusammengefĂźhrt.cite-ref-778[762]
Das Spektrum der AfD reiche von âkonservativ bis rechtsextremistischâ.cite-ref-779[763]cite-ref-h-usler44-780-0[764] Sie sei âin groĂen Teilen rechtsradikalisiertâ.cite-ref-781[765] BjĂśrn HĂścke betreibe eine âfaschistische Agitationâ.cite-ref-782[766] Mehrere Politik- und Geschichtswissenschaftler sahen die AfD in der Folge als vĂślkisch-nationale Partei.cite-ref-783[767] So wurde beispielsweise die Familienpolitik der AfD mit christlich-fundamentalistischen, vĂślkischen und negativen demographischen Vorstellungen in Verbindung gebracht,cite-ref-geschlechterpolitische1-73-1[73] womit die Anschlussfähigkeit an die extreme Rechte gegeben sei.cite-ref-784[768]
FĂźr den Politikwissenschaftler Torsten Oppelland hatten die zur ersten Parteispaltung fĂźhrenden Konflikte âmehr mit unterschiedlichen Prioritäten, Politikstilen und Machtinteressen zu tun als mit programmatischen Differenzenâ. In den politischen Leitlinien der AfD fänden sich âAnsichten des liberal-konservativen und des national-konservativen ParteiflĂźgels in gleicher Weise wieder.âcite-ref-bundeszentrale1-785-0[769]
Laut Samuel Salzborn ist die AfD, âvereinfacht gesprochen, die Partei der Durchschnittlichen und MittelmäĂigen, die sich deshalb als deklassiert empfinden, weil sie sich selbst fĂźr Ăźberdurchschnittlich haltenâ. Sie biete IdentifikationsmĂśglichkeiten und die Aussicht auf Durchsetzung eigener Interessen, âauch ungebremst durch die Interessen anderer.âcite-ref-786[770] FĂźr die âvĂślkisch-nationalistischeâ Klientel der laut Eigenbezeichnung besorgten BĂźrger aus der teilweise akademisch gebildeten Mittelschicht, denen Aufklärung, rationales Denken und Gleichberechtigung verhasst seien, habe es zuvor an einer Partei gefehlt, die âdas gesamte antiaufklärerische Ressentiment in sich vereinigte, aber zugleich fortwährend bestritt, rechtsextrem zu seinâ. Die AfD verspreche fĂźr diese Menschen die Befreiung von der Last der NS-Vergangenheit, vermeide die Frage nach der âeigenen sozioĂśkonomischen Unfähigkeitâ und biete âfĂźr beides Projektionsflächenâ, um diese Defizite âumso brutaler bei den anderen such[en] und verfolgenâ zu kĂśnnen.cite-ref-787[771] Es werde âmit antidemokratischer StoĂrichtungâ das Grundrecht der Meinungsfreiheit falsch ausgedeutet und gegen andere Grundrechte wie die MenschenwĂźrde oder das Gleichheitsgebot in Stellung gebracht. âWeder vĂślkische Agitation, noch Rassismus, noch Sexismus, noch Antisemitismus stehen [jedoch] im Konsens mit der Verfassung.â So werde versucht, âdie Mittel der Demokratie gegen die Demokratie in Stellung zu bringenâ. Jede Unterstellung der Partei, man kĂśnne seine Meinung zu bestimmten Punkten nicht äuĂern, beweise in Wirklichkeit die hier geltende Meinungsfreiheit, da man auch eine solche Behauptung frei äuĂern dĂźrfe.cite-ref-788[772]
Parteien grĂźndeten sich laut Andreas RĂśdder immer an den âAbbruchkanten des politischen Konsensesâ. Solche entstanden nach der Entwicklung der Unionsparteien nach links in der Frage der âimmer engeren Unionâ in Europa und der FlĂźchtlingsfrage sowie bezĂźglich der âKultur der Diversität, der Antidiskriminierung und der Inklusionâ. Auch habe sich die AfD von westlichen Traditionen distanziert und sich deutschnationalen Traditionen zugewandt.cite-ref-789[773]
Nach Ansicht des Historikers Heinrich August Winkler verkĂśrpert die AfD âein solches MaĂ an reaktionär-rechtsradikalen Tendenzenâ, dass man durchaus Parallelen zu der Zeit vor 1933 erkennen kĂśnne, ânämlich bei den Deutschnationalen, die in ihrer Opposition gegen Weimar den Nationalsozialisten vorgearbeitet haben.âcite-ref-790[774]
Aus Sicht des Sozialhistorikers Christoph Rass ist das Besondere und âbesonders Gefährlicheâ an der Partei, dass sie ârechten Revisionismus in der Tradition vieler kleiner Parteien seit 1945 mit BemĂźhungen um gesellschaftliche Anschlussfähigkeit in Richtung Mitte verbindetâ. Sie verfĂźge Ăźber AnknĂźpfungspunkte zu ultrakonservativen Intellektuellen, die ihr eine âVernetzung in Wissenschaft und neokonservative Denkfabrikenâ ermĂśglichen. Solche Zugänge hätten der NPD oder den Republikanern gefehlt, wenngleich sich das politische Profil zunehmend angleiche. Trotz vieler StrĂśmungen habe die Partei die Bedeutung ihrer Geschlossenheit erkannt. Daher werde sich dieses Phänomen nicht von selbst erledigen, sondern es sei wichtig, dass sich die BĂźrger gegen das stellten, was hier passiere.cite-ref-791[775]
FĂźr den Historiker Paul Nolte ist das Ziel der AfD âein Deutschland nach dem Vorbild Viktor OrbĂĄns, eine âilliberale Demokratieââ. Sie propagiere ein âWeltbild des Ressentiments, mit immer neuen VerschwĂśrungstheorien und SĂźndenbĂścken. Im Prinzip ist das ein Weltbild des permanenten Betrogenwerdens. Das Problem ist: Diese Vorstellung hat sich schon stark in die Gesellschaft eingefressenâ.cite-ref-792[776]
Dem Geschichtsbild der Partei liegt laut Marc Grimm und Bodo Kahmann âeine rechtsradikale Geschichtspolitikâ zugrunde, der es âum kulturelle Hegemonieâ gehe. Ăber das Mittel des Tabubruchs werde versucht, politische Geltung fĂźr Positionen zu erreichen, die ânur mĂźhsam und in einem Jahrzehnte währenden Prozess aus dem politischen Raum verdrängt werden konntenâ. Diesen âProzess der Zivilisierungâ versuche die AfD umzukehren.cite-ref-793[777]
FĂźr Franziska Krah ergibt sich die Anziehungskraft der Partei ânicht nur durch ihr Rekurrieren auf âtraditionelle Werteâ in Abgrenzung zu allem âFremdenâ, sondern auch durch ihr Versprechen einer konformistischen Revolteâ.cite-ref-794[778] Die Gegenaufklärer des 21. Jahrhunderts wollten, so Stefan Dietl, als konformistische Rebellen aufbegehren und sich zugleich unterordnen, sie âsehnen sich nach Autorität statt Gleichheit und Universalismus und machen so im Namen der Autorität mobil gegen die Autoritätâ.cite-ref-795[779]
Ab Herbst 2018
Im September 2018 stellte der Politikwissenschaftler Maik Fielitz eine deutliche Radikalisierung der Partei fest; aus wissenschaftlicher Sicht gehĂśre sie inzwischen âeindeutig zum Spektrum der rechtsradikalen Parteien in Europaâ. Bereits durch ihren Alleinvertretungsanspruch offenbare die Partei ihren âantidemokratischen Kernâ; zu beobachten seien weiterhin die Propagierung eines vĂślkischen Weltbilds, die Ausgrenzung einer Vielzahl von Menschen sowie die Reduktion komplexer gesellschaftlicher Vorgänge auf âmanichäische Erklärungsmusterâ mit ihrer Einteilung in âgut oder bĂśseâ bzw. ârichtig oder falschâ.cite-ref-796[780]
Anfang 2019 beurteilte Armin Pfahl-Traughber die AfD als eine rechtsextremistische Partei, wenngleich die âExtremismusintensitätâ geringer sei als bei der NPD und ârechtsdemokratische Minderheitenâ fortexistierten. Die gemäĂigten liberalkonservativen Kräfte in der Partei hätten ihren tragenden Stellenwert mittlerweile verloren.cite-ref-3-729-1[713] FĂźr Gideon Botsch (2019) ist die AfD keine durchweg vĂślkische oder rechtsextreme Partei, sondern eine âSammlungsparteiâ; sie sei jedoch, âmehr als frĂźher, rechtsextrem dominiertâ. Die Distanzierung vom Extremismus sei âRhetorikâ. Bei der Partei sei keine âMäĂigung durch parlamentarische Praxisâ zu erkennen, sondern eine noch stärkere Radikalisierung. Der rechtsextreme FlĂźgel Ăźbernehme von der NPD bestimmte Praktiken und verwerfe andere, erfolglosere.cite-ref-botsch2019-797-0[781]
Laut einer Studie der Medienwissenschaftler Thomas Hestermann und Elisa Hoven schĂźrt die AfD in Pressemitteilungen zum Thema Kriminalität systematisch eine Furcht vor Zuwanderern. Anhand der 242 Pressemeldungen der AfD von 2018 zu diesem Thema und nach Vergleichen mit der Kriminalitätsstatistik kommen sie zu dem Schluss: âSoweit die AfD bei Tatverdächtigen die Nationalität nennt, sind dies zu 95 Prozent Ausländer, nur zu 5 Prozent Deutsche.âcite-ref-798[782]
Der Historiker Patrice Poutrus bescheinigte der Partei 2019 ein Polemisieren âgegen vorhandene Regularien der freiheitlich-demokratischen Grundordnungâ. Auch am Versuch der Partei, die Wende 1989 in der DDR zu Wahlkampfzwecken fĂźr sich zu vereinnahmen, zeige sich, âwie weit das Personal dieser Partei von einer Anerkennung der Verfassungsordnung der Bundesrepublik entfernt istâ. Laut Poutrus kĂśnnen die aus dem AfD-Programm abgeleiteten âForderungen nach einem auszubauenden Ăberwachungs- und Polizeistaat und der Verfolgung von politischen Gegnern [âŚ], ethnische Homogenität des Staatsvolkes bzw. Aberkennung von BĂźrger- und Menschenrechten fĂźr vermeintlich Gemeinschaftsfremde, [âŚ] gut und gerne als die Idee von einer DDR 2.0 angesehen werdenâ.cite-ref-799[783]
Die Amadeu-Antonio-Stiftung warnte im August 2019 davor, die AfD nur als rechtspopulistisch zu beschreiben. Die Partei sei inzwischen zu einer âmodernisierten NPDâ geworden, da sie viele NPD-Themen Ăźbernehme, wie Rassismus und NS-Relativierung, und auch entsprechende Vokabeln wie die von einer vermeintlichen âUmvolkungâ verwende. Die Partei diffamiere demokratische Akteure und versuche sie mundtot zu machen, da sie mittlerweile in allen Teilen der Gesellschaft angekommen sei. Sie habe âsich zum parlamentarischen Arm der extremen Rechten entwickelt, die die Demokratie wie nie zuvor in ihren Grundfesten angreiftâ.cite-ref-7-800-0[784]
Der deutsche Politologe Robert Feustel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sagte in einem Interview 2019, die AfD sei ânicht an einer demokratischen Willensbildung interessiert, sondern an einem Umsturz der demokratischen Grundordnungâ. Sie sei âim Kern eine faschistische Partei, besonders in den ostdeutschen Bundesländernâ; denn sie inszeniere zum einen âdas rassistisch gedachte deutsche Volk als Opferâ und benutze zum anderen das Wort Demokratie ohne Minderheitenrechte oder Aushandlung, meine mithin âeine plebiszitäre FĂźhrerdemokratie, also eine vom Volk unterstĂźtzte autokratische Regierung mit einem starken AnfĂźhrerâ. Werde sie aus Diskursen ausgeschlossen, hĂśre man aus AfD-Kreisen den Vorwurf der Zensur. Dass nur ihre Meinung zähle, sei ein Kennzeichen âprotofaschistischer Akteureâ.cite-ref-pnn-aug2019-801-0[785]
Dem Politikwissenschaftler und Rechtsextremismusforscher Hajo Funke zufolge (Oktober 2019) trägt die AfD eine Mitschuld fĂźr den rechten Terror. Dabei bezog sich Funke auf das gemeinsame Auftreten von AfD-Politikern wie Uwe Junge, BjĂśrn HĂścke und Andreas Kalbitz mit Hooligans und Rechtsextremisten bei dem sogenannten Trauermarsch von Chemnitz am 1. September 2018. Dass hier eine Bundestagspartei mit Rechtsextremisten zusammengestanden habe, sei âein Fanal mit weitreichenden Folgenâ gewesen.cite-ref-zeit-802-0[786]
Nach Ansicht von Gideon Botsch sind die AfD-Wahlerfolge, namentlich im Osten, sowie âdie antiparlamentarische Radaupolitik der AfD-Parlamentsfraktionenâ von der NPD und den ârechtsextremen Mobilisierungen in den 2000ernâ beeinflusst worden, was die âErfahrungen mit Aufmärschenâ und die âparlamentarische Obstruktionsarbeit fundamentaloppositioneller RechtsauĂenfraktionenâ betreffe. Offenkundig habe âein Teil des hart rechtsextremen und antisemitischen Spektrums innerhalb der AfD [âŚ] in den 1990er und 2000er Jahren zum politisch-kulturellen Umfeld der NPD gehĂśrtâ oder sei âzumindest von dessen Aktivitäten erfasst wordenâ. NPD-Parolen und -Schlagworte wie âLĂźgenpresseâ, âĂberfremdungâ oder âVolksgemeinschaftâ fänden immer Ăśfter Eingang in den Sprachgebrauch der AfD und ihres Milieus, und auch die bei der AfD fest zum Repertoire gehĂśrenden rassistischen Beleidigungen entsprächen dem Sprachduktus der NPD und ihres Milieus.cite-ref-803[787]
Die Bemerkung Alexander Gaulands nach der Landtagswahl in ThĂźringen 2019, er verorte BjĂśrn HĂścke in der âMitteâ der Partei, wertete der Rechtsextremismusforscher Matthias Quent als Beleg, dass die AfD âmittlerweile insgesamt im Rechtsradikalismus angekommen istâ. Als Gesamtpartei sollte ihr damit die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes âgesichert seinâ.cite-ref-804[788] Weiter forderte er dazu auf, die Partei als rechtsradikal zu bezeichnen, da von ihr âGrundrechte und Menschenrechte in Frage gestelltâ wĂźrden. Dieses radikale Element mĂźsse auch deshalb benannt werden, damit sich Wähler nicht mehr auf ihr vorgebliches Protestwählertum herausreden kĂśnnten; denn es handle sich dabei sehr wohl um eine âideologische Ăbereinstimmungâ. Zwar sei nicht jeder in der AfD ein âideologisch Rechtsradikalerâ, aber jedes Parteimitglied und jeder AfD-Wähler unterstĂźtzten âeine Partei mit einer RechtsauĂenzielsetzungâ.cite-ref-805[789]
Nach Einschätzung des Sozialwissenschaftlers Alexander Häusler im Jahr 2019 ist die AfD keine bĂźrgerliche, sondern âmehr und mehr eine offen rechtsradikale Parteiâ. Sie verfolge eine âpopulistische Eskalationsstrategieâ und treibe âden politischen Diskurs weiter nach rechts auĂenâ. Eine historische Parallele sieht Häusler darin, dass es âunter dem Schlagwort der konservativen Revolutionâ im konservativen BĂźrgertum âeine gewisse Affinität zu rechtsextremen Gruppierungenâ gegeben habe.cite-ref-806[790]
Die âErfolgsdynamikâ der Partei sieht der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder in der âMischung von pragmatisch und radikalâ begrĂźndet. Zwar konsolidiere sie sich durch vom Staat zur VerfĂźgung gestellte Ressourcen, habe jedoch âbisher keinen inneren Mechanismus gefunden, der wirklich die Konsolidierung der Partei im Sinne der Akzeptanz des parlamentarisch-repräsentativen Kontextes zur Folge gehabt hätteâ. Daher mĂźsse man unterstellen, dass âder recht hohe Anteil der Rechtsextremisten in der AfD, der nur ein taktisches Verhältnis zu den Spielregeln der parlamentarischen Demokratie hat, dominiertâ.cite-ref-807[791]
Seit 2020
Der am Hannah-Arendt-Institut fĂźr Totalitarismusforschung arbeitende Politikwissenschaftler Steffen Kailitz unterschied 2020 drei Phasen der Parteientwicklung: Unter der FĂźhrung Bernd Luckes und Frauke Petrys sei die AfD eine nicht-radikale rechtspopulistische Partei gewesen, die sich zu einer radikalen rechtspopulistischen Partei unter FĂźhrung Petrys und JĂśrg Meuthens entwickelt habe und schlieĂlich nach einer Phase der Extremisierung unter FĂźhrung Gaulands und Meuthens zu einer rechtsextremistischen Partei geworden sei.cite-ref-5-730-1[714]
Der Konfliktforscher Maik Fielitz und der Sozialwissenschaftler Holger Marcks wiesen darauf hin, dass rechte Bewegungen âdas eigene Handeln [âŚ] in die Tradition eines rechtschaffenen Widerstands gegen totalitaristische Regimeâ stellten. Dementsprechend versuche die AfD z. B. mit dem Slogan Vollende die Wende âan die Oppositionsbewegung der späten DDR anzuschlieĂenâ oder âsich mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialistenâ gleichzusetzen, wofĂźr der Slogan âSophie Scholl wĂźrde AfD wählenâ des NĂźrnberger AfD-Kreisverbands stehe. In der Gesamtbewertung der Partei kamen sie im Jahr 2020 zu dem Ergebnis, die AfD stehe âfĂźr ein BĂźndnis aus konservativen WutbĂźrgern, neurechten Ideologen und Ăźberzeugten Neonazisâ.cite-ref-808[792]
Frank Decker ordnete die Partei 2020 in die âParteienfamilie des europäischen Rechtspopulismusâ ein. Prägend dafĂźr seien die Anti-Establishment-Orientierung sowie âder Anspruch, den âwahrenâ Volkswillen zu vertretenâ. Das Ăśffentliche Bild der AfD sei heute vor allem durch Anti-Positionen in der Asyl- und Zuwanderungspolitik geprägt. Die Positionen in der Familien- und Gesellschaftspolitik seien stark konservativ. In der Sozial- und Wirtschaftspolitik gebe es hingegen ein uneinheitliches Bild; BefĂźrworter einer marktliberalen Linie stĂźnden Vertretern einer sozialpopulistischen Linie gegenĂźber.cite-ref-6-727-1[711] 2022 schrieb Decker, dass sich die Partei ânahtlos in die rechtspopulistische und rechtsextreme Parteienfamilieâ einordne.cite-ref-809[793]
In der Rezension des 2023 erschienenen Buches von Patrick Bahners: Die Wiederkehr. Die AfD und der neue deutsche Nationalismus zitiert Thomas Assheuer das Urteil des Verfassers: âZum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gehĂśrt zum parlamentarischen Spektrum eine revolutionäre Partei, die es auf den Umsturz der bestehenden Ordnung abgesehen hat.â Die AfD sei ein Systemsprenger mit einem ethnischen Verständnis von StaatsbĂźrgerschaft, bemerkt Assheuer und ergänzt: âKämen ihre Jubelsturmabteilungen an die Macht, wĂźrde man das Land nicht wiedererkennen. Konservative, die immer noch glaubten, die AfD werde sich durch einfĂźhlende Anbiederung in Luft auflĂśsen, haben Aufklärungsbedarf. Auf Deutsch gesagt: Der Gegner steht rechts.âcite-ref-810[794]
Nachdem das Deutsche Institut fĂźr Menschenrechte die AfD im Jahr 2023 fĂźr verbotsreif hielt,cite-ref-11-811-0[795] sieht der Politikwissenschaftler Claus Leggewie im Kern der AfD âNeo-Faschistenâ, âdie den Parlamentarismus zerstĂśren wollen, um ein autokratisches Regime zu errichtenâ. Dennoch hält Leggewie ein Parteiverbot der AfD fĂźr âkein probates politisches Mittelâ.cite-ref-taz0623-812-0[796] Die Politik- und Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper stellte im Jahr 2023 fest, dass im Nationalsozialismus verwendetes Vokabular in der AfD weit verbreitet ist. Zu den Beispielen, die Kämper nennt, gehĂśren die Begriffe âVolksverräterâ, âVolkstodâ, âkulturfremdâ oder âĂberfremdungâ. Dies zeige, so die Wissenschaftlerin, âdass man sich sehr bewusst mit der NS-Zeit auseinandersetzt und solche ĂuĂerungen sehr gezielt und strategisch einsetztâ.cite-ref-813[797] Im Sommer 2023 sagte der Politikwissenschaftler Hajo Funke, âder Kern der Parteiâ sei âklar rechtsextremâ.cite-ref-814[798] Die AfD als Regierungspartei ist fĂźr die Politikwissenschaftlerin Ursula MĂźnch eine groĂe Gefahr fĂźr die Demokratie. Am Beispiel Polens erläuterte sie im Januar 2024, dass die Regierung Zugriff auf die Justiz habe oder versuchen kĂśnne, die Medienfreiheit zu beschränken. Es gehe âum den Zugang zu politisch relevanten SchlĂźsselpositionenâ. Weiter nannte sie die Bereiche Politische Bildung, Migration und StaatsbĂźrgerschaft. In einer Legislaturperiode kĂśnne man viel kaputtmachen, bei zwei kĂśnne man âdie gemachten Ănderungen nicht mehr so leicht wieder zurĂźckdrehenâ.cite-ref-815[799] Der Jurist Hendrik Cremer vom Deutschen Institut fĂźr Menschenrechte hob Anfang 2024 zudem hervor, dass AfD-Funktionäre âSchĂźtzenhilfe fĂźr das Putin-Regimeâ leisteten und dessen Propaganda verbreiteten, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen. Die Solidarität mit der Ukraine in der deutschen Gesellschaft solle so unterminiert werden. Dieser Kurs sei durch die Wahl Maximilian Krahs zum Spitzenkandidaten fĂźr die Europawahl 2024 untermauert worden, denn dieser habe Verbindungen zu ârussischen Hardlinern, die den Krieg in der Ukraine befeuernâ.cite-ref-816[800] Im Mai 2024 konstatierte Christoph Schwennicke, dass angesichts der Skandale um Maximilian Krah und Petr Bystron die Erzählung von der eigenen Sauberkeit im Gegensatz zu den vermeintlich korrupten Altparteien nicht mehr ziehe. Die âUnterstellung der Korruption bei andernâ rĂźhre âaus der eigenen Anfälligkeit dafĂźrâ.cite-ref-817[801] Der Theologe und Sozialwissenschaftler David Begrich sagte mit Blick auf die kulturpolitischen Ziele der AfD, dass deren âTheaterverständnis, dieses Erziehungs-, dieses Literatur- oder Kulturverständnis [âŚ] eigentlich mit einer pluralistischen Gesellschaft nur sehr schwer oder im Kern gar nicht vereinbarâ sei. In der Kultur gehe es der AfD ânicht um die Abbildung von gesellschaftlichen WidersprĂźchen, Kontroversitätâ, sondern es gehe um ânationale Erziehungâ, das Theater habe âdie Rolle der nationalen Erbauungsstätteâ. Damit wĂźrde man âin den kulturellen Habitus des Wilhelminischen Nationalismus der Kaiserzeit zurĂźckfallenâ.cite-ref-818[802]
Nach Begrich/Vierkant (2024) tritt die Partei fĂźr âeine nationalistisch formierte autoritäre und ethnisch homogene Gesellschaft [ein], die in Ostdeutschland an die repressiven und autoritären Traditionen der DDR anknĂźpftâ. Die AfD habe zwar âkeine reale Kompetenz fĂźr die LĂśsung der wirklichen Probleme und Herausforderungen in Krisenzeitenâ, jedoch werde die Partei âderzeit [auch] nicht an ihren realen politischen Leistungen gemessen, sondern nur daran, dass sie jene Themen und Begriffe setzt und zuspitzt, die sich mit den rechten und rassistischen Einstellungen eines Teils der Wählerschaft deckenâ, daher werde sich die AfD auch nicht âim kommunalpolitischen Alltag, im Amt eines BĂźrgermeisters oder eines Landrats entzaubern lassenâ.cite-ref-819[803]
Interner Richtungskampf
Der Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer äuĂerte: Da der âFlĂźgelâ nur ein informeller Zusammenschluss gewesen sei, ändere es kaum etwas, wenn sich die Mitglieder nun nicht mehr unter diesem Namen träfen. Die FĂźhrungspersĂśnlichkeiten hätten ihre Ămter behalten und seien nicht geschwächt. Die nunmehr fehlende klare Abgrenzbarkeit kĂśnne auf die Partei als Gesamtes zurĂźckfallen.cite-ref-820[804] Von einer SelbstauflĂśsung des âFlĂźgelsâ werde sich der Verfassungsschutz kaum täuschen lassen, meinte der Politikwissenschaftler Hajo Funke. Wenn der âFlĂźgelâ fĂźr den Verfassungsschutz ein Beobachtungsfall sei âund so viel FlĂźgel in der Gesamtpartei steckt, dann ist auch diese ein Beobachtungsfallâ.cite-ref-821[805]
Eine Spaltung der Partei hielt der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky im Mai 2020 auch nach der FlĂźgel-AuflĂśsung und dem Ausschluss Kalbitzâ fĂźr unwahrscheinlich. Die jeweiligen Akteure wĂźssten, âdass ihnen eine Spaltung im Grunde keine Vorteileâ brächte. Sie wĂźrden in einem solchen Fall âin einer relativ homogenen Wählerschaft, was die Einstellungen angeht, miteinander konkurrierenâ, dadurch kĂśnne âes zu einem Radikalisierungs- und Ăberbietungswettbewerb kommenâ. Die AfD sei, so Lewandowsky, zudem âweniger Ăźber ideologische Fragen gespaltenâ, sondern es gehe âum strategische Divergenzenâ.cite-ref-822[806]
Mit Bezug zum Parteiausschluss von Andreas Kalbitz erinnerte der Politikwissenschaftler Hajo Funke daran, dass JĂśrg Meuthen, die treibende Kraft hinter dem Ausschluss, noch ein Jahr zuvor im brandenburgischen Landtagswahlkampf Kalbitz gelobt und auch Meuthen selbst âgegen die âKulturfremdenâ [âŚ] gehetztâ habe. Es sei also kein inhaltlicher, sondern âein taktischer Machtkampf â man nutzt eine Unklarheit beim Beginn der Mitgliedschaft von Kalbitz â, und es ist eben keiner um die weltanschauliche Ausrichtungâ. Es sei âeine Veränderung passiert, nämlich vom gärigen Haufen zur rechtsextremen FlĂźgelparteiâ. Gauland als scheinbarer âVermittlerâ zwischen den StrĂśmungen sei Ăźberdies âimmer ein Vermittler nach ganz rechtsâ gewesen, da er Ăźber HĂścke, Kalbitz und auch âĂźber den Pegida-FlĂźgelâ âdie Hand gehaltenâ habe.cite-ref-823[807] Auch die Journalistinnen Katja Bauer und Maria Fiedler sind der Ansicht, dass die AfD nicht mehr die Kraft habe, âeinen HĂścke oder einen Kalbitz auf regulärem Wege durch ein Parteiausschlussverfahren loszuwerdenâ, denn Kalbitzâ Mitgliedschaft habe ânur mit einem juristischen Kniff annulliert werdenâ kĂśnnen, da er beim Parteieintritt âseine rechtsextreme Vita verschwiegenâ habe.cite-ref-824[808]
Der Politologe Michael LĂźhmann ist der Auffassung, dass es neben dem rechtsextremen âFlĂźgelâ auch diejenigen in der AfD gebe, âdie die Idee eines bĂźrgerlichen Meuthen brauchen, um den eigenen Rechtsradikalismus zu verbrämenâ. Das kenne man von der NPD: Man stelle âeinen scheinbar BĂźrgerlichen nach vorne, um die Radikalen zu schĂźtzenâ.cite-ref-fr21-825-0[809]
COVID-19-Pandemie
Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland ist im Zuge der COVID-19-Pandemie in Deutschland eine âneue Unruheâ festzustellen, die âdie AfD erfasstâ habe. Sie glaube, âin der Forderung nach einem sofortigen Ende der Einschränkungen [âŚ] ein neues Thema gefunden zu haben, das sie aus ihrem Wahrnehmungstal herausfĂźhrtâ, und wolle âvom keimenden Unmutâ gegen diese Einschränkungen profitieren.cite-ref-826[810] Dabei wechselte die AfD ihre Anfangsposition: Forderte sie zu Pandemiebeginn von der Bundesregierung zum Schutze der BevĂślkerung noch strenge MaĂnahmen, wie etwa GroĂveranstaltungen âkategorischâ zu verhinderncite-ref-827[811] und brachte das Thema mit unkontrollierter Migration zusammen, was allerdings nicht verfing, nahm sie bald in Umkehr ihrer vorigen Auffassung die verbreitete Stimmung gegen die MaĂnahmen auf und näherte sich den Protestbewegungen an. Stephan Brandner nannte die Regierung ein âquasi-diktatorisches Seuchenkabinettâ.cite-ref-828[812] Nach dem von der Partei Mitte März 2020 vorgelegten âFĂźnf-Punkte-Sofortprogrammâ, da sich Corona âimmer schnellerâ ausbreite, habe es, so Tagesschau.de, einen parteiinternen âKonflikt um die Deutung der Pandemieâ gegeben. Immer mehr Stimmen hätten eine âradikale Gegenpositionâ gefordert und sogenannte âCorona-Skeptikerâ gäben âimmer mehr den Ton anâ.cite-ref-829[813]
Nach dem Eindringen von StĂśrern in den Bundestag, die im November 2020 Ăźber die BĂźros von drei AfD-Abgeordneten Zugang ins Parlament erhalten und dort Abgeordnete bedrängt und beleidigt hatten, die an der Abstimmung Ăźber ein drittes Infektionsschutzgesetz teilnahmen, schrieb Franka Welz auf Tagesschau.de, man mĂźsse, wenn man die parlamentarische Demokratie schĂźtzen wolle, âdie AfD in die Pflicht nehmenâ und dĂźrfe sich ânicht mit den â womĂśglich scheinheiligen â Distanzierungen und Verurteilungen aus der Partei- und Fraktionsspitze zufriedengebenâ. Man sehe âdas Ăźbliche AfD-Drehbuch. GrenzĂźberschreitung, Distanzierung und reiche Ernte in den sozialen Medien.âcite-ref-830[814] Frank Werner (Der neue Tag) kommentierte, die AfD bekomme âihre Claqueure nicht in den Griff, sie will es offenbar auch nichtâ. Die Partei bleibe âauf Kollisionskurs mit der Demokratie und strebt deren Untergang anâ.cite-ref-831[815] Die AfD verstehe sich, so Alexandra FĂśderl-Schmid (SĂźddeutsche Zeitung), auf âProvokationen und bewusste Geschichtsverdrehungâ. Das Infektionsschutzgesetz mit dem von den Nazis durchgesetzten Ermächtigungsgesetz zu vergleichen, sei âhistorischer Humbugâ; die Maskenpflicht mit dem Ausschluss von Juden aus Geschäften während der Nazizeit gleichzusetzen, sei âwiderlich und zynischâ.cite-ref-832[816] 2024 zog Tino Chrupalla eine positive Bilanz, die Positionierung gegen die Corona-Politik sei strategisch richtig gewesen, sie âhat uns Ăźber Jahre hinweg einen Zugang in die bĂźrgerliche Mitte verschafft, zu Wählerschichten, die wir niemals erwartet hättenâ.cite-ref-833[817]
Klimawandelleugnung und Umweltpolitik
Kritik an der Leugnung des menschengemachten Klimawandels seitens der AfD kommt von Klimaforschern wie Stefan Rahmstorf, Mojib Latif und Hans Joachim Schellnhuber. Die Standard-Behauptungen der Klimaskeptiker seien âschlichtweg falschâ, und da die Sachargumente fehlten, gehe es âimmer auf die Personâ, wie beispielsweise bei der Diffamierung Greta Thunbergs. Laut ZDF belegt eine Studie von Berner Wissenschaftlern, dass der jetzige Klimawandel sich von bisherigen entsprechenden Veränderungen deutlich unterscheide. JĂśrg Meuthen habe behauptet, dass zwei Drittel der Studien zu keinem eindeutigen Ergebnis kämen, obwohl die Ursache des Klimawandels gar nicht deren Forschungsgegenstand war â wohingegen die Abhandlungen, die tatsächlich Aussagen zu den GrĂźnden und Verantwortlichkeiten fĂźr den Klimawandel treffen, zu 97,1 Prozent den Menschen zum Hauptverursacher des derzeitigen Temperaturanstiegs erklären. Auch Gremien aus mehreren hundert Wissenschaftlern wie der Weltklimarat kämen zu entsprechenden Ergebnissen. Schon Ende der 1980er Jahre habe es, so Latif, Studien zu dem jetzt von der AfD bestrittenen Zusammenhang zwischen CO2-AusstoĂ und Klimaveränderung gegeben, deren Ergebnisse durch die jetzigen Entwicklungen bestätigt wĂźrden.cite-ref-zdf-70-1[70]
Laut Michael Schäfer vom WWF kann sich Umweltpolitik nicht, wie im AfD-Europawahlprogramm gefordert, âan nationalen BedĂźrfnissen orientierenâ, sondern erfordere eine Kooperation aller Staaten wie bei der Pariser Klimakonferenz. Dieses Dilemma versuche die AfD zu lĂśsen, indem sie die menschenverursachte Erderwärmung einfach leugnet.cite-ref-834[818]
Die im Sommer 2019 erarbeitete Dresdner Erklärung der AfD zur Umweltpolitik bewertete der Umwelthistoriker Nils Franke als âzutiefst populistisch, nationalistischâ, sie trage âZĂźge rechter Naturschutzideologienâ und richte sich an den konservativen bzw. reaktionären Teil der Umweltbewegung. Es wĂźrden viele Versprechungen im Bereich Naturschutz gemacht; dahinter stehe âaber ein Wirtschaftssystem, das auf einen ungeheuren Raubbau an den Ressourcen setztâ. Das Programm erinnere Ăźberdies an das NS-Reichsnaturschutzgesetz von 1935 und enthalte Anklänge an die NS-Blut-und-Boden-Ideologie, wenn die AfD schreibe, Bauernland gehĂśre ânicht in die Hände des internationalen Finanzkapitals â des jĂźdischen, kĂśnnte man hinzufĂźgen â, sondern in âBauernhandââ.cite-ref-835[819]
Laut den Sozialwissenschaftlern Quent/Richter/Salheiser (2022) enthalten die Umwelt- und Klimaverlautbarungen der AfD âeine mythische ĂberhĂśhung des Autos, des Dieselmotors, ja sogar der Kernkraft als KulturgĂźter und Symbole einer nationalen Kollektividentitätâ. Der Kohletagebau werde befĂźrwortet, wobei âsich ausgerechnet in der sonst so âheimatverbundenenâ AfD niemand ernsthaft fĂźr das Wegbaggern uralter DĂśrferâ interessiere.cite-ref-836[820] Der Historiker Volker WeiĂ (2025) sieht auch AnknĂźpfungspunkte zu der von der Partei gepflegten Ostalgie: Die von der AfD als Energieträger propagierte Braunkohle, ein âwegen seiner Unwirtschaftlichkeit auĂer Gebrauch kommender Brennstoffâ, sei ânicht nur eng mit den Erinnerungen an den DDR-Alltag verbundenâ, er gelte âaufgrund seiner hohen Schadstoff-Emission und schlechter Energiewerte unter Klimaschutzgegnern als ultimative Provokation fĂźr das Ăśkologische Bewusstsein und damit als ein weiterer Schlag gegen die GrĂźnenâ. Kohle sei âdie symbolische Negation der Energiewendeâ und daher âzusammen mit der ebenfalls gelobten Atomkraft und russischem Gas [âŚ] zu einem Fixpunkt der AfD-Energiepolitik gewordenâ. Zudem sei âdie Vorstellung, dass eine Partei, die sich dem rigorosen Wirtschaftsliberalismus Thatchers verschrieben hat, ausgerechnet einen veralteten und subventionsabhängigen Industriezweig wie den ostdeutschen Kohlebergbau reaktiviert, [âŚ] schon abstrusâ.cite-ref-837[821]
Antisemitismus
Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch sieht Antisemitismus âauf allen Ebenenâ der Partei stark ausgeprägt.cite-ref-botsch2019-797-2[781] Die Partei verharmlose Judenhass insbesondere der extremen Rechten und sei âauf der StraĂe stabile BĂźndnisse mit Akteuren eingegangen, die antisemitisch orientiert sindâ.cite-ref-dillmann-282-1[278] Topoi wie die vom âverratenen Volkâ, der âLĂźgenpresseâ oder vom âchristlichen Abendland, das bedroht seiâ, gehĂśrten zum klassischen Antisemitismus. Vielen, die sich solcher Begriffe bedienten, sei dieser Zusammenhang jedoch nicht bewusst.cite-ref-840[824] Laut Botsch sind antisemitische Vorfälle auch keine Einzelfälle, sondern von der AfD wĂźrden gezielt Leute aus dem rechtsextremen Milieu rekrutiert, so im Fall mehrerer Mitarbeiter der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Das seien, so Botsch, âLeute, die ihre politischen Erfahrungen gesammelt haben in der härtesten und gefährlichsten Jugendorganisation des deutschen Neonazismusâ.cite-ref-mdr22-841-0[825]
Der Antisemitismusforscher Samuel Salzborn sieht den Antisemitismus im klassischen vĂślkischen Denken verwurzelt. Trotz Versuchen fĂźhrender AfD-Funktionäre wie AndrĂŠ Poggenburg und Frauke Petry, Begriffe wie Volksgemeinschaft als nicht genuin antidemokratisch darzustellen und vom nationalsozialistischen Erbe zu lĂśsen, werde Volk nicht im Sinn von Nation durch rationale, demokratische Kriterien definiert wie die Entscheidung, dazuzugehĂśren oder nicht, sondern âdurch vorpolitische Aspekte wie die Fiktion einer vorgeblich gemeinsamen Abstammung eines Kollektivsâ. Daraus folge Ausgrenzung bis hin zu totalitärem Zwang und UnterdrĂźckung, wenn die AfD Politik auf der Basis dieses ausschlieĂend gemeinten Volksgemeinschafts-Konzepts mache.cite-ref-salzborngps-842-0[826]
Als ein Beispiel fĂźr Antisemitismus in der AfD fĂźhrt Salzborn den Umgang mit den ĂuĂerungen Wolfgang Gedeons an. Die Partei sei unfähig gewesen, deren âklar und unmissverständlich antisemitischenâ Charakter sofort zu erkennen. Er sieht einen entscheidenden Schritt zum Rechtsextremismus in der Entscheidung der ParteifĂźhrung, BjĂśrn HĂścke nach seiner ârevisionistischen und antisemitischenâ Dresdner Rede nicht aus der Partei auszuschlieĂen. Salzborn stellt fest, die AfD bewege sich âvon einer Partei fĂźr Antisemiten hin zu einer antisemitischen Parteiâ.cite-ref-salzborngps-842-1[826] So seien auch ehemalige Mitglieder anderer Parteien aufgenommen worden, die zuvor Ăśffentlich antisemitisch aufgefallen waren wie beispielsweise Martin Hohmann (ehemals CDU) und Ronald Gläser (ehemals FDP).cite-ref-843[827]cite-ref-844[828]
Viele weitere ĂuĂerungen hĂśherer Parteifunktionäre zeigen den verbreiteten Antisemitismus, wie die Rede des Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider 2018 mit AnknĂźpfung an antisemitische VerschwĂśrungsmythen, âder Islamâ werde vom Zentralrat der Juden in Deutschland âbenutzt [âŚ], um in Deutschland multikulturelle Verhältnisse herbeizufĂźhrenâ,cite-ref-845[829] die von einem AfD-Stadtrat vorgenommene Verbreitung des Links zu einem Artikel, in dem behauptet wird, âkein einziger Judeâ sei durch âZyklon B oder in den Gaskammernâ umgekommen, die Aussage eines AfD-Kreisvorsitzenden, dass der âBlock der Judenâ âsehr viel Einflussâ hätte, âwirtschaftlich, kulturellâ, die Rede des hessischen Landesschatzmeisters Peter Ziemann von âsatanischen Elementen in der Finanzoligarchieâ, der Facebook-Kommentar des sachsen-anhaltischen Landespolitikers Dirk Hoffmann, das israelische Vorgehen in Gaza sei âmindestens genauso schlimmâ wie der Holocaust, oder die offizielle Reaktion der Bundes-AfD auf die Meldung 2018, Israel wolle GeflĂźchtete nach Deutschland abschieben: âEin einziges Narrenspiel. Israel will illegale (!) Einwanderer aus Afrika loswerden und auf wen fällt die âWahlâ? Einmal mehr Germoney!âcite-ref-846[830]
Der Historiker Michael Wolffsohn hingegen ist der Auffassung, bei differenzierter, sachlicher Untersuchung ergebe sich, dass es zwar Antisemiten in der AfD gebe, âaber eben nicht nurâ. Die AfD eine antisemitische Partei zu nennen, sei also âsehr problematischâ.cite-ref-wolffsohndlf-847-0[831] Er fĂźhrte auch die UnterstĂźtzung Israels durch die AfD-Bundestagsfraktion an, die im Jahr 2019 âals einzige Partei im Bundestag ohne Wenn und Aberâ die âamtsjĂźdische Position bezĂźglich des Nahostkonfliktsâ vertreten habe, ânämlich die GrĂźndung eines Palästinenserstaats abzulehnenâ.cite-ref-wolffsohndlf-847-1[831]
AfD-Bundessprecher JĂśrg Meuthen sah kein Antisemitismus-Problem in seiner Partei und sagte, die AfD sei âdurch und durch pro-jĂźdischâ; sie bringe im Bundestag âpro-jĂźdische Anträge ein â wie [âŚ] die Forderung nach einem Verbot der Hisbollahâ. Er verstehe die Sorgen fĂźhrender Repräsentanten der Juden im Hinblick auf die AfD nicht.cite-ref-848[832]
Laut einer vorab bekannt gewordenen Grundsatzerklärung der Gruppierung Juden in der AfD (JAfD) war einer der AuslĂśser fĂźr die GrĂźndung eine âunkontrollierte Masseneinwanderungâ junger Männer aus dem âislamischen Kulturkreisâ mit âeiner antisemitischen Sozialisationâ. Das Verhältnis zu Israel wurde lediglich mit Blick auf eine Bedrohung durch den radikalen Islam erwähnt. In einer gemeinsamen Erklärung des Zentralrats der Juden in Deutschland mit 16 weiteren jĂźdischen Organisationen wurde die GrĂźndung der Vereinigung kritisiert und die AfD als âantidemokratisch, menschenverachtend und in weiten Teilen rechtsradikalâ bezeichnet. Die JAfD entgegnete, die jĂźdischen Verbände hätten sich freiwillig Merkels Politik âunterworfenâ, die die Juden in Deutschland â[ge]spaltenâ habe.cite-ref-849[833]cite-ref-850[834]
Salzborn beurteilt die âLippenbekenntnisseâ der Partei zu Israel als den Versuch, den falschen Eindruck zu erwecken, dass UnterstĂźtzer des Landes nicht antisemitisch sein kĂśnnten.cite-ref-salzbornantisemiticturn-851-0[835] Diesen Versuch nennt er âinstrumenteller Anti-Antisemitismusâ.cite-ref-botsch2019-797-3[781] Salzborn ist der Ansicht, dass die AfD wegen ihres verbreiteten geschichtsrevisionistischen Antisemitismus in keinem Fall eine Art VerbĂźndeter fĂźr Juden sein kĂśnne.cite-ref-salzborn-839-1[823] AuĂerdem sei die proisraelische Haltung der AfD inzwischen weitgehend zu einem Mythos geworden. So sei auf dem KĂślner Parteitag 2017 ein Antrag abgelehnt worden, einen Absatz zur âFestigung der deutsch-israelischen Freundschaftâ in das Bundestags-Wahlprogramm aufzunehmen.cite-ref-salzbornantisemiticturn-851-1[835]
Der Grund, warum Israel fĂźr Juden lebenswichtig geworden sei, spiele fĂźr die AfD keine Rolle. In den Verlautbarungen der Partei werde Israel âals Bollwerk gegen den Islamâ dargestellt.cite-ref-852[836]
Das Bundesinnenministerium, das Ende 2018 in der Studie Antisemitismus in Deutschland eine Reihe antisemitischer Vorfälle innerhalb der AfD aufzählte, wies darauf hin, dass alle diese erwähnten Fälle von Journalisten, Politikern oder Wissenschaftlern thematisiert worden seien; von sich aus sei die AfD nicht gegen antisemitische Mitglieder vorgegangen.cite-ref-853[837]
Bei einer Analyse von 276.100 Tweets von 243 AfD-Abgeordneten anlässlich des Holocaust-Gedenktags 2020 konstatierte Jannis Niedick eine âinhaltsleere[], abstrakte[] Form der Erinnerungâ. Die Forderung nach âNie â wiederâ werde in den Tweets flankiert von einer Warnung vor âneuen â totalitären Ideologienâ und einer âmoralischen â ĂberhĂśhungâ des Gedenkens durch politische Gegner. Das Problem des Antisemitismus werde ausschlieĂlich im Zusammenhang mit Muslimen benannt und dabei ignoriert, dass, so Niedick, Antisemitismus in der Mitte der deutschen Gesellschaft verankert sei. BezĂźglich des Holocaust gebe es in keinem Tweet eine Erwähnung von Tätern, Opfern, Ăberlebenden oder historischen Prozessen bzw. gesellschaftlichen Strukturen, die zur Shoah gefĂźhrt hätten.cite-ref-854[838]
Der Historiker Peter Longerich beschreibt eine ambivalente Doppelstrategie der AfD bei diesem Thema. Einerseits gebe sie Bekundungen fĂźr Israel und gegen Antisemitismus ab, andererseits kämen von ihr âaugenzwinkerndeâ Signale an die eigene Anhängerschaft, dass es damit so ernst auch nicht gemeint sei.cite-ref-855[839]
Einer im Auftrag des American Jewish Committee erstellten Analyse des Politikwissenschaftlers Lars Rensmann zufolge gehĂśrt Antisemitismus zum âprogrammatischen Kernâ der Partei. In der AfD und ihrer Wählerschaft nähmen, so Rensmann, âtrotz mancher anderslautenden Lippenbekenntnisse Israelfeindschaft, Holocaustrelativierung, antisemitisches VerschwĂśrungsdenken und judenfeindliche Bilder einen prominenten Platz einâ. Israel werde von der AfD vor allem fĂźr eine âantimuslimische Haltungâ instrumentalisiert, in Tweets der Bundespartei jedoch auch mit antisemitischen Klischees wie jenem der âGeldjudenâ assoziiert. Auch gegen prominente Juden in Deutschland wie Anetta Kahane und Michel Friedman gebe es seitens der AfD immer wieder âgezielte Kampagnenâ,cite-ref-856[840] laut Rensmann âauch unter kaum oder gar nicht camoufliertem RĂźckgriff auf antisemitische Stereotype und Bilderâ.cite-ref-857[841]
In dem dem MDR vorliegenden Gutachten des Bundesamtes fßr Verfassungsschutz, das als Grundlage fßr die Einstufung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall diente, enthält ein 52 Seiten umfassendes Kapitel diverse Belege fßr antisemitische Aussagen von AfD-Vertretern, darunter auch Beispiele, wie AfD-Politiker fßr den Telegram-Kanal des Antisemiten Attila Hildmann werben.cite-ref-mdr22-841-1[825]
Laut dem Verfassungsschutz Brandenburg âbedienen AfD-Akteure beständig klassische rechtsextremistische VerschwĂśrungserzählungen, welche den Antisemitismus zum Inhalt habenâ.cite-ref-858[842]
Auch der Bundesverfassungsschutz wies auf VerĂśffentlichungen der Partei hin, denen sich âAnhaltspunkte fĂźr antisemitische Positionen entnehmenâ lieĂen. Darin werde das antisemitische Narrativ einer global agierenden Finanzelite (âWeltfinanzkapitalâ) verbreitet, die Handlungen und Entscheidungen der politisch Verantwortlichen steuere.cite-ref-859[843] In seinem Gutachten, mit dem die Einschätzung der Gesamtpartei als gesichert rechtsextremistisch begrĂźndet wurde, zitierte das Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz zwar einige antisemitische ĂuĂerungen fĂźhrender AfD-Politiker, kam aber insgesamt zu dem Urteil, diese ĂuĂerungen kämen bisher nur vereinzelt vor und seien insgesamt nicht prägend fĂźr die Gesamtpartei.cite-ref-860[844]
Der Historiker Sebastian Voigt kam dagegen zu dem Schluss, dass fĂźhrende Parteivertreter âständig strukturell antisemitische Argumentationsmusterâ bedienten, und nannte als Beispiele ein âRaunen Ăźber die abgehobene Elite, die im Dienst von dubiosen transatlantischen Stippenziehern stehe und gegen das eigentliche Interesse des Volkes handleâ.cite-ref-861[845]
Laut dem Politikwissenschaftler Stephan Grigat (Ende 2023) sitzt mit der AfD âeine Partei im Bundestag und in den Landtagen, die eine aggressive Abwehr der NS-Vergangenheit betreibt und auch anderen Formen des Antisemitismus Vorschub leistetâ.cite-ref-862[846]
2025 schrieben die Politologen Lars Rensmann und Nikolai Schreiter, den âAntisemitismus als Ganzen in den Blick zu nehmen und in allen seinen Formen zu kritisierenâ, erscheine der AfD âohnehin nicht mĂśglichâ. Antisemitismus sei âso eng verwoben mit der konstitutiven Ideologie der Partei, ihrer rechtsradikalen Weltsicht und vielen ihrer grundlegenden politischen Ăberzeugungen und Positionen, dass eine konsequente, umfassende und ernsthafte Kritik des Antisemitismus einer Selbstabschaffung der Partei gleichkämeâ. Im Falle von Juden, âdie deutsche Täterschaft und Taten oder die Vergangenheit thematisierenâ, richte sich zudem âdie geschichtsrelativierende nationale Erzählung der AfD vom guten, heroischen, unschuldigen deutschen Volk fast notwendig gegen JĂźdinnen und Juden als perzipierte oder personifizierte âStĂśrenfriedeâ der Erinnerung und der ungebrochen positiv konstruierten Nation und ihrer nostalgisierten Geschichteâ.cite-ref-863[847]
Laut Stefan Dietl (2025) hat die AfD als âerklärte âTabubrecherinâ [...] wesentlich zur Normalisierung antisemitischer Codes, Symboliken und VerschwĂśrungsmythen beigetragen und mit ihren zahlreichen folgenlos gebliebenen antisemitischen Skandalen dafĂźr gesorgt, dass die Hemmungen vor Ăśffentlichen antisemitischen Positionierungen gefallen sindâ.cite-ref-864[848]
Prominente jĂźdische Positionen
Im Oktober 2018 urteilte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde MĂźnchen und Oberbayern, mit der AfD sei zum ersten Mal eine Partei in den Bundestag gelangt, âderen Programm sich zusammenfassen lässt mit den Worten: Juden rausâ. Sie konkretisierte, dass die AfD trotz jĂźdischer Parteimitglieder antisemitisch sei und ein Programm vertrete, das jĂźdisches Leben unmĂśglich mache; beispielsweise sei die Partei âgegen die rituelle Beschneidung und das Schächten von Schlachttierenâ.cite-ref-865[849] 2024 schrieb sie, dass die jĂźdische Gemeinschaft fĂźr die AfD âein geduldetes politisches Instrumentâ sei, âdas sich als Hebel gegen die muslimische BevĂślkerung in Stellung bringenâ lasse. Die AfD habe âauf einen inhaltlich seichten, im Ton aber umso aggressiveren Philosemitismusâ gesetzt, der am besten funktioniert habe, wenn die Partei âihn im luftleeren Raum ohne jĂźdische Beteiligung inszenieren konnteâ. Auf Kritik von jĂźdischer Seite habe die AfD âbeleidigt bis giftigâ reagiert. Der philosemitische Lack der Partei auch im Hinblick auf das Verhältnis zu Israel habe âspätestens nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 immer mehr abzublätternâ begonnen. Aus jĂźdischer Sicht sei die AfD ârealer Albtraum und stete Drohungâ.cite-ref-866[850]
Die israelische Generalkonsulin in MĂźnchen, Sandra Simovich, sagte, man habe von diplomatischer Seite weder offiziell noch inoffiziell Verbindungen zur AfD, denn die Partei habe âoffensichtlich ein sehr problematisches Verhältnis zur deutschen Vergangenheitâ. Sie halte das BemĂźhen der AfD, sich israelfreundlich darzustellen, âfĂźr eine Art Alibiâ.cite-ref-867[851]
Der Botschafter Israels in Deutschland, Jeremy Issacharoff, bewertete ĂuĂerungen des AfD-FĂźhrungspersonals âals hochgradig beleidigend fĂźr Juden, fĂźr Israel und fĂźr das ganze Thema des Holocaustâ.cite-ref-868[852] Salomon Korn, Vorsitzender der JĂźdischen Gemeinde Frankfurt am Main, warf der AfD vor, einen âUmweg-Antisemitismusâ zu befĂśrdern.cite-ref-869[853] Nach Einschätzung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster versucht die AfD, âdas Thema Antisemitismus bei Migranten zu instrumentalisieren, um Migranten generell zu verunglimpfenâ. Er gehe davon aus, âdass die AfD auch gegen Juden hetzen wĂźrde, wenn es fĂźr sie politisch von Vorteil wäreâ.cite-ref-870[854] Auf Frauke Petrys ĂuĂerung, die AfD sei ein Garant jĂźdischen Lebens in Deutschland, entgegnete er, dass jĂźdisches Leben nur schwer vorstellbar sei, wenn es der Verteidigung durch die AfD bedĂźrfte.cite-ref-871[855] Im November 2021 bezeichnete er âkrude ĂuĂerungenâ von AfD-Funktionären im Bundestag âauch als Katalysator fĂźr Antisemitismusâ und wies erneut die Selbstdarstellung der Partei als Anwältin jĂźdischen Lebens zurĂźck.cite-ref-872[856] Im November 2025 betonte Schuster erneut, dass die Partei âden grassierenden Antisemitismus zwar bereitwillig zur Agitationâ nutze, âan dessen tatsächlicher Bekämpfung aber keinerlei Interesseâ habe.cite-ref-873[857] Schusters Stellvertreter Abraham Lehrer wies nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 auf eine âbraune Grenzeâ bei der AfD hin: âDieses Tänzeln auf der Grenze und mit einem FuĂ jenseits der Grenze stehen und aufpassen, dass man sich nicht strafrechtlich wirklich zu sehr beschädigt, das kĂśnnen die wunderbar.âcite-ref-zeit-802-1[786]
Michael Szentei-Heise, Verwaltungschef der JĂźdischen Gemeinde DĂźsseldorf, macht die AfD fĂźr eine zunehmend feindliche Haltung gegenĂźber Juden in Deutschland mitverantwortlich. Sie sorge mit ihrem Auftreten und bestimmten Aussagen dafĂźr, dass die Gesellschaft insgesamt verrohe, und verschiebe die Grenzen des Sagbaren. Dadurch sei die Partei ein âgeistiger Brandstifterâ.cite-ref-874[858]
Umfragen und Studien
2016 hatte die FES-Mitte-Studie ergeben, dass 19 % der AfD-Anhänger klassischen antisemitischen Stereotypen zustimmen â mehr als Sympathisanten anderer Parteien â und 47 % der AfD-Anhänger Positionen des israelbezogenen Antisemitismus beipflichten.cite-ref-875[859]
Eine Allensbach-Studie kam im Juni 2018 zum Ergebnis, dass antisemitische Einstellungen bei AfD-Anhängern weiter verbreitet sind als bei Anhängern aller anderen Parteien. Auf die Frage âJemand sagt: Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss. Stimmt das?â antworteten AfD-Wähler zu 55 % mit âjaâ (und 23 % mit âneinâ). Bei Anhängern der anderen Parteien lag die Zustimmung zwischen 16 % und 20 %. Insgesamt stimmten der Aussage 22 % aller Befragten zu. 17 % der AfD-Anhänger gaben Ăźberdies an, dass sie nicht gerne neben Juden wohnen wĂźrden. Im BevĂślkerungsdurchschnitt waren es 3 %.cite-ref-876[860]
Bei einer Umfrage des Instituts INSA wurde deutlich, dass Wähler der AfD deutlich weniger Verständnis fĂźr Holocaust-Gedenkstätten haben als Anhänger aller anderen Parteien. Nur 49 % der AfD-Anhänger finden jene Gedenkstätten demnach âwichtigâ, während die Zustimmung zu den Erinnerungsstätten bei Sympathisanten der anderen grĂśĂeren Parteien zwischen 75 und 86 % liegt. Der Aussage, dass âHolocaust-Erinnerungsstätten wichtig seienâ, stimmten hingegen 36 % der AfD-Wähler nicht zu, während die Ablehnung zur Aussage bei den Anhängern anderer Parteien nur zwischen 7 und 15 % liegt.cite-ref-877[861] Im Rahmen einer im November 2019 im Auftrag von RTL und n-tv durchgefĂźhrten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa hielten zwei Prozent der Nicht-AfD-Wähler die Tatsache, dass die Nazis Millionen von Juden umgebracht haben, fĂźr âPropaganda der Siegermächteâ. Unter den AfD-Wählern waren es 15 Prozent.cite-ref-878[862]
Eine von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zwischen Ende 2021 und FrĂźhjahr 2022 durchgefĂźhrte Befragung von rund 5500 Personen zeigte, dass sechs Prozent der AfD-Anhänger erhĂśhte Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen aufwiesen. Im BevĂślkerungsdurchschnitt waren es zwei Prozent. Da AfD-Anhänger eine stärkere Affinität zu VerschwĂśrungstheorien besäĂen, so die Studie, und der Glaube an VerschwĂśrungsmythen eng mit antisemitischen Einstellungen verwoben sei, sei ein erhĂśhtes Antisemitismuspotenzial im AfD-Milieu plausibel.cite-ref-879[863]
Ebenso erbrachte eine erneute Allensbach-Studie, die vom American Jewish Committee (AJC) in Auftrag gegeben worden war, 2022 den Befund, dass AfD-Wähler fĂźr Judenhass besonders verfänglich sind; 48 Prozent der AfD-Anhänger â 14 Prozent mehr als die GesamtbevĂślkerung â sind laut dieser Studie beispielsweise Ăźberzeugt, dass Juden die Erlebnisse der Shoa zu ihrem Vorteil ausnutzten.cite-ref-880[864]
Aufgrund solcher Ergebnisse kamen Markgraf/Zeevaert zu dem Schluss, dass den Anhängern der AfD âder instrumentelle Charakter der Ăśffentlichkeitswirksamen Bekundungen ihres Spitzenpersonals durchaus klarâ zu sein scheine.cite-ref-881[865]
Instrumentalisierung des Philosemitismus und Freundschaft zu Israel
In ihren VerĂśffentlichungen nimmt die AfD eine betont philosemitische und israelfreundliche Haltung ein. Ăhnlich anderen rechtspopulistischen Parteien bemĂźht sie immer wieder das angeblich âchristlich-jĂźdische Abendlandâ als kulturellen Referenzrahmen und bekennt sich zur Verteidigung Israels. 2018 erklärte Gauland, âdass die Existenzsicherung Israels am Brandenburger Tor beginntâ. Diese Positionierungen haben im Wesentlichen zwei Funktionen: Sie sollen die Partei vom Vorwurf rechtsextremer bzw. antisemitischer Positionen freisprechen, und sie werden zur antimuslimischen Mobilisierung instrumentalisiert, indem Muslimen pauschal Antisemitismus vorgeworfen wird, der angeblich auf den Koran zurĂźckgehe. SchlieĂlich wird die rigide Einwanderungspolitik Israels als Vorbild fĂźr Deutschland hingestellt. 2018 postete die AfD Baden-WĂźrttemberg: âDieser Staat zeigt Frau Merkel, wie es geht. Israel weist 40.000 illegale FlĂźchtlinge aus.âcite-ref-882[866]
Verhältnis zu den Medien
Julian Schärdel analysierte 2016, das Verhältnis der AfD zu den Medien sei seit ihrer GrĂźndung âmehr als angespanntâ. So habe sie zur Europawahl 2014 zwar Ăźberproportionale Medienaufmerksamkeit erhalten, diese sei aber âĂźber politische und journalistische Grenzen hinweg deutlich negativâ ausgefallen.cite-ref-883[867] Seit der ersten Parteispaltung sind wohlwollende Leitartikel Ăźber die Partei in den bĂźrgerlichen Tageszeitungen wie der FAZ, dem Handelsblatt oder der Welt jedoch unterblieben. Nun sei die Berichterstattung in Leitmedien durchgängig negativ.cite-ref-884[868]
Laut Helmut Kellershohn hat die Partei von Beginn an UnterstĂźtzung von der Jungen Freiheit (JF) erhalten, die teilweise als inoffizielles Sprachrohr der Partei angesehen wird. Sie begleite innerparteiliche Auseinandersetzungen und diene so Mitgliedern und Sympathisanten der AfD immer wieder als Diskursplattform.cite-ref-kellershohnrisse-885-0[869] JF-Chefredakteur Dieter Stein habe zunächst Lucke, später dann Petry unterstĂźtzt.cite-ref-kellershohnrisse-885-1[869] GĂśtz Kubitschek von der Sezession versuche nach anfänglicher Skepsis mit HĂścke eine âAlternative in der Alternativeâ zu etablieren. FĂźr dessen Ziele Ăśffne auch er seine Zeitschrift.cite-ref-kellershohnrisse-885-2[869] Mit der Erfurter Resolution habe Kubitschek eine âneurechte Sammlungsbewegungâ innerhalb der Partei empfohlen.cite-ref-kellershohnrisse-885-3[869] Laut Alexander Häusler unterstĂźtzt ein âneurechte[s] publizistische[s] Netzwerkâ, zu dem Häusler die Zeitungen und Zeitschriften Sezession, Compact und Junge Freiheit rechnet, einen ârechten Aufstandâ in der Partei.cite-ref-886[870]
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte mehrfach, dass Journalisten von AfD-Mitgliedern oder -Sympathisanten angegriffen, bedroht und aus Veranstaltungen herausgedrängt worden seien.cite-ref-887[871] Dessen Bundesvorsitzender, Frank Ăberall, erklärte, die AfD habe âdie Aufgabe des Journalismus als Korrektiv der Politik nicht verstandenâ.cite-ref-888[872] Teilweise wurden Medienvertreter von Parteiveranstaltungen ausgeschlossen.cite-ref-tagesspiegel-19279750-889-0[873]
AfD-Politiker setzen provokante Aussagen strategisch ein, die daraufhin relativiert oder dementiert werden, um sich GehĂśr in den Medien zu verschaffen. Mehrfach sorgten ĂuĂerungen von Funktionären fĂźr EmpĂśrung, etwa zum Schusswaffengebrauch an der Grenze.cite-ref-890[874] Ende 2016 wurde diese Medienstrategie vom Parteivorstand fĂźr das Wahljahr 2017 beschlossen. Demnach solle die Partei âganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt seinâ, gleichzeitig solle jedoch Seriosität gewahrt werden und die ĂuĂerungen sollen sich noch im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung halten. Je klarer und kontroverser die AfD sich positioniere, desto weniger kĂśnnten die Medien sie ignorieren.cite-ref-tagesspiegel-19279750-889-1[873]
Alexander Nabert beschrieb in der taz ein Grundproblem bei Interviews mit AfD-Repräsentanten: âIst ein Interview zu wenig kritisch, gibt man der AfD eine MĂśglichkeit, sich ohne viel Widerspruch in der Ăffentlichkeit in Szene zu setzen. Ist ein Interview zu kritisch, sucht sie den Eklat, provoziert den Abbruch und polemisiert gegen die ohnehin verhasste LĂźgenpresse.â Wie man ein Interview auch fĂźhre: Die AfD gewinne immer.cite-ref-891[875] Auch Jan Sternberg kommentierte im RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass Vertreter der AfD häufig die Rolle des Opfers einnähmen. Die AfD-Vertreter versuchten, âdie Spielregeln massiv in ihrem Sinne umzuschreibenâ, und lieĂen âihrer Verachtung gegenĂźber der Pressefreiheit freien Laufâ.cite-ref-892[876]
Im Mai 2019 lud die AfD-Bundestagsfraktion zur 1. âKonferenz der freien Medienâ ins Paul-LĂśbe-Haus. Auf dem Konferenz-Rollup waren Logos von JĂźrgen Elsässers CompactTV, den Initiativen âAnti-Zensur-Koalitionâ und Kla.TV von Ivo Sasek sowie der Plattform dieunbestechlichen.com von Jan Udo Holey zu sehen.cite-ref-893[877]
Im Mai 2022 wurde das offizielle Hauptkonto der AfD auf TikTok wegen VerstĂśĂen gegen die Community-Richtlinien, insbesondere wegen VerstĂśĂen in Bezug auf Hassrede, gesperrt; dennoch ist die AfD dort (Stand 2022) aufgrund von Konten von AfD-Politikern die präsenteste und in Bezug auf Follower erfolgreichste Partei.cite-ref-894[878]
Die AfD wird oftmals als erste âFacebook-Parteiâ bezeichnet. Die Recherchegruppe âDie Insiderâ, die auf Facebook in AfD-nahen Gruppen unterwegs ist, fand heraus, dass es dort darum gehe, âgezielt Hass zu schĂźren, auf Meinungsgegner, den Staat und seine Vertreterâ. Die Gruppen vermittelten ihren Mitgliedern, diese seien âOpfer des Systems, das man zum Sturz bringenâ mĂźsse. Laut der Journalistin Nina Poppel und der Sozialpädagogin Katrin Degen werben auf Social-Media-Kanälen junge Frauen fĂźr die AfD, da diese âverdeckter influencenâ, wenn es gelte, die âIdeologie durch die HintertĂźrâ einzufĂźhren.cite-ref-895[879]
Eine Datenanalyse des Spiegels Ăźber die Zeitspanne von Januar 2015 bis April 2025 zeigt eine groĂe Unterrepräsentation von AfD-Vertretern in den sechs Politik-Talks des Ăśffentlich-rechtlichen Fernsehens (Anne Will (bis 2023), Caren Miosga (ab 2024), Maischberger, Hart aber fair, Maybrit Illner, Markus Lanz). Die AfD stellte meist nur zwischen 2 und 5 Prozent aller Vertreter deutscher Parteien in den Talkrunden. Sie hatte damit die mit Abstand geringste Präsenz unter den sieben grĂśĂten Parteien Deutschlands.cite-ref-17-896-0[880] Wie der Spiegel schreibt, sollten die Zahlen zur Anwesenheit der AfD allerdings nicht Ăźberbewertet werden. Auch ohne eingeladene Vertreter der Partei seien dem Ăśffentlich-rechtlichen Talk-Betrieb häufig ihre Themen aufzuzwingen worden. So sei in rund 30 Prozent aller Sendungen Ăźber die Themen Migration, Asyl, Islamismus und Rechtsextremismus debattiert worden, was den enormen indirekten Einfluss offenbarte.cite-ref-17-896-1[880]
Bewertung durch Menschenrechtsorganisationen
Der Direktor der deutschen Sektion von Human Rights Watch (HRW), Wenzel Michalski, umschrieb im September 2017 den Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag mit: âFremdenfeindliche Populisten ziehen in den Bundestag ein â Etablierte Parteien sollten jeglicher Politik des Hasses entgegen tretenâ. Die AfD zeige âdeutlich die Verachtung ⌠gegenĂźber Menschenrechten und der Gleichberechtigung aller in der Gesellschaftâ mit ihrem Wahlprogramm und Rhetorik. Die â⌠allgegenwärtige Fremdenfeindlichkeit [der AfD] ist auch in ihrer Position zur inneren Sicherheit erkennbar, welche vollständig auf von Ausländern verursachte Verbrechen fokussiertâ ist. Bekannte â⌠AfD-Politiker sind mit zutiefst problematischen Statements an die Ăffentlichkeit gegangen âŚâ mit unter anderem ârechtsextremistischer Sprache Ăźber das Holocaust-Mahnmal in Berlin âŚâ. Des Weiteren appellierte er: â⌠die Normalisierung von Hass in der deutschen Politik muss dringend wieder aufhĂśren âŚâ.cite-ref-897[881]
Im Juni 2023 analysierte das Deutsche Institut fĂźr Menschenrechte (DIMR), dass die Partei verbotsreif sei. Eine Studie des Rechtswissenschaftlers Hendrik Cremer kam zu dem Schluss, dass die AfD das Ziel verfolge, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu beseitigen. Die rassistische national-vĂślkische Ausrichtung sei mittlerweile fest verankert und beschränke sich nicht nur auf Mitglieder des offiziell aufgelĂśsten FlĂźgels. Die Analyse solle auch dazu beitragen, dass die AfD als klar rechtsextreme Partei und als nicht mehr demokratisch wahrgenommen werde. Diese Ergebnisse wurden mit Zitaten diverser fĂźhrender AfD-Repräsentanten belegt, insbesondere mit zahlreichen Aussagen BjĂśrn HĂśckes. Zusätzlich mĂźssten, so die Studie, AfD-Mitglieder entwaffnet und Disziplinarverfahren eingeleitet werden, wenn Beamte, Soldaten oder Richter fĂźr die AfD einträten, denn dadurch werde die verfassungsrechtliche Treuepflicht verletzt.cite-ref-11-811-1[795] Mehrere Wissenschaftler äuĂerten sich hingegen zu einem Verbot der Partei kritisch. Dieses wĂźrde, so die BegrĂźndung, als autoritäre MaĂnahme wahrgenommen und verstärke den âMärtyrer-Effektâ bei AfD-Mitgliedern und Anhängern. Bei einem Scheitern vor den Gerichten werde die Partei gestärkt. NĂśtig seien vielmehr mĂśglichst breite gesellschaftliche BĂźndnisse fĂźr die Demokratie.cite-ref-taz0623-812-1[796]
Bewertung durch den Europarat
Die unabhängige Kommission des Europarates gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI â Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz) stellte in ihrem sechsten PrĂźfungsbericht Ăźber Deutschland fĂźr den Zeitraum von 2014 bis 2019 unter anderem besorgt fest, dass es âeinen hohen Grad an Islamophobie [gibt] und der Ăśffentliche Diskurs ⌠zunehmend fremdenfeindlicher gewordenâ und der âRassismus ⌠in zwei Unterorganisationen einer neuen Partei[, der AfD,] besonders offensichtlichâ sei. Die AfD spreche âsich vehement gegen Migration ausâ. So habe die AfD-Politikerin Beatrix von Storch den Waffeneinsatz befĂźrwortet, wenn Migranten der Aufforderung der GrenzschĂźtzer, stehen zu bleiben, nicht nachkämen. Es sei unter den AfD-Mitgliedern âeine signifikante Anzahl von Neonazis identifiziertâ worden, mehrere seien aus der Partei ausgeschlossen worden. Im Januar 2018 seien in den Social Media ârassistische und fremdenfeindliche Kommentareâ von drei AfD-Mitgliedern gelĂśscht worden.
Des Weiteren verwies ECRI auf Berichte des Bundesamtes fĂźr Verfassungsschutz (BfV), dass es ausreichend Beweise fĂźr âverfassungswidrige Tendenzenâ bei zwei AfD-Unterorganisationen gebe: im âFlĂźgelâ und in der Jugendorganisation âJunge Alternativeâ. Gemäà BfV-Bericht âsei die grĂśĂte Gefahr, die von der AfD ausginge, ihr Rassismus, der auf einem âbiologisch-rassistischen oder ethnisch-kulturellen Verständnis des Menschenâ basiere; dieser Rassismus konzentriere sich insbesondere und offensichtlich in den ⌠erwähnten Unterorganisationenâ. Im baden-wĂźrttembergischen Landtag seien zwei AfD-Mitglieder unter anderem wegen rassistischer Aussagen von einer Sitzung ausgeschlossen worden. Daraus folgernd befĂźrwortet die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), âdie staatliche Finanzierung von politischen Parteien ⌠einzustellen, die Rassismus befĂźrwortenâ. Sie verweist auf Artikel 21 (3) des deutschen Grundgesetzes, welcher dies de facto gestatte, und empfiehlt, dass ein solches Verfahren gegen die AfD geprĂźft werden sollte.cite-ref-898[882]
Position der rĂśmisch-katholischen Kirche in Deutschland
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, vertrat im August 2023 die Ansicht, AfD-Mitglieder dĂźrften keine Laienämter in der rĂśmisch-katholischen Kirche wahrnehmen. Es sei eindeutig, âdass antisemitische, rassistische, menschenverachtende Haltungen und ĂuĂerungen keinen Platz in einer katholischen Organisation habenâ; ein aktives Eintreten fĂźr die AfD widerspreche den Grundwerten des Christentums.cite-ref-899[883]cite-ref-900[884] Die katholische Deutsche Bischofskonferenz befasste sich auf ihrer Herbstvollversammlung im September 2023 mit dem Problem zunehmender extremistischer Positionen in einem kleinen Teil des politischen Parteienspektrums in Deutschland und erklärte in dem Zusammenhang, dass die BischĂśfe das Erstarken der Partei âAlternative fĂźr Deutschlandâ (AfD), die zunehmend (rechts-)extreme und demokratiefeindliche Positionen vertrete, mit groĂer Sorge wahrnähmen: âDer AfD wird vonseiten des Verfassungsschutzes eine Radikalisierung attestiert. Wir BischĂśfe werben dafĂźr, dass unser Land kein alternatives Deutschland wird, das fremdenfeindlich, antieuropäisch und nationalistisch wird.â Versuche, das Christentum fĂźr populistische Zwecke zu vereinnahmen, wiesen die BischĂśfe zurĂźck.cite-ref-901[885] Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, forderte im Dezember 2023 Abtreibungsgegner aus dem Umfeld der Kirche auf, sich von der AfD zu distanzieren. âKatholisch zu sein und gleichzeitig AfD-Anhänger, das geht fĂźr mich nicht zusammenâ, sagte er in einem Interview der SĂźddeutschen Zeitung.cite-ref-902[886] Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, erklärte am 18. Dezember 2023, er halte die Ziele der Partei fĂźr nicht vereinbar mit christlichen Werten: âDie AfD will ein fremdenfeindliches, ein antieuropäisches, ein nationalistisch aufgestelltes Deutschland. Das will ich nicht und sage das auch jedem.âcite-ref-903[887]
Die sechs fĂźr Ostdeutschland zuständigen katholischen BischĂśfe Heiner Koch (Berlin), Heinrich Timmerevers (Dresden-MeiĂen), Ulrich Neymeyr (Erfurt), Wolfgang Ipolt (GĂśrlitz), Stefan HeĂe (Hamburg) und Gerhard Feige (Magdeburg) warnten im Januar 2024 in einem gemeinsamen Appell mit dem Titel Eintreten fĂźr Demokratie vor den Umtrieben rechter Parteien, nämlich âkrude Ausweisungsphantasien fĂźr Migranten und ihre UnterstĂźtzer, die Ablehnung von Schutzangeboten fĂźr GeflĂźchtete, die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung, der alleinige Fokus auf Leistungsfähigkeit, die Leugnung des menschengemachten Klimawandels und die pauschale Verächtlichmachung von politischen Akteuren und Institutionenâ; dabei nannten sie ausdrĂźcklich, dass die Positionen âextremer Parteien wie dem III. Weg, der Partei Heimat oder auch der AfDâ nicht akzeptabel seien.cite-ref-904[888]cite-ref-905[889] Die diĂśzesanen Räte der ostdeutschen BistĂźmer verĂśffentlichten im Februar 2024 eine gemeinsame Erklärung zu âgefährlichen Tendenzen in unserer Gesellschaftâ mit dem Titel Demokratie â Respekt â Christliche Verantwortung, in dem sie ebenfalls die AfD ausdrĂźcklich nannten: âMenschen werden diskriminiert und ausgegrenzt. Ăberwunden geglaubte Menschenfeindlichkeit erhält Platz und Stimme, sogar in der Mitte unserer Gesellschaft. Die Grenzen des Sag- und Denkbaren werden ständig verschoben. Eine wertebasierte Standortbestimmung hat es immer schwerer. FĂźr all das ist insbesondere die AfD verantwortlich, von der wir uns klar distanzieren.âcite-ref-906[890]
In ihrem Friedenswort âFriede diesem Hausâ, das die Deutsche Bischofskonferenz am 21. Februar 2024 verabschiedete, wird die AfD zu den Identitären Bewegungen gerechnet, die sich sprachlich rhetorischer Figuren bediene, âdie Anklänge an faschistisches und nationalsozialistisches Gedankengut enthaltenâ. Als Beispiel nennen die BischĂśfe den âJargon der Alternative fĂźr Deutschland (AfD)â, in dem âZuwanderung als âUmvolkungâ diskreditiertâ werde.cite-ref-907[891] Am 22. Februar 2024 verabschiedete die Bischofskonferenz zusätzlich einstimmig eine Erklärung âVĂślkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbarâ, in der sie darauf hinweist, dass vor allem in der AfD inzwischen eine âvĂślkisch-nationalistische Gesinnungâ dominiere. Es heiĂt weiter: âDie AfD changiert zwischen einem echten Rechtsextremismus, den der Verfassungsschutz einigen Landesverbänden und der Jugendorganisation der Partei attestiert, und einem Rechtspopulismus, der weniger radikal und grundsätzlich daherkommt.â Rechtspopulismus sei âder schillernde Rand des Rechtsextremismus, von dem er ideologisch aufgeladen wirdâ; in beiden Fällen werde âstereotypen Ressentimentsâ gegen GeflĂźchtete und Migranten, gegen Muslime, gegen âdie vermeintliche VerschwĂśrung sogenannter globaler Elitenâ und auch gegen Juden âfreie Bahn verschafftâ. VĂślkischer Nationalismus, so die BischĂśfe, sei mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar; somit kĂśnnten ârechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchernâ, fĂźr Christen kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und seien fĂźr Christen auch nicht wählbar.cite-ref-908[892] Der Passauer Bischof Stefan Oster wies darauf hin, dass das Anliegen des Marsches fĂźr das Leben, der auch von katholischen BischĂśfen unterstĂźtzt wurde, von der AfD und anderen Kräften âgekapert und fĂźr die eigenen Interessen instrumentalisiertâ werde; er lieĂ offen, ob er unter diesen Umständen noch einmal bei dem Marsch mitgehen werde. Zur Diskrepanz zwischen dem Lebensschutz fĂźr alle und der Programmatik der AfD sagte Oster: âWenn versucht wird, in der WĂźrde des Menschen zu unterscheiden, Minderwertigkeiten auszumachen, eine vermeintlich homogene vĂślkische Gemeinschaft schaffen zu kĂśnnen, dann halten wir das fĂźr gefährlich.âcite-ref-909[893] Franz Jung, Bischof von Bistum WĂźrzburg, warf der Partei vor, damit zu kokettieren, katholische Positionen zu vertreten, um Wähler zu gewinnen. Auch wenn die AfD den Anschein erwecke, katholisch zu sein: âDie AfD ist es nicht. Definitiv nichtâ, erklärte Jung. Man kĂśnne nicht das katholische Fähnlein hochheben und dann vĂślkischen Nationalismus propagieren.cite-ref-910[894]
Beim Katholikentag in Erfurt im Mai/Juni 2024 kommt nach Aussage des Generalsekretärs des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Marc Frings, eine Mitwirkung von namentlich bekannten Mitgliedern oder Funktionsträgern der AfD nicht in Betracht, da die Positionen der AfD nicht im Einklang mit den Positionen stßnden, die die Veranstalter des Katholikentags formuliert hätten. Auch zum jährlichen St.-Michaels-Empfang des Katholischen Bßros in Berlin werden kßnftig keine AfD-Abgeordneten mehr eingeladen, so der Leiter des Bßros, Karl Jßsten.cite-ref-911[895]
Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, berichtete am 26. März 2024, dass der Beschluss der DBK zu einem Proteststurm der AfD gefßhrt habe und auch Beschwerden an den Vatikan gerichtet worden seien.cite-ref-912[896]
Evangelische Kirche
Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärte im Dezember 2023, âDie menschenverachtenden Haltungen und ĂuĂerungen insbesondere der rechtsextremen Kräfte innerhalb der AfD sind mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens in keiner Weise vereinbarâ; vĂślkisch-nationale Gesinnungen sowie demokratiezersetzende ĂuĂerungen und Verfahrensweisen weiter Teile der AfD stĂźnden im Gegensatz zu zentralen christlichen Inhalten und sozialethischen Positionen der evangelischen Kirche. Daher riet die Synode davon ab, die Partei âAlternative fĂźr Deutschlandâ zu wählen.cite-ref-913[897] Am 25. Februar 2024 schloss sich die EKD der Warnung der katholischen BischĂśfe vor einer Wahl der AfD an. Die Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs sagte: âWir ziehen die gemeinsame Konsequenz, vor der Wahl rechtsextremer Parteien einschlieĂlich der AfD zu warnen, weil sie Minderheiten ausgrenzen und die Demokratie gefährdenâ; vĂślkisch-nationale Gesinnungen sowie menschenverachtende Haltungen und ĂuĂerungen seien mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens nicht vereinbar.cite-ref-914[898] Sebastian Kranich äuĂerte Anfang 2024 in einer gemeinsamen Erklärung der fĂźnf Evangelischen Akademien Ostdeutschlands, dass die AfD offen âkirchenfeindlichâ auftrete und ihre âPropaganda mit dem ethischen Kern des Christentumsâ unvereinbar sei.cite-ref-915[899]
Die Landessynode der EKBO beschloss im April 2024, dass Mitglieder der AfD kein Ăltestenamt in einem Gemeindekirchenrat und kein Amt im VerkĂźndigungsdienst einnehmen dĂźrfen. Als Grund gab sie die âweitere[n] Radikalisierungâ und die âmenschenverachtende[n] Zieleâ der Partei an.cite-ref-916[900]
RĂźdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, forderte Angestellte der Diakonie im Jahr 2024 auf, nicht fĂźr die AfD zu kandidieren. Als BegrĂźndung nannte er ihre âin vielen Bereichen [âŚ] ausgrenzende Menschenfeindlichkeitâ.cite-ref-917[901] Im selben Jahr gab die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bekannt, AfD-Mitglieder von Leitungspositionen in der EKM auszuschlieĂen.cite-ref-918[902]
Sozialverbände
Im Jahr 2024 verĂśffentlichten der Sozialverband Deutschland und der Sozialverband VdK Deutschland Aufrufe gegen die AfD. Darin verwiesen sie auf die rechtsextreme und grundgesetzfeindliche Haltung der Partei.cite-ref-919[903]cite-ref-920[904]
Unternehmer und Wirtschaftsforschungsinstitute
Laut einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2024 hielten 69 Prozent der Unternehmen die AfD fĂźr ein Standortrisiko.cite-ref-921[905] Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, warnte: âBei einem EU-Austritt verliert Deutschland seine Rolle als Handels-Champion, denn unsere Exporte gehen zu mehr als der Hälfte in EU-Staaten. Ein Euro-Austritt ist zudem mit einer riesigen Aufwertung unserer dann neuen nationalen Währung verbunden â deutsche Produkte werden im Ausland unbezahlbar und somit LadenhĂźter.âcite-ref-922[906] Der Ăkonom Christoph Trebesch und seine Kollegen vom Kieler Institut fĂźr Weltwirtschaft haben ausgerechnet, dass populistische Regierungen ihre Nationen ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent pro Jahr kosten.cite-ref-923[907]
Verortung durch die BevĂślkerung
Die Analysen der Verfassungsorgane und die Einordnungen durch die Medien wurden in der Anfangszeit grĂśĂtenteils von der Gesamtwählerschaft nachvollzogen und mitgetragen. Das gilt fĂźr die Verortung der Partei als rechtsradikal bzw. rechtsextrem,cite-ref-924[908]cite-ref-925[909]cite-ref-926[910]cite-ref-927[911] und die Einschätzung, sie sei eine Gefahr fĂźr die Demokratie,cite-ref-928[912] mit der andere Parteien nicht zusammenarbeitencite-ref-929[913] oder koalieren sollten.cite-ref-930[914] Eine fallweise Zusammenarbeit auf kommunaler und Landkreisebene wird dagegen im Jahr 2023 mehrheitlich befĂźrwortet.cite-ref-931[915] Entsprechend differenziert ist das Bild bei der BefĂźrwortung eines Parteienverbots, das mehrheitlich knapp, im Osten dagegen mit groĂer Mehrheit abgelehnt wird.cite-ref-932[916]cite-ref-933[917]
Im August 2025 bekam die AfD in einer Infratest-Umfrage erstmals in einem Politikfeld die grĂśĂte Kompetenz beim Migrationsthema knapp vor der CDU zugesprochen.cite-ref-934[918]
Gesellschaftlicher Kontext
Der Politikwissenschaftler und Soziologe Floris Biskamp vertrat 2021 aufgrund von Daten aus Forschungsprojekten zur Verbreitung gruppenbezogen menschenfeindlicher und autoritärer Einstellungen die Ansicht, dass es in der Bundesrepublik âschon lange ein Potenzial fĂźr eine im zweistelligen Bereich erfolgreiche rechtsradikale Parteiâ gebe. Die AfD mobilisiere also ein bestehendes Potenzial. Eine ruckartige oder kontinuierliche Verschiebung der âGrenzen des Sagbarenâ sei in der Gesamtbetrachtung nicht zu erkennen. Er stellte dazu fest, dass es auch in den Jahrzehnten der Nachkriegsgeschichte âRelativierungen des Nationalsozialismus, [âŚ] Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Heterosexismus wie heute bei der AfDâ gegeben habe, und nannte die Namen Helmut Kohl, Alfred Dregger, Martin Hohmann und Franz Josef StrauĂ wie auch die âmĂśrderischen ,Baseballschlägerjahre' der 1990erâ sowie âdie 2000er mit ihren von der Mehrheitsgesellschaft rassistisch fehlgedeuteten NSU-Mordenâ. Die alltäglichen Formen von Rassismus und Sexismus wĂźrden heutzutage viel eher Ăśffentlich problematisiert als in den 1990er Jahren und kĂśnnten nicht mehr so unwidersprochen geäuĂert werden. Die radikale und extreme Rechte ist laut Biskamp zwar eine reale Gefahr; er sieht die Erfolge der AfD jedoch vor allem in der eingebĂźĂten Bindungskraft der Volksparteien begrĂźndet. Die Gefahr fĂźr die Demokratie bestehe gegenwärtig vor allem darin, âdass andere Parteien rechtspopulistische Rhetorik und Politik kopieren und normalisierenâ. Durch eine Rede vom âRechtsruckâ reproduziere man ein zentrales Narrativ der AfD, die immer behaupte, âsie vertrete eine gesellschaftliche Mehrheit und ihre Erfolge seien Ausdruck einer âWende 2.0â, bei der immer mehr Menschen âaufwachtenââ.cite-ref-935[919]
Die Politikwissenschaftlerin Karin Priester sieht in den Erfolgen der AfD eine âWiederkehr des Verdrängtenâ: Der Konservatismus sei als SteigbĂźgelhalter der Nationalsozialisten in Deutschland lange diskreditiert gewesen. Die Konservative Revolution sei vollends randständig und nur metapolitisch aktiv gewesen. Nun dränge diese Richtung wieder mit Macht in die Ăffentlichkeit, um âden christlichen âDemutskonservatismusâ der alten Bundesrepublik zu Ăźberwinden und Konservatismus als gegenwartsadäquate Avantgarde neu zu denkenâ. HierfĂźr gelte die AfD als das geeignete Vehikel.cite-ref-936[920]
Anfang Juli 2023 bezeichnete der Chef der Bundeszentrale fĂźr politische Bildung, Thomas KrĂźger, die AfD als âein erfolgreiches Radikalisierungskollektivâ. Er warnte davor, ein Wählen der AfD ânoch als Protest zu begreifenâ. Die Wähler wollten genau diese Partei, darin bestehe âder Ernst der Lageâ. In Teilen der Gesellschaft hätten sich bestimmte Positionen etabliert, die mit demokratischen Prinzipien unvereinbar seien. Hinter dem Etikett âtypisch ostdeutschâ verbirgt sich zudem laut KrĂźger eher âder Versuch der Nicht-Ostdeutschen, das Phänomen zu erklärenâ.cite-ref-937[921] Bereits zuvor hatten Forscher des Magdeburger Instituts fĂźr Demokratische Kultur darauf hingewiesen, dass der ârelative Erfolg der AfD [âŚ] auch auf der UnterstĂźtzung durch ein kohärent rechtsextrem eingestelltes Milieuâ und auf dem Zuspruch von Wählern, die âBestandteile des rechtsextremen Weltbildes vertretenâ, beruhe. Hier liege âkein diffuser Protest vor, sondern ein bewusster Wahlakt auf der Grundlage korrespondierender Einstellungenâ.cite-ref-938[922]
Eine Studie aus dem Jahr 2024 stellt eine Verbindung zwischen steigenden Mieten auf dem Wohnungsmarkt und der UnterstĂźtzung der AfD her. Unter einkommensschwachen Mietern stieg die Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstĂźtzen, um vier Prozentpunkte fĂźr jeden Euro ErhĂśhung des Quadratmeterpreises.cite-ref-939[923]
Zum Umgang mit der AfD
In anderen europäischen Ländern sind rechtspopulistische Parteien an Regierungen beteiligt â teils in der Hoffnung, sie durch Regierungsverantwortung politisch einhegen zu kĂśnnen. In Deutschland hingegen wird von den etablierten Parteien auf Landes- wie Bundesebene die Strategie einer sogenannten âBrandmauerâ gegenĂźber der AfD verfolgt. Sie soll Regierungskoalitionen, parlamentarische Zusammenarbeit sowie Wahlen in politische Ămter mithilfe von AfD-Stimmen ausschlieĂen. Ein Bruch dieses Konsenses â die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) im Jahr 2020 zum ThĂźringer Ministerpräsidenten mit AfD-Stimmen â fĂźhrte zu einem bundesweiten Eklat und Kemmerichs RĂźcktritt nach kurzer Zeit. Inzwischen wird die Abgrenzung zunehmend infrage gestellt. In zahlreichen Kommunalparlamenten kommt es regelmäĂig zu Kooperationen mit der AfD.cite-ref-940[924] Ende Januar 2025 fĂźhrte ein Bundestagsbeschluss zur Verschärfung des Asylrechts (FĂźnf-Punkte-Plan), der unter Zustimmung der AfD zustande kam, zu bundesweiten Protesten und einer neuen Debatte Ăźber die Brandmauer.cite-ref-941[925]
Fedor Ruhose (SPD) verwies 2020 darauf, dass die Wählerschaft der AfD durch âpopulistische Einstellungen zur Demokratie geprägtâ sei, in der Kompromisse als nicht mehr konstruktiv gesehen werden und der Mehrheitswille dem Schutz und der Repräsentation von Minderheiten vorgezogen wird. Darauf aufbauend sieht er eine Gegenstrategie darin, diesen populistischen Einstellungen durch Vertrauensarbeit entgegenzuwirken und sie so zu âdeaktivierenâ. Zum einen beinhalte dies eine âBewältigung der Probleme in den Gebieten, in denen die AfD noch aus Protest gewählt wirdâ, worunter er unter anderem die erodierte und nicht mehr zeitgemäĂe Infrastruktur zählt. Zudem solle die Politik vor Ort ansprechbarer sein, etwa durch mehr BĂźrger- und QuartiersbĂźros in der Fläche. AuĂerdem brauche es eine âemotionale Ansprache der Menschenâ seitens der Politik, um auf die Emotionalisierung des Rechtspopulismus zu reagieren. Eine Nachahmungsstrategie durch andere Parteien sieht er hingegen als gescheitert an, diese wĂźrde nur zu einer âNormalisierung der AfDâ und ihres Gedankenguts fĂźhren. Es gelte, die Wähler der AfD ânicht oberlehrerhaft, aber deutlich [âŚ] damit zu konfrontieren, wen und was sie da wählen.âcite-ref-942[926]
Zivilgesellschaftliche Organisationen mĂźssten sich nach Ansicht der Amadeu-Antonio-Stiftung stärker von der AfD abgrenzen, ein âAnbiedern an die AfDâ stärke diese nur. Das wichtigste Mittel gegen die Inszenierungen der Parteiakteure sei, das Grundgesetz sowie âdie eigenen Themen, das eigene Gesellschaftsbild und demokratische, pluralistische Narrative offensiv einzubringen und zu vertretenâ.cite-ref-7-800-1[784]
Im Juni 2023 sagte der Kommunikationswissenschaftler Johannes Hillje, es sei erstaunlich, wie âsynchron Normalisierung und Radikalisierung der AfDâ verliefen. Je länger es diese Partei gebe, desto mehr Menschen hielten sie fĂźr eine ânormale Parteiâ. âMainstreaming von AfD-Positionenâ fĂźhre zu âMainstreaming der AfDâ. Die Partei nehme Ăśkonomische Ăngste auf und verwandele sie âin eine kulturelle Gefahr, in der es nicht mehr allein um das Portemonnaie, sondern die Lebensweise und Identität von Menschen geht, die âasylgeflutetâ oder âĂśkodiktatorischâ ausgetauscht werden sollenâ. Er bezeichnete âGenderpflichtâ und âWoke-Wahnâ als âStrohmänner einer kulturellen Angsterzählung der AfD, die von einer vermeintlichen grĂźn-autoritären Umerziehungâ fantasiere. Es brauche eine deutliche Abgrenzung und es sei âenorm wichtig, dass im Wahlkampf nicht die Positionen der AfD von den demokratischen Parteien normalisiert und reproduziertâ wĂźrden; eine Zusammenarbeit, auch eine Minderheitsregierung durch Tolerierung der AfD, mĂźsse ausgeschlossen werden.cite-ref-943[927]
Der Historiker JĂśrg Baberowski äuĂerte im Juli 2023 zum Umgang mit der AfD, dort wo radikale Oppositionsparteien an der Macht beteiligt wĂźrden, hätten sie gar keine andere Wahl, als sich zu mäĂigen, da politische Entscheidungsprozesse nur durch Kompromisse mĂśglich seien. Hätten Protestbewegungen jedoch keine Aussicht auf Regierungsbeteiligung, neigten sie zur Radikalisierung, da dauerhafte Opposition zu nichts verpflichte. Er zog Parallelen zur Entwicklung der GrĂźnen in den 1980er-Jahren, als âsich Kommunisten in verfassungstreue Parlamentarier verwandeltenâ, während Konservative und manche Sozialdemokraten noch âExponenten der GrĂźnen fĂźr Extremistenâ gehalten hätten. Zwar seien die frĂźhen GrĂźnen nicht mit der AfD gleichzusetzen. Die âhysterischen Debattenâ von damals und heute seien jedoch ähnliche.cite-ref-944[928]
Im August 2024 verĂśffentlichte das American Jewish Committee Berlin Lawrence and Lee Ramer Institute for German-Jewish Relations (AJC Berlin) die von Andrea RĂśpke und Andreas Speit verfasste BroschĂźre Die Umsturzpartei. Wie die AfD unsere Demokratie gefährdet. Auf 60 Seiten werden verschiedene Aspekte der AfD, die Remko Leemhuis, Direktor des AJC Berlin Lawrence and Lee Ramer Institute for German-Jewish-Relations, in seinem Vorwort als âvĂślkisch-rechtsextreme Parteiâ (S. 4) bezeichnet und die eben nicht mehr nur eine rechtspopulistische Partei sei, behandelt. Ihm und den Verfassern der BroschĂźre gehe es darum, âdie erwähnten Aspekte und Entwicklungen mit mehr Realitätssinn zu diskutieren und daraus endlich wirksame MaĂnahmen gegen die Partei zu entwickelnâ (S. 5), die aus ihrer Zusammenarbeit mit âdiktatorischen und totalitären Regimen wie etwa Russland und China kein Geheimnis macht [und] damit Staaten SchĂźtzenhilfe [leistet], die erhebliche Ressourcen dafĂźr aufwenden, die liberalen Demokratien des Westens zu schwächen und letztlich zu zerstĂśrenâ (S. 5).
Richard SchrÜder kritisiert die AfD im Bundestag als destruktiv und stÜrend, da ihre Abgeordneten durch häufige Ordnungsrufe und Anträge die parlamentarische Arbeit behindern. Er betont jedoch, dass schlechtes Benehmen und der Widerspruch zum Grundgesetz nicht ausreichen, um die Partei zu verbieten. Ein Verbot mßsste auf konkreten Handlungen gegen die demokratische Ordnung basieren, was bei der AfD bisher nicht der Fall sei. SchrÜder warnt davor, sich durch ein Verbotsverfahren vor der politischen Auseinandersetzung zu drßcken, da ein gescheiterter Antrag der AfD zugutekommen wßrde.cite-ref-945[929]
Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze weist darauf hin, dass soziale Spannungen Rassismus und damit den Aufstieg der AfD begĂźnstigen. Um Spannungen abzubauen regt er ein konzertiertes Investitionsprogramm in die Ăśffentliche Infrastruktur und den Wohnungsbau an. Dies sei fĂźr Deutschlands Wohlstand und die Migrationsfrage wichtiger, als Milliarden in âĂźber-entwickelteâ amerikanische Kampfflugzeuge, Fabriken fĂźr Mikrochips und andere Leuchtturmprojekte zu investieren. Entweder mĂźsse man dazu die Schuldenbremse umgehen oder Sonderfonds auflegen.cite-ref-946[930]
Der Extremismusforscher Eckhard Jesse kritisierte im Mai 2025, dass die Hochstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem nicht angemessen sei, âda in der Partei weder das Machtzentrum noch die Majorität der Mitglieder extremistischâ sei. Ăberdies sei es der falsche Umgang mit mĂźndigen BĂźrgern, das Gutachten, das zur Hochstufung fĂźhrte, unter Verschluss zu halten.cite-ref-947[931] Dagegen kam die Einstufung der AfD als âgesichert rechtsextremistischâ fĂźr den Rechtsextremismusforscher Matthias Quent nicht Ăźberraschend. Es drehe sich im Wesentlichen immer um drei Prinzipien: den VerstoĂ gegen das MenschenwĂźrdeprinzip, den VerstoĂ gegen das Demokratieprinzip und den VerstoĂ gegen das Rechtsstaatsprinzip. In der aktuellen Bewertung sei besonders der vĂślkische Nationalismus betont worden.cite-ref-948[932] Auch Hendrik Jansen sah ganz klare Anhaltspunkte fĂźr Rechtsextremismus in der AfD.cite-ref-949[933] Laut Robin Alexander ist die AfD ânicht nur keine normale Parteiâ, âauch keine normale Rechtsparteiâ, auch keine âbundesrepublikanische Variante des europäischen Aufschwungs des Rechtspopulismusâ, keine âdeutsche Schwester des franzĂśsischen Rassemblement National um Marine Le Pen oder der italienischen Fratelli dâItalia um Giorgia Meloniâ, denn diese hätten ârechtsextreme Wurzeln, sich aber während ihres Aufschwungs zumindest teilweise von ihnen emanzipiertâ; sie hätten â ob authentisch oder nur taktisch â âmit dem offenen Antisemitismus, der Feindschaft zur Europäischen Union und der zur NATOâ gebrochen. Die AfD hingegen habe âdie Selbstaufklärung und Normalisierung ihrer europäischen Schwesternâ nicht nachvollzogen. Als âklein, eurokritisch und zumindest in Rufweite der Mitte gestartetâ, habe sich die AfD âin ihrem Aufschwung immer weiter nach rechtsâ transformiert.cite-ref-welt170925-151-1[151]
Einleitung einer EntschlieĂung Ăźber Verbotsantrag
verbotsantragAm 13. November 2024 brachten 124 Abgeordnete mehrerer Fraktionen einen Antrag auf Entscheidung des Deutschen Bundestages Ăźber die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD bei Bundestagspräsidentin Bärbel Bas ein. Der Bundestag solle beschlieĂen, beim Bundesverfassungsgericht die PrĂźfung der Verfassungskonformität der Partei zu beantragen.cite-ref-950[934]cite-ref-951[935] Der Antrag war von einer Gruppe um Marco Wanderwitz (CDU) erarbeitet worden. Neben ihm waren auch maĂgeblich beteiligt Carmen Wegge (SPD), Martina Renner (Linke) und Till Steffen (GrĂźne).cite-ref-952[936] Ende Februar 2025 gaben die Abgeordneten ihr Vorhaben auf, da sich fĂźr eine Abstimmung im Bundestag die erforderliche Mehrheit nicht abgezeichnet hatte.cite-ref-953[937]
Literatur
Monografien
⢠Stefan Dietl: Antisemitismus und die AfD. Verbrecher Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-95732-616-4.
⢠Werner J. Patzelt: Deutschlands blaues Wunder: Die AfD und der Populismus. Langen-Mßller Verlag, Mßnchen 2025, ISBN 978-3-7844-3718-7.
⢠Michael Kraske, Dirk Laabs: Angriff auf Deutschland: Die schleichende Machtergreifung der AfD. Beck, Mßnchen 2024, ISBN 978-3-406-82311-4.
⢠Florian Spissinger: Die Gefßhlsgemeinschaft der AfD. Narrative, Praktiken und Räume zum Wohlfßhlen. Budrich, Opladen 2024, ISBN 978-3-8474-3063-6.
⢠Patrick Bahners: Die Wiederkehr. Die AfD und der neue deutsche Nationalismus. Klett-Cotta, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-608-98689-1.
⢠Klaus-Dieter Mßller: Die AfD wßrde Deutschland ruinieren. Lutherische Verlagsgesellschaft, Kiel 2023, ISBN 978-3-87503-321-2.
⢠Joachim Wagner: Rechte Richter: AfD-Richter, -Staatsanwälte und -SchÜffen: eine Gefahr fßr den Rechtsstaat? Berliner Wissenschafts-Verlag, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-8305-5177-5.
⢠Sebastian Pittelkow, Katja Riedel: Rechts unten: die AfD: Intrigen, heimliche Herrscher und die Macht der Geldgeber. Rowohlt, Hamburg 2022, ISBN 978-3-499-01132-0.
⢠Gerd Wiegel: Brandreden: die AfD im Bundestag. PapyRossa, KÜln 2022, ISBN 978-3-89438-779-2.
⢠Katja Bauer, Maria Fiedler: Die Methode AfD: der Kampf der Rechten: im Parlament, auf der StraĂe â und gegen sich selbst. Klett-Cotta, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-608-98412-5.
⢠Hajo Funke, Gertrud Hardtmann: Die HĂścke-AfD: eine rechtsextreme Partei in der ZerreiĂprobe: eine Flugschrift. VSA-Verlag, Hamburg 2021, ISBN 978-3-96488-093-2.
⢠Benno Hafeneger, Hannah Jestädt, Moritz Schwerthelm, Nils Schuhmacher, Gillian Zimmermann: Die AfD und die Jugend: Wie die RechtsauĂenpartei die Jugend- und Bildungspolitik verändern will. Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2021, ISBN 978-3-7344-1164-9.
⢠Andreas Kemper: Die Furchtbßrger: Anmerkungen zum Rassismus, Sexismus und Klassismus der AfD. edition assemblage, Mßnster 2021, ISBN 978-3-96042-003-3.
⢠Michael Kraske: Tatworte: denn AfD & Co. meinen, was sie sagen. Ullstein, Berlin 2021, ISBN 978-3-548-06442-0.
⢠Hajo Funke: Die HĂścke-AfD: Vom gärigen Haufen zur rechtsextremen âFlĂźgelâ-Partei. Eine Flugschrift. VSA-Verlag, Hamburg 2020, ISBN 978-3-96488-066-6.
⢠Sonja Heyen: Die AfD in den Medien: Eine Analyse des medialen Framings der Partei âAlternative fĂźr Deutschlandâ am Beispiel politischer Talkshows. Carl Grossmann, Berlin 2020, ISBN 978-3-941159-51-8.
⢠Eva Kienholz: Ihr Kampf: wie HÜcke & Co. die AfD radikalisieren. Das Neue Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-360-01367-5.
⢠Werner J. Patzelt: CDU, AfD und die politische Torheit. Weltbuch Verlag, Dresden 2019, ISBN 978-3-906212-43-2.
⢠Sebastian Friedrich: Die AfD. Analysen â HintergrĂźnde â Kontroversen. Erweiterte und aktualisierte Neuauflage, Bertz + Fischer, Berlin 2019, ISBN 978-3-86505-741-9.
⢠Christoph Butterwegge, Gudrun Hentges, Gerd Wiegel: Rechtspopulisten im Parlament, Polemik, Agitation und Propaganda der AfD. Westend Verlag, Frankfurt 2018, ISBN 978-3-86489-714-6.
⢠Hajo Funke, Christiane Mudra: Gäriger Haufen. Die AfD: Ressentiments, Regimewechsel und vÜlkische Radikale. Handreichung zum demokratischen Widerstand. VSA Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-89965-821-7.
⢠Melanie Amann: Angst fßr Deutschland, die Wahrheit ßber die AfD: wo sie herkommt, wer sie fßhrt, wohin sie steuert. Droemer, Mßnchen 2017, ISBN 978-3-426-27723-2.
⢠Jßrgen Beetz: Auffällig feines Deutsch. Verborgene SchlßsselwÜrter eines Parteiprogramms. Alibri, Aschaffenburg 2017, ISBN 978-3-86569-230-6.
⢠Justus Bender: Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland. Pantheon, Mßnchen 2017, ISBN 978-3-570-55353-4
⢠aktualisiert 2025, ISBN 978-3-570-55522-4.
⢠Stefan Dietl: Die AfD und die soziale Frage. Zwischen Marktradikalismus und âvĂślkischem Antikapitalismusâ. Unrast, MĂźnster 2017, ISBN 978-3-89771-238-6.
⢠Michael Wildt: Volk, Volksgemeinschaft, AfD. Hamburger Edition, Hamburg 2017, ISBN 3-86854-309-0.
⢠Hajo Funke: Von WutbĂźrgern und Brandstiftern: AfD â Pegida â Gewaltnetze. Verlag fĂźr Berlin-Brandenburg, Berlin 2016, ISBN 978-3-945256-64-0.
⢠Stephan Hebel: Sehr geehrter AfD-Wähler, wählen Sie sich nicht unglßcklich! Westend, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-86489-170-0.
⢠David Bebnowski: Die Alternative fßr Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-08285-7.
⢠Tobias Frank: Die AfD bei der Bundestagswahl 2013: Determinanten und Erklärungen ihres Wahlerfolgs. Tectum, Marburg 2015, ISBN 978-3-8288-3675-4.
⢠Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die rechten âşMutâš-BĂźrger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der âAlternative fĂźr Deutschlandâ. VSA-Verlag, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-640-4.
⢠Andreas Kemper: Rechte Euro-Rebellion. Alternative fßr Deutschland und Zivile Koalition e. V. edition assemblage, Mßnster 2013, ISBN 978-3-942885-49-2.
Monografien ehemaliger Mitglieder
⢠Franziska Schreiber: Inside AfD. Der Bericht einer Aussteigerin. Europa Verlag, Mßnchen 2018, ISBN 978-3-95890-203-9.
⢠Bernd Lucke: Systemausfall. Europa, Deutschland und die AfD: Warum wir von Krise zu Krise taumeln und wie wir den Problemstau lÜsen. FinanzBuch Verlag, Mßnchen 2019, ISBN 978-3-95972-256-8.
⢠Franziska Schreiber: Entwaffnet sie! Die Strategien von AfD und Co. erkennen und bekämpfen. riva, Mßnchen 2021, ISBN 978-3-7423-1643-1.
⢠Frauke Petry: Requiem fßr die AfD. Maloony, Delitzsch 2021, ISBN 978-3-9823047-0-0.
⢠Nicolai Boudaghi, Alexander Leschik, Wigbert LÜer: Im Bann der AfD : Chats, Worte, Taten : zwei Kronzeugen berichten. Europa Verlag, Mßnchen 2021, ISBN 978-3-95890-434-7.
Sammelbände
⢠Eva Walther, Simon D. Isemann (Hrsg.): Die AfD â psychologisch betrachtet. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-25578-7.
⢠Stephan Grigat (Hrsg.): AfD & FPĂ. Antisemitismus, vĂślkischer Nationalismus und Geschlechterbilder (Reihe: Interdisziplinäre Antisemitismusforschung, Band 7). Nomos Verlag, Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-3805-2.
⢠Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative fßr Deutschland. Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10638-6.
⢠Helmut Kellershohn, Wolfgang Kastrup (Hrsg.): Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte (= Edition DISS. Band 38). Unrast, Mßnster 2016, ISBN 978-3-89771-767-1.
Beiträge in Sammelbänden
⢠Frank Decker: Alternative fĂźr Deutschland und Pegida: Die Ankunft des neuen Rechtspopulismus in der Bundesrepublik. In: Frank Decker, Bernd Henningsen, Kjetil Jakobsen (Hrsg.): Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa. Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien (= International Studies on Populism. Bd. 2). Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1206-9, S. 75â90.
⢠Alexander Häusler, Rainer Roeser: Die âAlternative fĂźr Deutschlandâ â eine Antwort auf die rechtspopulistische LĂźcke? In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: HintergrĂźnde â Analysen â Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 101â128.
⢠Helmut Kellershohn: Die AfD, die jungkonservative Neue Rechte und die Demokratiekritik von Rechts. In: Wolfgang Kastrup, Helmut Kellershohn (Hrsg.): Kapitalismus und/oder Demokratie? Beiträge zur Kritik âmarktkonformerâ Demokratieverhältnisse (= Edition DISS. Edition des Duisburger Instituts fĂźr Sprach- und Sozialforschung. Bd. 36). Unrast, MĂźnster 2014, ISBN 978-3-89771-765-7, S. 127â140.
⢠Susanne Merkle: Populistische Elemente in der Kommunikation der Alternative fĂźr Deutschland. Eine qualitative Analyse der Wahlwerbung und Pressemitteilungen im Europawahlkampf 2014. In: Christina Holtz-Bacha (Hrsg.): Europawahlkampf 2014: Internationale Studien zur Rolle der Medien. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-11019-2, S. 129â152.
⢠Oskar Niedermayer: Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? â Die âAlternative fĂźr Deutschlandâ. In: ders. (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-02852-7, S. 175â207.
⢠Jan Rohgalf: Subsidiarität als Kampfbegriff. Politik und Emotionalisierung am Beispiel der AfD. In: Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Emotionen und Politik. BegrĂźndungen, Konzeptionen und Praxisfelder einer politikwissenschaftlichen Emotionsforschung. Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-2246-4, S. 297â316.
⢠Aiko Wagner, Marcel Lewandowsky, Heiko Giebler: Alles neu macht der Mai? Die Alternative fĂźr Deutschland (AfD) und die Europawahl 2014. In: Michael Kaeding, Niko Switek (Hrsg.): Die Europawahl 2014. Spitzenkandidaten, Protestparteien, Nichtwähler. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-05737-4, S. 137â148.
Fachartikel
⢠Kai Arzheimer, Carl Berning: How the Alternative for Germany (AfD) and their voters veered to the radical right, 2013â2017. In: Electoral Studies. Band 60, 18. Mai 2019, doi:10.1016/j.electstud.2019.04.004 (kai-arzheimer.com [PDF; abgerufen am 21. Juli 2022]).
⢠Holger Lengfeld, Clara Dilger: Kulturelle und Ăśkonomische Bedrohung. Eine Analyse der Ursachen der Parteiidentifikation mit der âAlternative fĂźr Deutschlandâ mit dem Sozio-oekonomischen Panel 2016. In: Zeitschrift fĂźr Soziologie. Band 47, Nr. 3, 7. August 2018, S. 181â199, doi:10.1515/zfsoz-2018-1012.
⢠Sara Ceyhan: Konservativ oder doch schon rechtspopulistisch? Die politischen Positionen der AfD-Parlamentskandidaten im Parteienvergleich. In: Zeitschrift fĂźr Politikwissenschaft 26 (2016), S. 1â28.
⢠Alexander Häusler: Zerfall oder Etablierung? Die Alternative fĂźr Deutschland (AfD) als Partei des Rechtspopulismus. In: Zeitschrift fĂźr Geschichtswissenschaft 63 (2015), S. 741â758.
⢠Marcel Lewandowsky: Eine rechtspopulistische Protestpartei? Die AfD in der Ăśffentlichen und politikwissenschaftlichen Debatte. In: Zeitschrift fĂźr Politikwissenschaft (ZPol) Jahrgang 25 (2015), Heft 1, S. 119â134, doi:10.5771/1430-6387-2015-1-119 (Nomos Elibrary).
⢠Christian Nestler, Jan Rohgalf: Eine deutsche Angst â Erfolgreiche Parteien rechts von der Union. Zur AfD und den gegenwärtigen Gelegenheitsstrukturen des Parteienwettbewerbs. In: Zeitschrift fĂźr Politik, 2014, Heft 4, S. 389â413 (Nomos Elibrary (PDF; 232 kB)).
⢠Armin Pfahl-Traughber: Die AfD und der Antisemitismus. Eine Analyse zu Positionen, Skandalen und Verhaltensweisen. In: Jahrbuch fĂźr Antisemitismusforschung 25 (2016), S. 271â297.
⢠Armin Pfahl-Traughber: Die AfD ist (mittlerweile) eine rechtsextremistische Partei â Eine Einschätzung aus demokratietheoretischer Sicht. In: Sozial Extra. Nr. 44. Springer VS, Februar 2020, S. 87â91, doi:10.1007/s12054-020-00264-9.
Dokumentarfilme
⢠Chronik der AfD (2013â2021) in der ARD-Mediathek. Video (42 Min.), abrufbar bis 9. April 2026
⢠Eine deutsche Partei, 2022
⢠Jan N. Lorenzen: Wir waren in der AfD â Aussteiger berichten. ARD 2024, 90 Min. (abrufbar bis 24. Februar 2026.).cite-ref-954[938]
⢠Jan N. Lorenzen, Marcel Siepmann: Aufstieg rechts â Wie die AfD wurde, was sie ist in der ZDF-Mediathek. Video (44 Min.), abrufbar bis 8. Oktober 2029. Erstausstrahlung am 8. Oktober 2024.
Weblinks
⢠Webpräsenz der Alternative fßr Deutschland
⢠Parteien in Deutschland: Alternative fßr Deutschland der Bundeszentrale fßr politische Bildung
⢠Literatur von und ßber Alternative fßr Deutschland im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Anmerkungen
cite-note-263A 1. â Verwaltungsgericht KĂśln, Beschluss vom 5. März 2021, Az. 13 L 105/21.
cite-note-268A 2. â Verwaltungsgericht KĂśln, Urteil vom 8. März 2022, Az. 13 K 326/21, 13 K 207/20, 13 K 208/20, 13 K 325/21.
cite-note-276A 3. â OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Mai 2024, Az. 5 A 1218/22.
cite-note-290A 5. â VG KĂśln, Beschluss vom 27. Januar 2021 â 13 L 105/21.
cite-note-291A 6. â OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 18. Februar 2021 â 5 B 163/21 (âVerdachtsfallâ).
cite-note-297A 7. â VG KĂśln, Beschluss vom 5. März 2021 â 13 L 105/21.
cite-note-298A 8. â BVerfG, Beschluss vom 12. März 2021 â 2 BvQ 18/21.
cite-note-299A 9. â Bayerisches Verwaltungsgericht MĂźnchen, Beschluss vom 17. April 2023, Az. M 30 E 22.4913.
cite-note-301A 10. â BayVGH, Beschluss vom 14. September 2023 â 10 CE 23.796.
cite-note-305A 11. â VG Berlin, Beschluss vom 2. Februar 2024 â VG 1 L 340/23.
cite-note-346A 12. â VG KĂśln, Urteil vom 8. März 2022 â 13 K 207/20, insbes. Rn. 642: âDenn bei der Einstufung als gesicherte Bestrebung muss auch eine Verdichtung zur Gewissheit bestehen bzw. muss âgesichertâ sein, dass der einzustufende Personenzusammenschluss (noch) existiert.â
cite-note-348A 14. â OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 13. Mai 2024 â 5 A 1216/22 â, dejure.org.
cite-note-350A 16. â VG KĂśln, Urteil vom 8. März 2022 â 13 K 325/21.
Einzelnachweise
cite-note-11. Impressum â Alternative fĂźr Deutschland. In: afd.de. Alternative fĂźr Deutschland, abgerufen am 12. Juni 2024.
cite-note-22. Wie sich die neue AfD-Jugend aufstellt. In: tagesschau.de. 14. Oktober 2025, abgerufen am 14. Oktober 2025.
cite-note-33. AfD meldet âĂźber 1000â Partei-Eintritte seit Freitag â Abgeordneter verlässt Fraktion. In: welt.de. 6. Mai 2025, abgerufen am 1. Juli 2025.
cite-note-cramer2023-44. Warum die AfD verboten werden kĂśnnte. (PDF) In: Deutsches Institut fĂźr Menschenrechte. Abgerufen am 22. Dezember 2024 (âTatsächlich aber handelt es sich um eine rassistische und rechtsextreme Partei, zu deren Zielen es gehĂśrt, die in Artikel 1 Absatz 1 GG verankerten Garantien zu beseitigen.â (Seite 37)).
cite-note-h-usler-2016-p-55. Alexander Häusler: Die Alternative fßr Deutschland: Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10637-9. ; Heinrich August Winkler, zitiert von David Bebnowski: Die Alternative fßr Deutschland. VS Verlag, 2015, ISBN 978-3-658-08286-4, S. 28.
cite-note-neol2-77. Thomas Biebricher: Neoliberalism and Authoritarianism. In: Global Perspectives. Band 1, Nr. 1, 11. Mai 2020, doi:10.1525/001c.11872 (ucpress.edu [abgerufen am 4. Februar 2025]).
cite-note-86. Thomas Gesterkamp: Männerpolitik und Antifeminismus. (Memento vom 28. März 2019 im Internet Archive) Hans-BÜckler-Stiftung, 1/2015; Elisabeth Tuider, Martin Dannecker: Das Recht auf Vielfalt: Aufgaben und Herausforderungen sexueller Bildung. Wallstein, GÜttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1836-6, S. 2011; Alexander Häusler (Hrsg.): Die Alternative fßr Deutschland: Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-10637-9, S. 205 f.
cite-note-97. Festsetzung der staatlichen Mittel fĂźr das Jahr 2022 (Stand: 26. Januar 2023). (PDF) Abgerufen am 3. Januar 2024.
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cite-note-19-1919. â n-tv NACHRICHTEN: AfD fordert lieber keinen âDexitâ, aber RĂźckkehr zur Wehrpflicht. ntv, 12. Januar 2025, abgerufen am 26. Juni 2025.
cite-note-15-2020. â Marcel Fratzscher: AfD-Wähler: Wer zum AfD-Milieu zählt, der sollte vor allem nicht die AfD wählen. In: Die Zeit. Hamburg 1. September 2023 (zeit.de [abgerufen am 20. November 2023]).
cite-note-neol3-2121. â Georg Simmerl: Thomas Biebrichers âPolitische Theorie des Neoliberalismusâ. In: SĂźddeutsche Zeitung. 8. Februar 2021, abgerufen am 4. Februar 2025.
cite-note-2222. â deutschlandfunk.de: Bundestagswahl 2025 â Wahlprogramme: Schuldenbremse und Haushalt. 21. Januar 2025, abgerufen am 27. Januar 2025.
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cite-note-2424. â Diese Zukunftstechnologien wollen die Parteien nach der Wahl antreiben. In: Handelsblatt. Abgerufen am 17. September 2024.
cite-note-2525. â Wenn das ostdeutsche Image gefragte Experten aus dem Ausland vergrätzt. In: Handelsblatt. Abgerufen am 17. September 2024.
cite-note-2626. â Pressemitteilung: Wen die Parteien entlasten wĂźrden. In: ZEW Mannheim. Abgerufen am 22. Januar 2025.
cite-note-2727. â Diese Partei-Pläne kĂśnnten den Haushalt um bis zu 188 Milliarden Euro belasten. In: merkur.de. 21. Januar 2025, abgerufen am 22. Januar 2025.
cite-note-2929. â Vorbild Elon Musk: AfD will Superreiche in der Regierung sehen. 22. Januar 2025, abgerufen am 1. August 2025.
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